Mittwoch, 23. Mai 2012

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Gotye [Quelle: Universal] Lupe

Gotyes neues Album ist nicht nur schön verpackt, sondern auch wunderbar zu hören.

CD-Tipp

Belgische Spezialität mit Unterfläche

Gotye bietet zunächst aussprachetechnische Verwirrung. Ist diese aber beigelegt, lässt der Belgier einen in den Genuss eines Albums kommen, auf dem es, so Musik-Expertin Christine Heuck "keine Ober-, nur Unterfläche" gibt. Christine hat sich für euch das komplette Album angehört.


Wunderschön eingepackt. Beiges Cover, warme Farben. So wie Orange, Braun. Aber nicht nur. Farben und Muster geben ihr Spiegelbild ab und dabei entsteht auch das, was bei Yin und Yang die Grundlage bildet: Gegensätzliches. In diesem Fall neben der Warmfarbe auch kaltes Blaugrau.


Opening mit Aha-Effekt

Nach dem ersten Vorboten "Somebody That I Used To Know" feat. Kimbra, ein Duett, das sofort Erinnerungen an Peter Gabriel und Kate Bush ("Don’t Give Up") wach werden lässt, wird das sogleich musikalisch durch den Opener wiedergegeben.


Nein, halt, da  guckst du blöd. Das, was ich als Opener wähnte, ist in Wahrheit ein Zweiteiler: minikurz der Anfang (knappe Minute), der sich an den zweiten Track des Albums anschließt, ohne dass man's merkt. Und somit ist es der zweite Song, der die erste musikalische Roughness bringt: "Easy Way Out". Auch nur circa zwei Minuten Spielzeit, zeigt an, wohin der Ritt geht, nämlich in das "Nichts scheint, wie es ist", und "keiner ist nur dies oder das".


Experimentell plus eingängig

Screenshot Album-Cover [Quelle: Gotye]

Albumcover

Und schwupps, danach sogleich der Bauchschmeichler, die Single, die direkt auf den Playlists jener Sender landete, die sich auch für Lieder jenseits des Pitbullbumses zu öffnen vermögen. Gott ja, dieser Gotye, im wahren Leben Wouter "Wally" De Backer, Belgier, der mit zwei Jahren samt Familie nach Melbourne rübermachte, rührt was an.


Stimmlich, instrumental und melodiös gibt’s hier keine Oberfläche, nur Unterfläche. Unter der Haut, das ist da, wo du suchen kannst, wenn du dich fragst, wo der Mann nur gerade erneut hingetroffen hat.


Wouter, Walter, Gautier

Er ist 31 Jahre alt, ist ein Drittel der Indiepop-Band "The Basics". Sein Künstlername leitet sich seiner eigenen Erklärung zufolge von nichts monstermäßig Spektakulärem ab, einzig von der englischen Transkription des Vornamens Gautier, was wiederum die wallonisch-französische Variante seines flämischen Geburtsnamens Wouter (deutsch/ englisch Walter) ist.


Der Walter kann neben Songwriting auch Schlagzeug, aber Gitarre kann er auch, genauso wie Keyboard. Die Musik hat ihn gefunden, oder er die Musik? Egal, wie herum es vonstatten gegangen ist, es ist eine Bereicherung und ein kleines Wunder, dieses Album, das übrigens sein drittes Studioalbum nach "Boardface" in 2003 und "Like Drawing Blood" (2006) ist. Das bedeutet bis dato: Drei reguläre Alben und ein Remixwerk seiner eigenen Songs aus den Alben 1 und 2, allesamt im Independentstil, heißt: unabhängig entstanden. Kein Major-Label.


Sounds - nicht Songs!

"Making Mirrors" ist außergewöhnlich und echt. Not amused hier, überraschend beschwingt und funky da ("I Feel Better", "In Your Light"), komplett sanft-emotional dort und, zumindest für den Hörer, streckenweise kaum greifbar und manchmal sogar kaum aushaltbar.


So ist das mit der Selbstreflexion, mit dem Blick in den Spiegel. Kaum aushaltbar nicht im Sinne von verrückten, spleenigen Melodien oder Songs zum Weglaufen, eher in Bezug auf das, was einen im Inneren packt und schüttelt, ohne dem aufwühlenden und zugleich wohltuenden Hund überhaupt einen Namen geben zu können. Das hätte ich bislang nur über Damien Rice sagen können. Der wiederum outstanding ist. Deshalb nur kurzes Namedropping, kein unmittelbarer musikalischer Vergleich. An seinen Orbit der Gefühle nicht heranzukommen, ist keine Schande. Eigene Liga. Aber Gotye auch gut, Mensch!


Und wenn Gotye selbst über sein neues Album spricht, so redet er nicht von Songs, er spricht von Sounds. Auch das schließt sich mit dem, was ich mit manchmal kaum greifbar meinte, erklärt darüber hinaus die Mache seiner Musik: Streicher und Chöre und experimentelle Effekte, aufgenommen im eigenen Studio, aufgebaut in einem Stall der Farm seiner Eltern.


G wie Gotye. G wie gelungen. Wie Peter-Gabriel-getoucht, aber nicht ge-kopiert. Geht rein.


 

Video-Clip: "Somebody That I Used To Know" feat. Kimbra

(Quelle: tape.tv)
 

"Making Mirrors" von Gotye | 16. Dezember 2011





 


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