Mittwoch, 23. Mai 2012

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Bush [Quelle: Edel Music] Lupe

Gavin Rossdale war auch ohne Band ziemlich busy in den vergangenen Jahren

CD-Tipp

Bush heute sind nicht gleich Bush damals!

Zuallererst ein Dankeschön für eine Band, die zwar britischen Ursprungs ist, sich aber zu keiner Zeit nach Britpopcordhosengedöngel anhörte. Nicht, dass es nicht hervorragende Musiker/-innen aus UK gäbe, das haben wir ja zunehmend in den letzten Jahren bewiesen gekriegt, aber in der Rockpop-Sparte: sehr oft Cordhosengedöngel eben halt. Nicht so Bush. Gegründet 1992. Mit Erstlingswerk 1994 Postgrunge-Alternative-Nische geschaffen. Das also kann man ihnen nicht mehr nehmen, egal was kommen mag und nun auch kommt: das fünfte Studioalbum.


Autor sämtlicher Songs: Gavin Rossdale. Signing der wiedervereinten Band fürs erste Album nach zehn Jahren: bei Gavin Rossdales eigenem Label "Zuma Rock Records". Wenn da mal nicht einer alle Fäden in die Hand genommen hat (Rossdale: "It was like finally breathing again"). Wenn da mal nicht jemand mit Bestimmtheit und festen Fußes den Boden betritt, von dem 2002 abgetreten wurde.


Langeweile? Nö!

Bush-Cover [Quelle: EdelMusic]

Ausschnitt CD-Cover

Nun ist es ja so, dass Menschen, wenn sie zu viel mit sich sind, irgendwann recht wunderlich werden. Die Sorge sei uns aber im Falle Gavin Rossdales genommen. Was im Leben des Bush-Sängers in der Zwischenzeit passierte, ist ja weitestgehend klar: Gründung von Institute 2004, ein Album aus dem Folgejahr, Soloalbum "Wanderlust" in 2008, verschiedenen Koops, beispielsweise mit Apocalyptica letztes Jahr oder der Blue Man Group 2002, sowie im selben Jahr mit Adrenaline, Titeltracklieferung für den Hau-auf-Kopp-und Rübe-ab-Kinofilm "xXx" mit Vin Diesel in der Hauptrolle.


Apropos Hauptrolle: Hauptrollen gab es nun nicht für Gavin Rossdale, aber auch dem Filmgeschäft ist er schon seit 2001 verbunden mit kleineren, teils beeindruckenden Rollen (habt ihr "Constantine" gesehen?). Nicht zu vergessen die Ehelichung Gwen Stefanis im Jahr 2002 und Familiengründung. Nimmt ja auch Zeit in Anspruch alles. Soweit zum Rossdaleschen Schnelldurchlauf.


Band nicht mehr in Originalbesetzung

Bush [Quelle: Edel Music]

Dass all seine Aktivitäten von einer einzigartig süßlich-durchdringenden Stimme begleitet wurden, muss wohl nicht erwähnt sein. Das macht ihn aus, das hat schon immer den Sound von Bush bestimmt. Bush heute übrigens sind nicht gleich Bush damals: Gitarrist Nigel Pulsford ist nicht mehr dabei, auch Dave Parsons konnte sich nicht dazu entschließen, dem Bass wieder Bush'sche Rockklänge zu entzupfen. Gott, war das herzerschütternd damals, das Debütalbum "Sixteen Stone". "Everything Zen". "Comedown". "Machinehead". Kann man das überhaupt reaktivieren?


Nun, zum einen haben wir nicht nur den prägendsten Part, den Sänger, in gepresster Form erneut vorliegen, was ja auf einiges hoffen lässt, zum anderen ist auch Ur-Schlagzeuger Robin Goodridge dabei. Und auch die andere Hälfte von Bush reloaded ist alles andere als dahingepopelt: Da wäre Chris Traynor – Multi-Tool an Bass und Gitarre, mit Bush ganz früher als Tour-Sit-In für Pulsford schon verbunden, später Mitglied von Rossdales Folgeband, ebenfalls unter anderem für Helmet tätig gewesen. Klingt doch gut! Seine Arbeit mit Blur (ups, Cordhosengedöngel!) soll dann nicht all zu schwer ins Gewicht fallen. Als zweiten Neuen im Bush-Gefüge hätten wir Mr. Corey Britz, Bassist, früher bei The Calling, später gepackt von der Reiselust (kommt der Witz gerade an?) und on Tour mit Gavin Rossdale. Auch dies mutet vielversprechend an. 


Musik wie damals?

Kann man also reaktivieren, was früher so verdammt wohltuend um die Ohren peitschte oder auch wie Zuckerwattenbalsam die Seele anstupste? Nein. Kann man nicht. Macht dies Album nicht. Aber weitergehen kann man, macht man ja eh als Mensch. Da ist man, sagt man so schön, die Summe seiner Erfahrungen, und das kann verändern, als Mensch und als Musiker. Hier ist die Basis geblieben, aber Veränderung geschehen, die zum Teil auch in den Texten verwortlicht ist. Hier schwimmt man im Meer von Erinnerungen, ohne Altes kopieren zu können und zu müssen. Hier sind nicht unbedingt Bush-typische Ohrwürmer am Start, aber eine gute Anzahl an Songs, die sich wundervoll machen, gönnt man ihnen ein paar Hinhörer mehr.


Konzert in Hamburg ausverkauft

Und für all jene unter euch, für die es des Kuchens Topping ist, eine Band auch auf der Bühne zu sehen, bei denen die warme, flüssig-tröpfelnde Schokoladenfüllung erst beim Livegenuss auf der Zunge zu explodieren vermag, dass selbst Alice im Wunderland zwischen all ihren Lollipops ein neidgeschüttelter Weinkrampf packt, gibt es ja die Chance, Bush live zu sehen. Vorausgesetzt, ihr habt Karten: Das Konzert am Samstag (5. November) im Docks in Hamburg ist, wen wundert's, ausverkauft.


 

Video-Clip "The Sound Of Winter"

(Quelle: tape.tv)
 

Bush | "The Sea Of Memories" | 28. Oktober 2011





 


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