CD der Woche
Galante Power aus Schottland
Diese 24-Jährige mit der bombastischen Stimme und jeder Menge Zunder im Leib. Amy hat all das nicht, was eine Gaga hat oder eine Madonna, und das ist gut so. Fantastisch. Kein Drumherum, das vom Wesentlichen ablenkt, nur pure Musik und sie selbst.
Die kleine Schottin aus Bishopbriggs, die mit Technik so viel anfangen kann, wie ich mit Boxen (wer bitte findet das toll, wenn sich da zwei blutig hauen) hat alles richtig gemacht, sich klassischerweise schon relativ früh, mit 12, in die Akustikgitarre verliebt und drauf los gezuppelt, beeindruckt vom Können Travis’ und Pete Dohertys. Allein seinem verpampten Lebensweg mit all den Abstürzen und dem Drogenirrsinn ist sie nicht gefolgt, und hoffen wir mal, dass das auch nicht passieren wird.
Bodenständiges Glück, unaufgeregter Erfolg
Dafür scheint sie ohnehin zu bodenständig. Abgesehen von der Kleinigkeit, dass sie in den letzten Jahren über vier Millionen Alben verkauft hat, lebt sie ein vollkommen normales Leben, und ihre unprätentiöse Art erlaubt ihr auch heute noch, unbemerkt in der Öffentlichkeit zu sein, essen zu gehen, ohne zwischen jedem Gabelhappen ein Autogramm schreiben zu müssen. Oder dürfen, wie man es sieht.
Das größte Glück ist für Amy aber eben, diese Musik machen zu dürfen und mit einem echt sportiven Typen verlobt zu sein, Footballspieler Steve Lovell. Hmmmm, lecker, Lovell, allein der Name lässt Wunderbares vermuten.
"Slow It Down" – ehrlich und klar
Coverausschnitt
Und auch, wenn Amy kürzlich sagte, sie weine eigentlich ständig – da reiche schon ein trauriger Film oder die Nachrichten, aber auch Glücksmomente – heißt das nur, sie ist nah am Wasser gebaut, ansonsten ein zufriedener Mensch, und das lässt sich sofort, also auf den ersten Blick, volle Punktzahl und mitten ins Herz, an dieser ersten Single des Albums erkennen, an "Slow It Down". Liebe und Glück, ein klarer Blick auf den Menschen, der einem auf bezauberndste, vollste Wucht ins Innere geschlüpft ist, und das meine ich nicht sexuell.
Ohnehin steht das Erzählen von Geschichten ganz klar auch auf diesem neuen Werk im Vordergrund, wie schon bei den zwei Alben zuvor ("This Is The Life" aus 2007 und "A Curious Thing" aus 2010). Und wenn sie sagt, es könne "nie schaden, einen Mann an Bord zu haben, der sonst Bruce Springsteen abmischt", meint sie damit Bob Clearmountain, der schon an Amys Debüt mitwirkte und auch hier wieder den finalen Mix erledigte.
Man muss wohl nicht mehr erwähnen, dass Amy auf The Boss steht. Und "auf das einfache Leben. Auf Songs, die man mitsingen kann, die etwas zum Ausdruck bringen [...] und ich mag es, in der Sonne herumzurennen und dabei großartige Musik zu hören. Wobei ich hier in Glasgow natürlich schon in der Regel eher im Regen herumrennen muss".
Wir mögen sie!
Und wir mögen diese neue, dritte Platte. Wir, das bin ich, und dies so auszudrücken, mag komisch erscheinen, da ich aber keine großen Zweifel daran hege, dass auch euch nun spätestens das Verknalltsein in die MacDonald ereilt, egal welcher musikalischen Couleur ist sonst so seid, habe ich euch einfach gleich mit eingeschlossen.
Video-Clip: "Slow It Down"
"Life In A Beautiful Light" von Amy MacDonald | 8. Juni 2012


![Amy MacDonald [Quelle: Universal Music] Amy MacDonald [Quelle: Universal Music]](/bremenvier/musik/cd-der-woche/amymacdonald110_v-viertopteaser.jpg)