Leumers Garten
Primeln sind robuste Blumen und können schon gepflanzt werden.
Durch den ungewöhnlichen Winter müssen wir dieses Jahr im April einige Besonderheiten im Garten beachten. Die Kartoffeln dürfen erst in den Boden gebracht werden, wenn es etwas wärmer geworden ist. Die meisten Pflanzen, die abgestorben aussehen sind nicht erfroren, sondern vertrocknet. Wie Sie erkennen, ob noch Leben vorhanden ist, Antworten auf die Fragen der Hörer und vieles mehr verrät wieder unser Gartenexperte Heinrich Leumer.
Der Garten im April, [8:49]
Tipps von unserem Gartenexperten Heinrich Leumer
Warten Sie mit den vorgekeimten Kartoffeln, bis der Boden ungefähr 10 Grad warm geworden ist. Legen Sie die Kartoffeln nicht zu tief. Möglichst schon ein paar Tage vorher die Furche ziehen, dann kann sich die Erde erwärmen. Die Reihen sollten 80 cm auseinander liegen. Innerhalb der Reihe sollten die Kartoffeln im Abstand von 35 cm liegen.
Viele denken, ihre Pflanzen seien durch den Winter erfroren, aber die meisten sind vertrocknet. Nehmen Sie ein Messer und kratzen unten am Zweig einer "Patientin" an der Rinde. Kommt Grün zum Vorschein lebt die Pflanze noch. Dann können Sie sie behalten und einfach zurückschneiden und auf das neuerliche Austreiben warten.
Eine Hörerin beklagte, dass bei ihrem Efeu die Blätter absterben. Das kann verschiedene Gründe haben. Die Pflanzen können einen Frostschaden erlitten haben; sie leiden durch Trockenheit an Unterernährung oder wurden versehentlich an den Zweigen verletzt. Der Efeu sei aber entgegen seinem Ruf kein Baumwürger, bemerkte Heinrich Leumer.
Für Blumen bietet sich ein Frühbeet an, um die Pflanzen langsam kommen zu lassen. Wollen Sie sie dann in das Freiland aussetzen, müssen sich die Blumen erst an die Witterungsverhältnisse gewöhnen, denn nachts kann es noch ganz schön kalt werden. Sie sollten die Pflänzchen stundenweise den kälteren klimatischen Außenbedingungen aussetzen. Dafür können Sie einfach zeitweise die Glasscheiben des Frühbeetes öffnen. Haben sie sich an die "frische" Luft gewöhnt, kann ihnen schlechtes Wetter nichts mehr anhaben - sie sind abgehärtet.
Empfindliche Pflanzen sollten Sie nicht vor Mitte Mai ins Freiland aussetzen.
Möhren, Radieschen, Pastinaken, Schwarzwurzeln, Spinat – all das kann jetzt hinaus ins Beet.
Wer jetzt aber schon die Stiefmütterchen und ähnliches auf dem Balkon hat, sollte die Töpfe nachts reinholen. Denn bei Temperaturen um die 0 Grad fühlen sich die Blumen nicht wohl.
Der Klassiker im April: Rosen schneiden. Aber auch hier kann der ungeübte Gärtner einiges falsch machen. Verfahren Sie mit Ihren Rosen am Besten wie mit Bleistiften: was so dick ist wie ein Bleistift, wird auf Bleistiftlänge gekürzt. Was dicker ist, kann länger bleiben und was dünner ist, muss kürzer. Einfach, oder? Und seien Sie mutig: Auch frische Triebe müssen beschnitten werden. Wenn die Rose gesund ist, wird die Pflanzen trotz des Schnitts ordentlich ausschießen.
Auch wenn Sie sich kaum zurück halten können: Den Rasen bitte noch nicht mähen! Das Gras ist gerade dabei, den Winter, das wenige Licht und die tiefen Temperaturen zu "verdauen". Die Blätter, also die Halme, produzieren mit der ersten Frühlingssonne den notwendigen Traubenzucker für die Wurzeln. Wenn Sie also jetzt schon die Halme kürzen, kann die Pflanze nicht genügend Nährstoffe produzieren. Ende April können Sie anfangen, lassen Sie dabei das Gras knapp vier cm hoch stehen und düngen Sie danach mit ca. fünf Gramm Hornmehl pro Quadratmeter die Rasenfläche. Auch für das Vertikutieren ist die Wurzel noch nicht stark genug. Der beste Zeitpunkt für diese Form der Gartenpflege ist der Juni.
Das schaffen Sie, indem Sie ein Hochbeet oder Hügelbeet anlegen und die Möhren nach oben setzen. Durch die hohe Lage vertrocknen die Eier der Würmer. Wenn Sie zusätzlich noch weiße feinmaschige Netze, so genannte Kulturschutznetze, über die Beete legen, können die Möhrenfliegen oder Lauchmotten nicht an das Gemüse heran kommen.
Wenn Sie dem Giersch (Aegopodium podagraria) nicht mit Hilfe der Chemie zu Leibe rücken wollen, müssen Sie das Kraut "erschöpfen". Einmal in der Woche werden dafür die Blätter des Giersch herausgerissen. Die Blätter produzieren mit Hilfe der Photosynthese, also mit dem Sonnenlicht, Traubenzucker. Das ist für die Wurzeln der Pflanze überlebenswichtig. Sind keine Blätter da, kann auch kein Traubenzucker produziert werden - der Giersch geht ein. Ein etwas mühseliges, aber wirkungsvolles Verfahren. Falls Sie den Giersch aber doch verzehren möchten, hier ein paar Tipps: Das Kraut soll besonders reich an Kalium sein. Es wirkt harntreibend, krampflösend, entzündungshemmend, leicht zusammenziehend. Schon die Römer sollen Giersch reichlich verspeist haben. In der Volksheilkunde verwendete man das Kraut gegen Gicht.
Zu viel Moos im Rasen ist immer ein Kulturfehler. Moos kann man nicht bekämpfen, man muss die Ursachen beseitigen. Die Ursache ist immer Verhungern des Rasens. Zum Beispiel durch zu viel Schatten, Unterernährung oder Staunässe. Auch ist ein zu niedriger Schnitt nicht hilfreich. Denn der Rasen ist eine Pflanze und kann nicht wie ein Teppich behandelt werden. Der Mäher sollte nicht niedriger als vier Zentimeter tief gestellt sein.
Was tun gegen Quecken im Rasen? Dagegen hilft leider nur: Umgraben und Kartoffeln anbauen. Durch die Kartoffelpflanzen werden die Wurzeln der Quecken erfolgreich "erstickt". Wenn Sie dann eine Kartoffelernte eingefahren haben, können Sie auf der Fläche beruhigt Ihren neuen Rasen aussäen. Kenner kochen aus den Wurzeln der Quecken übrigens gerne einen Sud, der als Blut reinigend und harntreibend gilt. Außerdem soll er bei Blasenentzündungen, Cellulitis und Nierenproblemen helfen.
Info: Leumers Garten
![Der Gartenexperte telefoniert [Quelle: Radio Bremen, Fotograf: Eva Koplin] Der Gartenexperte telefoniert [Quelle: Radio Bremen, Fotograf: Eva Koplin]](/bremeneins/serien/leumers_garten/leumerstudio100_v-mediateaser.jpg)
Viele Jahre lang war er der Gartenexperte von Bremen Eins, doch nun ist leider Schluss! Am ersten August 2011 war Heinrich Leumer zum letzten Mal auf Bremen Eins zu hören. Wir sagen "Danke, Heinrich Leumer!"
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Ob Gemüseanbau, Obst- oder Ziergarten - der gelernte Gärtner Leumer weiß auf jede knifflige Frage rund um den Garten oder den Balkon eine passende Antwort. All sein Wissen hat der 67-Jährige zu Papier gebracht. Mit Hilfe des Bremen-Eins-Autors Michael Kruse beschreibt Heinrich Leumer in insgesamt vier Büchern viele Tipps und Tricks für Hobbygärtner und Balkongenießer - jeweils passend für die aktuelle Jahreszeit. Mehr...
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