ARD-Themenwoche "Leben mit dem Tod"
Der Comedian Dieter Nuhr hat die Patenschaft für die ARD-Themenwoche "Leben mit dem Tod" übernommen. Mit der Theologin Margot Käßmann und Moderator Reinhold Beckmann präsentiert er die Woche. Im Interview mit Moderator Ansgar Langhorst spricht er unter anderem darüber, wie Humor, der Tod und das Sterben zusammenpassen.
Dieter Nuhr
[online] Dieter Nuhr im Interview, [5:24]
Ansgar Langhorst: Warum haben Sie ja gesagt, als man Sie um die Patenschaft gebeten hat für diese ARD-Themenwoche?
Erst mal bin ich schlecht im Nein sagen. Grundsätzlich mache ich gerne mit, weil es sich inhaltlich lohnt, mal über den Tod nachzudenken. Ich habe festgestellt, dass ich selber in meinem Programm sehr sehr viel über den Tod rede. Ich war selber überrascht beim Durchlesen, wie viel es war. Ich hätte damit Abendprogramme füllen können. Ich habe gemerkt, dass das schon irgendwie mein Thema ist und deshalb hat man mich wahrscheinlich auch angesprochen und darüber habe ich mich gefreut.
Ansgar Langhorst: Warum ist das ihr Thema; welches Verhältnis haben Sie denn zum Tod? Bei Comedians könnte man ja denken, dass sie irgendwie alles "weglachen"?
Ich glaube, das ist auch ein bisschen so der Ansatz. Humor ist ja eine große Lebenshilfe. Weil das Leben ja mit dem Tod endet, ist das grundsätzlich nicht angenehm und da macht es Sinn, sich die Zeit vorher möglichst lustig und vergnüglich zu gestalten. So sehe ich Comedy, Satire und Kabarett eigentlich als die Möglichkeit, das Leben in humoriger Form zu verarbeiten und das hilft gegen Depressionen.
Ansgar Langhorst: Der Tod ist immer wieder Teil ihres Programmes. Wieweit darf man denn gehen, bevor es geschmacklos wird?
Das kann man pauschal nicht sagen. Ich sage immer das, was mir durch den Kopf geht und ich habe da meine ganz eigene Geschmacksgrenze. Gott sei Dank teile ich die mit meinem Publikum halbwegs, sonst würde es ja nicht mehr kommen. Ich würde jetzt nicht grundsätzlich sagen, dass man da eine Grenze setzen sollte. Schwierig wird es natürlich dann, wenn Leute im Publikum sind, die gerade selber irgendwelche Erfahrungen mit dem Tod gemacht haben. Da sind auch schon einmal Leute zu mir gekommen, die sagten, dass sie das nicht lustig gefunden haben. Das ist schade, aber man kann grundsätzlich nicht jedermanns Befindlichkeit treffen.
Grundsätzlich finde ich es erst mal richtig, sich mit dem Tod auf humorige Weise auseinanderzusetzen, weil alles andere zu schlechter Laune führt.
Ansgar Langhorst: Wenn es bei ihnen auch irgendwann mal so weit ist, wie stellen sie sich ihre eigene Beerdigung vor? Einige sagen ja, dass sie bei sich Partystimmung wünschen und möchten, dass die Menschen glücklich sind, wenn sie zusammenkommen und an mich denken. Ist so eine Beerdigung für sie realistisch?
Grundsätzlich finde ich eine ernste Veranstaltung gar nicht so schlecht, weil ich persönlich wahrscheinlich eher verbittert sein werde, wenn ich Tod bin. Wenn man Tod ist, hat man ein paar Millionen Jahre, sich an den Zustand zu gewöhnen; dann wird sich dieser Zustand wieder verbessern. Aber wie meine Beerdigung gestaltet wird, möchte ich denen überlassen, die damit zu tun haben, nämlich jenen, die das organisieren und sich mit meinem Tod auseinandersetzen müssen und das sind diejenigen, die noch am Leben sind. Für die Angehörigen macht man, glaube ich, eine Beerdigung und nicht für den Toten. "Der merkt es nicht mehr und den könnte man im Grunde auch verscharren". Ich glaube eher es ist eine Sache für die Hinterbliebenen im Sinne eines Abschieds.
Ansgar Langhorst: Haben sie Angst vor dem Sterben oder vor dem Tod?
Ja klar, natürlich! Vor dem Tod habe ich eigentlich keine Angst; ich habe Angst vor dem Sterben. Das sind zwei unterschiedliche Dinge.
Ansgar Langhorst: Ein Aspekt der Themenwoche ist: was von uns bleibt. Sie sind eine Person des öffentlichen Lebens; sie sind sehr erfolgreich und haben viele Fans. Was soll von ihnen mal bleiben?
Schwer zu sagen: Ich glaube, dass in diesen Zeiten der Masseninformationen und des ständigen Programms noch einige Wiederholungen laufen werden. Irgendwann wird das überlagert von neuem Stoff. So ist das Schicksal der Menschen, dass sie irgendwann in Vergessenheit geraten. Es sei denn, sie heißen Napoleon oder Hitler und deren Erbe möchte ich auch nicht antreten. Ich glaube auch, dass das nicht schlimm ist, das ist der Gang der Dinge und damit muss man sich abfinden.
Ansgar Langhorst: Was möchten sie und was glauben sie, wann sehen wir uns wieder?
In einem anderen Leben möglicherweise?
Ansgar Langhorst: Ja
Was ich möchte und was ich glaube, sind zwei ganz unterschiedliche Dinge: Ich möchte natürlich gerne, dass die Buddhisten recht haben, dass wir wiederkommen und das es weitergeht. Die Buddhisten finden das aber eigentlich gar nicht so schön, denn die würden ja gerne aussteigen aus dem ewigen Zyklus des Lebens du streben an, in das Nirwana zu kommen. Ich würde eigentlich ganz gerne irgendein zweites Leben führen irgendwo anders. Ich hoffe aber, dass es da auch gut geheizt ist, weil ich sehr kälteempfindlich bin.
Info: Buntes
![Storch im Nest am Haus der Dettmanns in Oberhammelwarden bei Elsfleth [Quelle: Radio Bremen, Janine Horsch] Storch im Nest am Haus der Dettmanns in Oberhammelwarden bei Elsfleth [Quelle: Radio Bremen, Janine Horsch]](/bremeneins/buntes/storcheneltern102_v-mediateaser.jpg)
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