CD-Tipp
Silentium, bitte – jetzt gibt's auf die Zwölf!
Ob für die vier Kanadier von Billy Talent wirklich absolute Ruhe vonnöten ist, um zu ihrem Publikum durchzudringen, wenn sie in die Saiten greifen, darf bezweifelt werden. Musik-Fachfrau Christine Heuck erklärt uns, warum der Titel der neuen Platte "Dead Silence" trotzdem gerechtfertigt ist.
"I love it loud, wanna hear it loud, right between the eyes!". Auch, wenn der Albumname von Billy Talents viertem regulären Werke dem Kiss'schen Ausspruch entgegenzuwirken scheint – letzten Endes gehen sie d’accord. Alter, hauen die Kanadier hier aufs Pfund. Nicht, ohne uns hier und da eine Verschnaufpause zu gewähren.
Endzeitstimmung plus
Wobei, seltener "hier" als "da". Also nicht so oft. Die unglaubliche Stille, die überträgt sich auf andere Art: Man sieht sie auf dem Cover des Albums, fühlt sie förmlich. Ein Unterwasserszenario einer zerstörten Stadt, um deren Reste Haie ihre Bahnen ziehen.
Und diese Stille, die man sich sofort vorstellen kann, wenn man weiß, sie beruht auf Tod und Kaputtsein, die spiegelt sich auch textlich wieder, denn Billy Talent sind keine Jungs, die von rosa Blüten und zuckrig-schmatzenden Küssen singen, die greifen auch inhaltlich frontal an. Schaffen aber trotz ihres apokalyptischen Endzeit-Konzepts eine hoffnungsvolle und zuversichtliche Atmosphäre, die sich durch die insgesamt 14 Songs transportiert.
Positive Energie
Was auch aus persönlicher Sicht fast ein Muss ist, dieser trotz allem positive Blick: Nach harten Zeiten, nach gesundheitlich brenzligen für Drummer Aaron, nach Krankheit und teilweiser Besserung, stürmen die Drei um Sänger Benjamin Kowalewicz umso forscher, so scheint es, wieder aus den saftig grünen Wiesen und Wäldern der Heimat und schwappen uns, links, rechts, ein paar echte Braunbären und anderes, derbes Waldgetier um die Ohren.
Ohnehin hatte man ja bei Benjamin gleich zu Beginn der Geschichte Billy Talents, als sie überhaupt auf den Plan traten beziehungsweise auf die Bühnen, das Gefühl, der Mann sei wie Mogli in der Wildnis aufgewachsen, ein wilder Bub mit Energie im Leib wie tausend Wirbelwichtel. Da verzieh man auch schnell den ein oder anderen Sabberfaden am Kinn, nein, man fing direkt an, ihn zu lieben, denn wer mit so viel Kraft und Seele singt, der darf auch dabei Speichel spucken.
Stimme hoch, Daumen hoch
"Dead Silence" ist intensiv, hat diese wunderbare BT-typische straighte Taktung, fußt hörbar, wie sämtliche Vorgänger, auf einem guten, harmonischen Miteinander in der Band, die ohnehin so manch anderer etwas Supersympathisches voraus hat, nämlich ein simples und attitüdenfreies Auftreten, und verdient sechs von sechs Daumen nach oben. Trotz hoher Stimmlage Kowalewiczs. Das dürfen nur wenige Männer. Das war das rein subjektive Schlusswort.
Christines Anspieltipps:
"Viking Death March" (immernoch, s.u.)
"Surprise Surprise"
"Runnin’ across the Tracks"
"Man alive!"
"Cure for the Enemy"
"Show me the Way"
Video-Clip: "Viking Death March"
"Dead Silence" von Billy Talent | 7. September 2012


![Billy Talent [Quelle: Warner Music, Foto: Dustin Rabin] Billy Talent [Quelle: Warner Music, Foto: Dustin Rabin]](/bremenvier/programm/themen/popups/billytalent110_v-viertopteaser.jpg)