Mittwoch, 23. Mai 2012
Flo Mega [Quelle: SonyMusic, Foto: Robert Winter] Lupe

Wenn einer den Soul im Blut hat, dann er!

CD-Tipp

"Die wirklich wahren Dinge": Flo Mega is soul is mega!

Seit er beim Bundesvision Song Contest 2011 einen legendären zweiten Platz für Bremen eingefahren hat, kennt plötzlich ganz Deutschland unseren Soulman Flo Mega. Ende September erschien sein Debütalbum "Die wirklich wahren Dinge" – und unsere Musikexpertin Christine Heuck hat darauf den Soul neu entdeckt:


"Soul is heavy", singt Nneka auf ihrem neuesten Album. "Soul is funky, Soul is fresh!", möchte ich ergänzen. Und Soul is mega. Soul is' Flo Mega. Ehrlich, wie ab du gehst! "Wie aus du siehst!" (Zitat Herr Mega himself) Beides ist mit "unique" zu beantworten, denn ja: Parallelen zu Joe Cocker oder den legendären Trippelschritten und gutturalen Stoßlauten eines Mr. James Brown sind überaus schmeichelhaft für einen, der gerade erst sein Debütalbum veröffentlicht, oh yes.


Eine ganz spezielle Art von Soul

Cover von Flo Mega [Quelle: SonyMusic]

Aber da ist der spezielle Kern, der allen Zweiflern und Immernöslern, die sogleich den Klagefinger heben, Herr Mega sei doch nur auf einen schon fahrenden musikalischen Zug aufgesprungen, wortlos ein liebevolles Tätscheln auf die Wange zukommen lässt und mit geduldigen Augen wissend guckt. Dafür gehen wir einmal für einen kurzen Moment davon aus, dass ein Kern gucken kann. Dieses spezielle Etwas, das hier die Verpackung Soul mit Leben füllt, ist hörbar, wenn man Flo Mega hört, und der ist sichtbar, wenn man ihn auf der Bühne in seine eigenen Flows und Vibes abtauchen sieht. Und der ist in den Texten, die teils in ganz eigenen Galaxien schweben, zum Teil in ihrer Banalität glänzen.


Dicke Emotionen in wenigen Buchstaben

Um seinen eigenen Kern zu formen und finden, hatte der Bremer Florian Bosum aber auch reichlich Zeit. Lange im Rap zu Hause, verankert mit der Bremer HipHop-Szene, die seit so vielen Jahren schon so viele Talente birgt. Irgendwann der Switch zum Gesang. Nun weniger Wortakrobatik, weniger Lyrics, stattdessen mehr Druck auf den Stimmbändern und dicke Emotionen in vergleichsweise wenigen Buchstaben. Da musste sich das Stimmband an und für sich erst einmal dran gewöhnen, aber du läufst ja auch keinen Marathon, wenn du eigentlich Schwimmer bist. Was sich da entwickelt hat, verdient zwei ausgestreckte Daumen.


"Den kleinen Mann groß gemacht"

Flo Mega [Quelle: SonyMusic, Foto: Robert Winter]

Produziert von Kraans de Lutin (Martin Jondo, Mellow Mark, Culcha Candela) und live eingespielt von The Ruffcats ein beeindruckender Sack voller Heart & Soul, selbst für den oder die, derdiedas diesem Style nicht von Haus aus zugetan ist. Ob der Titeltrack "Die wirklich wahren Dinge", eine Zusammenarbeit mit seinem Bruder Sebastian, der Song "6.000.000 Euro Arsch", der nicht minder scheppert als die erste Single "DDR" oder der Opener "Auf der Strecke", entstanden in Erinnerung an einen befreundeten Bremer Aktionskünstler, der die eigene Bühne mit dem Schild "Wer nicht vom Weg abkommt, bleibt auf der Strecke" verzierte und der sich vor zwei Jahren das Leben nahm. Die erste Zeile des Tracks lautet: "Ich weiß nicht, was die Zukunft bringt, ob ich in ihr eine Zuflucht find". Dafür sind die Daumen mehr als gedrückt. 


Aber schon jetzt hat Flo Mega "den kleinen Mann groß gemacht", wie versprochen. Nun möge Glück und Kraft mit ihm sein, auf dass er sich aufrecht halte und die Leute ihm weiterhin ihre Aufmerksamkeit schenken, denn das wäre verdient. Und es gibt schließlich eine ganze Menge zurück dafür.


 

Video-Clip "Zurück"

(Quelle: tape.tv)
 

"Die wirklich wahren Dinge" von Flo Mega | 30. September 2011





 


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