Mittwoch, 22. November 2017
Sperrholzplatte vor einem Fenster, auf dem ein Graffito steht [Quelle: Julie van Westhuizen] Lupe

"Irma" sorgt für den Ausnahmezustand in Florida. Mehrere Millionen Menschen müssen evakuiert werden.

Wie eine Bremerin den Hurrikan "Irma" erlebt

Kein Trinkwasser, leere Tankstellen, Evakuierungspläne – die Bewohner von Florida mussten sich auf das Schlimmste vorbereiten, als sich Hurrikan "Irma" der Küste des Südstaates der USA näherte. Mittendrin: Die Bremerin Julie van der Westhuizen.


Der weiße Wirbel, der auf Wetterkarten in den letzten Tagen als Hurrikan "Irma" bezeichnet wird, ist so groß, wie Deutschland.


Er hat ganze Landstriche in der Karibik unbewohnbar gemacht, große Schäden angerichtet und Menschenleben gekostet. Mittlerweile hat sich der Sturm über Florida erheblich abgeschwächt, nun droht eine Flut. Julie van der Westhuizen, wie sie die vergangenen Tage erlebt hat.


Julie van Westhuizen mit ihrem Hund [Quelle: Julie van Westhuizen]

Julie lebt derzeit in Florida und berichtet Bremen Vier seit Freitag aus der Hurrikan-Region.

Freitag: Evakuierungsplan entwerfen

Die Lage in Tampa ist angespannt. Das erzählt uns Julie van der Westhuizen, die gerade beruflich in Florida lebt, aber eigentlich aus dem Bremer Viertel kommt. "Ich komme gerade von einem Treffen mit meinen Freunden. Wir haben einen Evakuierungsplan entworfen, den wir dann ab morgen auch durchziehen werden", erklärt die Flugbegleiterin.


Florida im Ausnahmezustand


Gehortete Lebensmittel [Quelle: Julie van Westhuizen]

Auch Julie hortet Lebensmittel und hat für mindestens drei bis vier Tage gepackt.

Es ist nicht der erste Hurrikan, der über Florida hinweg zieht. Doch auch wenn die Halbinsel erprobt ist, vor Irma, einem Hurrikan der Kategorie Vier, fürchten sich viele Bewohner. "Wasser ist schon seit Dienstag fast überall ausverkauft, oder der Verkauf streng rationiert: Ein Träger pro Person. Die Regale in den Supermärkten sind geplündert, fast alles ist ausverkauft", schildert Julie. Doch das ist nicht alles, auch an Benzin kommt man nicht mehr: "Die Leute sind alarmiert, die Tankstellen sind leer. Sie streiten sich um den letzten Tropfen Benzin und man hat Angst, dass sie sich gleich darum schlagen."


Verschiedene Sturmbereiche


Pickup-Truck mit Wassertanks [Quelle: Julie van Westhuizen]

Falls das Abwassersystem versagt, hat Julie vorgesorgt.

In der Tampa-Bay-Area, an der Westküste Floridas, wird die Stadt in Sturmbereiche aufgeteilt. "Das Haus, in dem ich eigentlich lebe, steht im Überflutungsgebiet. Deshalb werden wir uns mit allen Freunden in einem anderen Haus verschanzen. Wir sind zu elft, mit zwei Katzen und sieben Hunden – und die verstehen sich nicht einmal", erzählt Julie, deren To-Do-Liste noch sehr lang ist. Sie muss ihr Haus sturmfest machen: Alles wird mit Spanplatten vernagelt, wichtige Dinge in die Mitte des Hauses gestellt oder hochgelagert. "Ich muss noch die Schwimmwesten aus den Booten holen, Luftmatratzen und Bettwäsche organisieren, die Autos müssen zum Flughafen, weil sie dort sicherer sind und wir werden auch noch Propangasflaschen holen", zählt sie auf.


Die Saffir-Simpson-Hurrikanskala


KategorieWind (km/h)Schäden
Eins (schwach119 bis 153Schäden an Bäumen, Wohnwagen, mögliche Überschwemmungen von Küstenstraßen und leichte Schäden an Hafenanlagen.
Zwei (mäßig)154 bis 177Bäume knicken um, stärkere Schäden an Wohnwagen, Beschädigungen an Dächern, Fenstern und Türen von Gebäuden.
Drei (stark)178 bis 208Strukturelle Schäden an kleineren Gebäuden, große Bäume werden umgeknickt, Überflutungen in Küstennähe.
Vier (sehr stark)209 bis 251Starke Schäden an Wänden und Dächern von größeren Gebäuden, alle Bäume und Sträucher werden umgeweht, Küstengebiete, die niedriger als 3 m über dem Meeresspiegel liegen, werden überflutet.
Fünf (verwüstend)mehr als 251Häuser und Brücken werden zerstört, kleine Gebäude vollständig um- oder weggeweht, Schiffe werden Hunderte von Metern an Land geworfen. Küstengebiete niedriger als 5 m über dem Meeresspiegel sind bis 16 km landeinwärts überschwemmt.
 

Samstag: Kurz vor dem Sturm

Leere Regale in Tampa [Quelle: Julie van Westhuizen]

Wichtige Medikamente sind vergriffen.

Die Supermärkte und Tankstellen sind geschlossen, denn alle Regale mit wichtigen Lebensmitteln oder Medikamenten seien ohnehin abgegrast, berichtet Julie uns, die gerade 40 Kilometer aus Tampa rausgefahren ist um Spanplatten zu besorgen: "Wir haben jetzt fast alle Häuser im Freundeskreis vernagelt, aber selbst die Spanplatten werden rationiert, so dass wir gar nicht genug bekommen konnten." Außerdem haben sie Wasser in sechs große Fässer abgefüllt, falls das Abwassersystem nicht mehr funktionieren sollte. "Alle richten sich auf den Ernstfall ein. Wir sind heute um 22:00 Uhr in das Haus gezogen, indem wir Irma überstehen wollen. Eine Betonkonstruktion, nur drei Meilen von einem Krankenhaus entfernt und relativ nah am Zentrum", erklärt Julie, denn das sei besser als draußen auf dem Land zu sein. "Es ist ein extrem mulmiges Gefühl sein Haus hinter sich zu lassen, ich kann nicht schlafen. Aber wir gewöhnen uns jetzt hier ein, denn morgen wird es noch spannend genug", so die Bremerin, die jetzt nur noch warten kann.


 

Montag: Irma ist da

Vorbereitungen [Quelle: Julie van Westhuizen]

Julie und ihre Freunde vernageln ihre Häuser.

Zerstörte Fenster, Palmen, die sich wie Gummi biegen – das sind Bilder, die jetzt nicht mehr nur in der Karibik zu finden sind, sondern auch in Florida, sogar mitten in Miami, das zum Teil überflutet wurde. Irma hat die vorgelagerte Inselgruppe Florida Keys verwüstet und die amerikanische Küste erreicht. Wie die Lage in Tampa ist? "Sehr stürmisch. Wir haben mittlerweile Ausgangssperre. Wer jetzt noch draußen ist, könnte verhaftet werden. Und seit ungefähr einer Stunde peitscht der Wind über uns hinweg", erzählt Julie, die sich aber ein wenig beruhigt hat, denn Irma ist in der Nacht von Kategorie Vier auf eine Zwei eingestuft worden. "Vorher hatte ich wirklich Bauchschmerzen und auch Angst. Als wir noch dachten, da kommt eine Kategorie Vier auf uns zu, da ging es uns wirklich nicht gut", erklärt sie.


"Die schlimmste Zeit kommt nach dem Sturm."


Was draußen passiert kann sie nicht sehen, denn alles wurde verriegelt: "Wir haben kein Schlupfloch, wir können nur hören, wie uns der Wind um die Ohren peitscht, aber wir haben Kettensägen, damit wir wieder rauskommen, falls ein Baum vor die Tür fällt." An Schlaf ist nicht zu denken: "Ich frage mich die ganze Zeit, was mich erwartet, wenn ich die Tür öffne, wird mein Haus zerstört sein? Alle rechnen damit, dass die Zeit nach dem Sturm die schlimmste wird: Dann müssen wir mit Überflutungen, Verwüstung, Plünderungen, Verletzen und Panik rechnen."


 

Dienstag: Endlich wieder Licht

Die Erleichterung ist in Julies Stimme deutlich zu hören: "Ich spreche jetzt wirklich wieder mit einem Lächeln, denn wir sind hier in Tampa die Glücklichen in Florida. Wir haben mit einer Flut gerechnet, die ist aber komischerweise nicht eingetreten." Erst ab 8:00 Uhr wurde die Ausgangssperre beendet und Julie konnte das Haus ihrer Freunde verlassen, in das sie sich verbarrikadiert hatte. "Ich habe gedacht, ich mache die Tür auf und sehe nur noch Wasser, dementsprechend erleichtert bin ich natürlich, auch wenn der Wasserstand trotzdem angestiegen ist", erzählt sie. Bäume seien umgestürzt, Äste lägen auf den Straßen und auch der Strom sei in weiten Teilen Tampas ausgefallen. Aber: "Es geht allen gut, wir sind froh, dass wir uns für das Haus entschieden haben und nicht geflüchtet sind."






 


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