Dienstag, 28. Mai 2013
Depeche Mode [Quelle: Sony Music, Foto: Anton Corbijn] Lupe

Die neue Platte von Depeche Mode ist vom Blues beeinflusst.

CD-Tipp

Reservierte Distanzsahnehaube auf Parmaschinkencrêpes

Heiß ersehnt und lang erwartet: "Delta Machine" von den drei Kult-Poppern aus Großbritannien ist endlich draußen. Musikexpertin Christine Heuck stellt euch das neueste Werk von Depeche Mode vor.


Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Jedem Album seinen Namen. Dieses so doll und ultramegaheißersehnte Spielwerk von Dave Gahan, Martin Gore und Andrew Fletcher, allesamt dem bitischen Eiland entsprungen, trägt den Namen, den es trägt, weil Gahan und Gore schon immer, wer hätte das gedacht, der Blues- und Gospelmusik frönten, sie hörten und "Delta"  (im Sinne von Delta-Blues aus dem Mississippi-Delta, ums konkretestens zu machen)  zu den ersten Blues-Stilen zählt, der alles Kommende aufs Höchste beeinflusste. Soweit zu Teil eins der Erklärung.


Hier der Blues, da die Anlage

Depeche Mode [Quelle: SonyMusic, Anton Corbijn]

Teil 2 erklärt sich ohnehin von selbst: "'Machine' obviously because we use machines to interpret that", so sagte Meister Gahan dem Spiegel online. Klar, Automaten, Apparate, technische Anlage. Aufdrehen, klanglich herumschrauben, instrumentieren und noch etwas nachpegeln, mixen, elektrisch versüßen und dekorieren. Wie bei einer Torte aus der Zuckerbäckerei. Nur – klingt dies 13. Studioalbum bunt und sahnig, cremig und warm?


Die Herren mit ihrer Musik aus Synthierockpop und New Wave stehen seit Album Nummer 1 "Speak & Spell" 1981 ja nun nicht gerade für rosa-gelbe Hochzeitskuchen, eher für lasierte Parmaschinkencrêpes mit etwas Zimt, schön präzise angerichtet. Eine Depeche-Mode-typische herbsüße Note mit Contenance und dieser Prise Abstand zur sie umgebenden Umwelt. Aber da kommt der Blues ins Spiel. Sicherlich nicht zu erwarten: etwaige Anleihen von Bukka White oder Muddy Waters. Aber das, was den Blues im Inneren ausmacht, das haben sich Depeche Mode zu Nutzen gemacht, eingebracht und auf ihre spezielle Art ihrem speziellen Wesen angepasst.


Berührende Trabanten

Depeche Mode [Quelle: Sony Music]

Dave Gahan: "I wouldn’t dare to claim that it’s a blues record. But it definitely has those influences - musically for sure and lyrically as well. It’s expressing the way you feel, and removing it from yourself by repeating it, you know. And that’s what the blues is. It’s a riff on top of riff, you know. Just churning. And that’s kind of how this album was built." Jap, so sind sie, die Herren. Lassen einen gerne etwas verwirrt zurück, denken viel und hoch und weit, und da kann nicht immer jeder folgen, aber das muss ja auch nicht sein. Musik ist, wenn man was fühlt.


Das ist hier so, trotz auch auf diesem Album vorherrschender immer präsenter distanzierter Haltung. Aber hier berührt etwas. Lasziv. Und wühlt stellenweise auf. Sexy. Trifft mal den Nerv, nervt aber manchmal auch. Nimmt mit in Depeche Modes ganz eigene Umlaufbahn. Die erscheint hier noch eigener als zuvor.  Die muss man mögen. Aber mag man sie und lässt man sich gerne etwas verstören durch extreme Klangkocherei, dann kann man sicherlich Liebe entwickeln zu "Delta Machine".


Christines Anspieltipps:

- "Angel"
- "Slow"
- "Alone"
- "Soothe My Soul"
- "Heaven"


 

Video-Clip: "Heaven"

Quelle: tape.tv


"Delta Machine" von Depeche Mode | 22. März 2013






 


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