Panikattacken
Angst lähmt, das wissen Menschen mit einer Angststörung. Alltäglich Dinge, wie Einkaufen, Essengehen oder Telefonieren werden für Betroffene unmöglich. Die Psychotherapeutische Ambulanz an der Universität Bremen möchte nun eine Art Training erforschen, damit Angststörungen gar nicht erst entstehen. Dieses Training soll nur einhundert Minuten dauern, aber ein oft jahrelanges Martyrium verhindern. Hierfür suchen die Forscher auch noch Probanden, die das neue Training ausprobieren. Es klingt ein bisschen nach Zauberei, dieses Einhundert-Minuten-Programm. Reporterin Ramona Schlee erklärt Ihnen, wie das funktionieren soll.
Programm gegen Panikattacken, [3:02]
Ein Beitrag von Ramona Schlee
Unsere Reporterin traf Janis Mahnken in der Psychotherapeutischen Ambulanz der Bremer Universität. Äußerlich ist es ihm nicht anzumerken, aber er hat zwei Jahre permanenter Angst hinter sich. Sein Leben war aus den Fugen geraten. In Jeans und T-Shirt, mit kurzen Haaren und Brille sitzt der 31-Jährige in der Behandlung.
"Das man beim Autofahren Unwohlsein verspürte. Oder auch in solchen Situationen. Fußball oder sportliche Aktivitäten, die man zurückgeschraubt hat. Kinobesuche, Feierei mit Freunden, das wurde alles eingeschränkt immer aus der Angst, wieder eine Panikattacke zu bekommen in einer Situation, in der man die nicht gebrauchen kann", sagt Mahnken.
Es ging los mit einzelnen Attacken. Irgendwann war die Angst immer da, erzählt der junge Mann. Janis Mahnken hätte viel früher Hilfe bekommen müssen, damit sich die erste Panikattacke vor zwei Jahren nicht zu einer Angststörung auswächst. Das ist der Ansatz von Thomas Lang, Psychotherapeut und Leiter der Psychotherapeutischen Ambulanz. In den kommenden Monaten will er mit seinem Team eine Art Früh-Training erforschen: Dafür suchen er und sein Team Personen, die schon einmal eine Panikattacke erlebt haben. Dabei wollen sie untersuchen, ob es gelingt mit einem Hundert-Minuten-Paket, dem Patient – oder noch Nicht-Patient – mit Informationen über die Panikattacke zu versorgen: Was passiert bei einer Panikattacke, was muss man tun, um nicht in solch eine Störungsentwicklung zu fallen. Sie hoffen, so Störungsentwicklungen verhindern zu können.
Lang sagt, er wolle diese Menschen nicht Patienten nennen, denn sie seien ja noch nicht krank. Sie hatten nur eine oder zwei Panikattacken, was relativ normal sei. Es geht in dem Einhundert-Minuten-Programm darum, dass diese Menschen lernen, mit eventuellen weiteren Attacken umzugehen, sie richtig einzuordnen.
"Die Idee hinter dem Programm ist eine etwas ältere Studie von Paul Salkovskis, der zeigen konnte, dass wenn Personen, die gerade eine Attacke hatten, dass wenn man denen bestimmte Informationen darüber gibt, was da im Körper abläuft und was Teile dieser Panikattacke sind, dass die dann mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit eine Angststörung bekommen, als Personen, die diese Informationen nicht hatten", sagt der Therapeut.
Janis Mahnken hat in einer langwierigen Verhaltenstherapie lernen müssen, mit seiner Angststörung umzugehen. Es geht ihm besser, aber es war ein steiniger Weg: "Der Körper lernt irgendwann, die Angst kann Dir nichts anhaben und lernt, damit umzugehen. Mein Leben hat sich eigentlich wieder normalisiert. Ich bin nicht völlig angstfrei, aber ich kann damit besser leben. Ich kann meine Körpersymptome besser einschätzen. Ich bin zufrieden" sagt der 31-Jährige.
Psychotherapeut Thomas Lang freut sich zwar, dass Janis Mahnken sein Leben wieder im Griff hat. Noch mehr würde es ihn aber freuen, mit dem Einhundert-Minuten-Programm Angststörungen ganz zu vermeiden.
Wenn auch Sie schon einmal eine Panikattacke hatten, können Sie sich auch in der Psychotherapeutischen Ambulanz melden. Die Forscher suchen nämlich noch Probanden, die das 100-Minuten-Programm ausprobieren.
www.ambulanz.uni-bremen.de
Homepage der Psychotherapeutische Ambulanz (ZKPR) der Universität Bremen
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