Mittwoch, 23. Mai 2012
Andreas Bourani [Quelle: Universal Music, Foto: Eric Weiss] Lupe

Andreas Bourani: sanfte Töne, angenehme Stimmfarbe.

CD-Tipp

Andreas Bourani: Musik nicht nur im Kopf

Und wieder einer, über den man sagt, er sei der nächste heiße Anwärter auf eine gute Singer-Songwriter-Karriere. Der neueste heiße Scheiß. Wer hat sich dies Wortspiel eigentlich ausgedacht. Soll cool klingen, macht aber aus einem Fäkalienhaufen noch lange keinen guten Musiker. Der hier schafft das allein durch seine Stimme – das erste Mal hören heißt, in sanfter Tonalität versinken, in einer angenehmen Stimmfarbe, die gut tut.


Das erste Mal hören passiert derzeit über die Single "Nur in meinem Kopf", womit der Augsburger, der auswanderte, um sein Glück in Berlin zu finden, einen schönen Treffer gelandet hat.


Dass gut Ding manchmal eben Weile haben will, zeigt sich an Bouranis Werdegang: Schon viele Jahre als Musiker unterwegs, hat er es nun, mit 27 Jahren, geschafft, ein großes Label dazu zu bewegen, ihm die Vertragsunterlagen freundlichst und nach seinem Otto lechzend herüber zu schieben. Ist kein Wunder, der hier liegt irgendwo zwischen Naidoo, Al Deen und Tawil. Dessen Produzenten-Duo hat Bourani übrigens auch sogleich fürs vorliegende Debütalbum zur Seite gestellt bekommen: Die Herren Herbig und Seifert arbeiteten neben Ich & ich schon erfolgreich mit Udo Lindenberg, Cassandra Steen und Jochen Distelmayer.


Fundierte klassische Ausbildung wird zu... Rock

Andreas Bourani [Quelle: Universal Music, Foto: Eric Weiss]

Lange gescheitert, jetzt erfolgreich.

Musikalischer Background Bouranis: Engagiert und nicht aus auf den schnellen Ruhm, so scheint es zumindest: musisches Gymnasium, Klavierspielen gelernt, am Stadttheater in "Tosca" und "Die Zauberflöte" gesungen, auch auf dem Dachboden seiner Eltern Konzerte und Theateraufführungen veranstaltet. Die Nachbarskinder waren hellauf begeistert.


Mühsal und Fleiß führen zum Preis

Mit 17, da, wo die Hormone sprießen, Klassik gekickt und Rockstar angepeilt. Da muss man dann auch die Schule schmeißen, ist klar... Und dann hat eigentlich gar nichts mehr geklappt: "Was ich die letzten zehn Jahre gemacht habe? Nichts als scheitern eigentlich!" Songs geschrieben, mit unterschiedlichen Produzenten gearbeitet, Album aufgenommen, niemals veröffentlicht. Der Wechsel nach Berlin brachte auch lange Zeit keinen Segen. Aufgegeben? Offensichtlich nicht, kann man ja auch nicht, wenn Musik für einen das Zuhause geworden ist.


Jemand, der das so lebt und weitergibt, dessen langer Atem sich letzten Endes auszahlt und in einem Album wie diesem mündet, verdient einen liebevollen Klaps auf die Schulter und aufmerksames Gehör, denn "Staub & Fantasie" birgt ein paar anrührende Songs mit Inhalt, einzig etwas mehr lyrische Bodenhaftung und knackige Kontur wäre wünschenswert fürs nächste Mal.


"Staub & Fantasie" von Andreas Bourani | 10.Juni 2011





 


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