Geschichten und Lieblingsmusik aus ihrer Jugendzeit
Meine Disko war das „alte" Stubu, die Studentenbund-Kneipe in der Bremer Ostendorpstrasse in der Nähe vom Rembertiring. Sie ist leider schon lange dem Ruhebedürfnis der Anwohner und somit dem Bagger zum Opfer gefallen. Es muss so um 1980 gewesen sein und ich war ein 16 Jahre alter, sehr braver Schüler. Mehr noch: Ein richtiger Stubenhocker, dem es nie einfallen würde, nachts um die Häuser zu ziehen. Natürlich saß ich wie alle aus meiner Generation mit dem Mikro vom Kassettenrekorder vor dem Radio, um Songs aufzunehmen.
Meistens von der NDR Plattenkiste oder Christian Günthers Sendung auf der Bremer Hansawelle. Auf den meisten Aufnahmen, in unterirdischer Qualität und oft unvollständig, hörte man zwischendurch auch noch den Verkehrsfunk, den Rasenmäher vom Nachbarn oder ein gellendes „Essen ist fertig !" aus der Küche. Jaja...die Zeiten waren schon hart !
Heute, wo Musik dank Internet und MP3 überall verfügbar ist, kann man sich das gar nicht mehr vorstellen! Damals war ich in einem Sportverein und es begab sich, daß unser Trainer uns nach einer Meisterschaft auf ein Bier einlud und wir im Stubu landeten. Ein Biergarten, eine urgemütliche Kneipe, dekoriert mit Fischernetzen, alten Musikinstrumenten und Blechschildern, eine Küche für den schnellen Snack, die Toiletten in einer kleinen Hütte über den Hof – und eine Treppe, die hinauf in den eigentlichen Veranstaltungssaal mit der kleinen Bühne führte. Ich als unerfahrener „Nesthocker" hatte das Gefühl, eine neue Welt zu betreten. Man sah Leute aus allen Altersklassen und allen Bevölkerungsschichten. Alle kamen gut miteinander aus, jeder war freundlich... das war praktisch gelebte Friedensbewegung! Man kam auch ohne Security und zwielichtige Türsteher aus! Im Stubu gab es mehrere Male in der Woche Livemusik aller möglichen Richtungen. Lokale Bands wie Larry & the Handjive, Franny & the Fireballs, die Mushroams, aber auch viele überregionale Künstler traten dort auf. Da die Musiker und Zuschauer unmittelbar voreinander standen, kam es immer wieder zu bemerkenswerten Ereignissen. Beispielsweise trat dort einmal der in der Bluesszene weltbekannte Blues-Harmonikaspieler Charlie Musslewhite auf. Mitten im Konzert hörte er, daß jemand im Publikum ebenfalls auf einer BluesHarp blies. Also holte er den Spieler für einen gemeinsamen Song auf die Bühne! Besonders gerne erinnere ich mich auch an einen Berliner Pianisten, der sich Debbie Lee nannte und im Stile eines Jerry Lee Lewis um das Piano herumwirbelte und auch mit den Füßen spielte.
Ich entdeckte in diesen Tagen meine Vorliebe für Livemusik, insbesondere für Blues und Rock. Eine Liebe, die mich mein ganzes Leben begleiten sollte und mich noch heute in viele Konzerte führt. Nach dem Konzert gab es jeden Abend noch „Disko" .Die DJ’s Peer, Julia und der legendäre „Harry" (Markenzeichen: Walroßbart), legten eine bunte Mischung tanzbarer Musik auf. Es gab noch nicht soviele „Musiknischen" wie heute, wo sich das Partyvolk in die Anhänger von House, RnB, ElektroPop, Techno etc. aufteilt und dann verschiedene Clubs aufsucht Rock, Neue deutsche Welle, Funk, Soul...irgendwie gab es etwas für jeden Musikgeschmack, so dass die Tanzfläche immer voll und die Stimmung super war. Wenn ich mich an die Musik im Stubu erinnere, fallen mir insbesondere viele sehr lange Songs ein, bei denen man sich auf der Tanzfläche der Musik hingeben und sich regelrecht in eine Art Rausch tanzen konnte. Mal langsam, fast hypnotisch, wie der Rhythmus in „Papa was a rolling Stone" von den Temptations, mal exzessiv rockig und abgedreht wie in „Gamma Ray" von Birth Control. Wenn ich zu diesem Lied herumgesprungen bin, bestand für die Leute in der Nähe akute Verletzungsgefahr!
 Ein paar typische Stubu-Lieder, die mich sofort an "damals" erinnern und die ich heute noch gerne höre:
AC/DC - Touch Too Much
Birth Control – Gamma Ray
Sniff & the Tears - Driver Seat
James Brown - Sex Machine
Temptations - Papa Was A Rolling Stone
Caroline Mas - Sittin In The Dark
Earth Wind & Fire – Fantasy
Stretch - Why Did You Do It
Elvis – Fever
Santana – Jingo
Bots – Sieben Tage lang
Ritchie Havens - Goin' Back To My Roots
Oft machte es sich der DJ allerdings einfach und legte ein Band mit einem bewährten „Partmix" auf. Die Songs auf diesem Band hörte man daher mindestens einmal pro Wochenende und sie waren bei den Besuchern beliebt. Die Frauen sangen mit, wenn von Ina Deter „Neue Männer braucht das Land" kam. Die Männer revanchierten sich, indem sie beim dann folgenden frechen Lied "Lady" von Marius-Müller-Westernhagen kräftig mitgröhlten. Ein fröhlicher, musikalischer Geschlechterkampf! Doch die Versöhnung folgte spätestens beim dann folgenden Lied "Sieben Tage lang" von Bots. Es war im Stubu Tradition, einfach die nächstbesten Leute zu umfassen und in langen Reihen, die Beine in einer Art Sirtaki schwingend, durch den Saal zu tanzen. Das war natürlich auch eine wunderbare Art, neue Leute kennenzulernen. Denn kaum Jemand konnte sich entziehen, wenn er für den Tanz gepackt wurde.
Dies war die Welt, die ich an diesem Abend kennenlernte und die mein bisheriges Leben gehörig auf den Kopf stellen sollte. Denn ich entwickelte mich praktisch "über Nacht" vom Nesthocker zum Stammgast des Stubu. Mehrmals in der Woche und regelmäßig am Wochenende ging ich jahrelang dorthin, um Musik zu hören und zu tanzen. Freitags und samstags endete die Disko erst am frühen Morgen und nicht selten kam ich erst nach Hause, wenn die Sonne schon wieder am Himmel stand. Einmal erwartete mich mein Vater, drücke mir den Rasenmäher in die Hand und knurrte: "Wer feiern kann, kann auch arbeiten!" Aber wohl hauptsächlich, weil meine Schulleistungen unter meinem neuen Lebensstil nicht litten, sahen meine Eltern meine Ausflüge ins Nachtleben erstaunlich locker. Ich hätte mir die Besuche im Stubu aber auch um nichts in der Welt verbieten lassen Irgendwann wurde leider von den Behörden der Beschluss gefasst, dass das Stubu nach jahrzehntelanger, traditionsreicher Geschichte "zum Schutz der Anwohner" seine Pforten schließen musste. Und trotz massiver Proteste, an denen ich mich verständlicherweise beteiligte, wurde der Beschluss umgesetzt: Das Stubu wurde abgerissen! Alle nachfolgenden Diskotheken mit diesem Namen entpuppten sich für mich im Übrigen als Enttäuschung, da der alte verbindende "Geist" der Studentenkneipe nicht hinübergerettet werden konnte. Aus einer altersübergreifenden Begegnungsstätte mit Livemusik wurden in meinen Augen kommerzielle "Hüpfburgen" für das junge Party-Volk mit Charts-Musik und bulligen Türstehern. Das war nicht mehr meine Welt. Wolfgang Paul
Sehr geehrte Damen und Herren. Gerne erinnere ich mich an die Zeit meiner Disco Besuche im Domizil in Bad Harzburg 1965. Musik war angesagt:  Engelbert – A Men Without Love, Peggy March - Mit 17 hat man noch Träume usw. War eine schöne Zeit. Mit freundlichen Grüßen, Margit Nothdurft
Info: Buntes
![Storch im Nest am Haus der Dettmanns in Oberhammelwarden bei Elsfleth [Quelle: Radio Bremen, Janine Horsch] Storch im Nest am Haus der Dettmanns in Oberhammelwarden bei Elsfleth [Quelle: Radio Bremen, Janine Horsch]](/bremeneins/buntes/storcheneltern102_v-mediateaser.jpg)
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