CD-Tipp
Beyoncé: Auch etwas für Nicht-Beyoncé-Fans!
Ich sag's euch gleich: Fängt Beyoncé an, ihre tonalen Tiraden zu schwingen, bin ich weg. Das heißt nicht, dass die Frau nicht singen kann, das kann sie unbestritten, nur geht es für die sensiblen Ohren doch oft in hysterisch anmutende Gefilde. Kennt ihr das nicht? Es sind diese bestimmten, schwankenden hohen Töne, hin- und hergleitend zwischen ganz unten und ganz oben, die auf dem Trommelfell so ein Blubbern und Ziehen hinterlassen. Und hier die Überprüfung dieses neuen Albums Beyoncés.
Es ist das vierte, deshalb der Name, ich würde aber sagen, dass die Dame überdies einen ausgeprägten Zahlenzwang hat: Sie wurde an einem 4. September geboren, heiratete an einem 4. April, ihr Mann Jay-Z wurde an einem 4. Dezember geboren, ihre Mutti an einem 4. Januar. Das war noch nicht alles. Eine ganze Reihe wichtiger Ereignisse in Beyoncés Leben passierten an einem 4., und sie gewann sogar bereits einige Male Geld, wenn sie auf die 4 setzte. Als kleines Mädchen hatte sie eine Lieblingszahl, es war, na klar, die 4.
Die Kurz-Analyse: Bleiben oder fliehen
CD Cover von "4"
Song 1: Ich bin weg.
Song 2: Ich bleibe. "I Care" hat einen wirklich guten Groove, stimmliche Over-the-Top-Anmutung hält sich in Grenzen.
Song 3: Ich bleibe. "I Miss You" ist unaufgeregt, entspannt emotional.
Song 4: Die Single, "Best Thing I never Had". Bleibe. Babyfaces Einfluss schön hörbar (Arbeit zuvor unter anderem mit Aretha Franklin, Whitney Houston). Ohrwurm. Kleine Hymne. Würde gut zur Olympiade passen.
Song 5: Shake your Bootie, uh! "Party" = kompaktes, rhythmisches Beyoncé-Andre 3000 und Kanye West-Gemisch. Ich bleibe.
Song 6: Ich stehe auf der Schwelle nach draußen. Eher langweilig. Schubidoo-Frauen-Backgroundgesang soll Power ins Stück bringen, aber ich kann's nicht ernst nehmen.
Song 7: Ich bin weg.
Song 8: Ich verweile. "Love On Top" hätte auch von den Jackson Five gesungen sein können. Stellt euch einfach den kleinen, süßen Michael hinterm Mikro vor. Aber auch Beyoncé macht ihre Sache gut.
Song 9: "Countdown" erinnert in Punkto Mache etwas an "Crazy in Love" von früher, ist nur um einiges unkoordinierter und stresst. Bin weg.
Song 10: Ich bleibe! Klasse Marschmusik!
Song 11: Diane Warren (Songs geschrieben unter anderem für Faith Hill, Mary J. Blige, Meat Loaf) hat da mit "I Was Here" eine wirklich schöne Ballade komponiert, von Ryan Tedder produziert. I stay here.
Song 12: Ein Lied fürs Tanzen ums Feuer in der Steppe. Stammeshäuptlingin Beyoncé beschwört die Kraft des weiblichen Geschlechts ("Run The World (Girls)"). Fühle mich nicht in Magie getunkt, renne aber auch nicht weg.
Die Bilanz
Unterm Strich eine gute Billanz für das Album von jemandem, der kein Beyoncé-Fan ist. Und für diesen sympathischen Satz der Künstlerin gibt es noch ein Sternchen obendrauf: "Ich wollte Dinge miteinander kombinieren, die normalerweise nicht zusammen passen – einfach alle Zutaten in einen Topf schmeißen, die ich liebe."
"4" von Beyoncé | 24. Juni 2011


![Beyoncé [Quelle: Sony Music] Beyoncé [Quelle: Sony Music]](/bremenvier/musik/cd-der-woche/beyonce108_v-viertopteaser.jpg)