CD-Tipp
Keine Kanten an rundem Album: Uno!
Musikexpertin Christine Heuck hat sich das erste von drei neuen Green-Day-Alben angehört. Es ist, so ihr Urteil, nicht die Krone des Green Day'schen Lebenswerks, in sich aber durchaus rund.
Eigentlich sind ja "nur" drei Alben auf fast einen Schlag (will heißen: im Abstand von jeweils zwei Monaten) angekündigt, guckt man allerdings in das Booklet des ersten vorliegenden Streichs, so darf man anhand der Bilder schon spekulieren, ob die Herren Punkrock vielleicht sogar noch ein viertes in der Röhre haben. Man will nicht raffgierig sein, aber man könnte das denken. Nur am Rande. Schließlich hat die Band ja auch mit "American Idiot" ein Musical an den Start, an den Broadway, gebracht, was wiederum etwas aufgebaut ist wie eine Oper, die ja wiederum auch oft in vier Akten über die Bühne schwebt. Was jetzt erstunken und erlogen ist, aber es passt gerade so schön.
Poppiger Lavastrom
Album eins jedenfalls – oder eben "Uno!" – kommt schon recht reichhaltig daher. Und eingängig. Auch wenn's bei Green Day zuweilen in der Vergangenheit recht wild wurde und ordentlich im Zeichen der Rebellion und politischer Zurechtweisung schepperte, haben wir ja nicht gerade ein Horsd'oeuvre à la Screamo und Metal erwartet, und das ist auch sicherlich hier nicht der Fall.
Schön melodiös, überraschend poppig gar zuweilen. Auch recht gleichförmig. Was der negative Aspekt des Ganzen ist. Dass es aber nur so spritze und brodelte innen drin und ein ganzer Lavastrom aus der Band um Frontmann Billie Joe Armstrong herauswollte, unablässlich produzierend, ineinander übergehend, ohne Unterlass, das hört man.
"Epic as fuck!"
Sie selbst sagen jene Worte, derer der geneigte Zuhörer, spricht ein Musiker diese aus, mittlerweile überdrüssig ist, denn bedeutet das Gesprochene nicht gleichzeitig eine Herabsetzung des fantastischen Outputs der Vergangenheit?
Diese Worte lauten aus den Mündern der Kalifornier wie folgt: "Wir sind momentan auf dem absoluten Höhepunkt unserer Kreativität und Schaffenskraft – diese Tracks sind die besten Stücke, die wir jemals geschrieben haben und die Songs fließen immer noch nur so aus uns heraus! [...] Jeder einzelne Song besitzt die Energie und Power, und deckt die ganze Gefühlspalette von Green Day ab. Wir können einfach nicht anders – die nächsten Alben werden einfach epic as fuck!"
Und ob sie es wirklich ist, die Krone alles bislang Dagewesenen, vermag nur der Einzelne für sich zu beurteilen. Ich sage an dieser Stelle "nein" und hoffe auf angenehme Überraschungen auf den Folgewerken. Nichtsdestweniger ist das erste Werk der Albumtrilogie (Quatrologie??) sicherlich eine straighte, runde Sache, mit altbekanntem Green Day’schem Können gestrickt.
Christines Anspieltipps
- "Nuclear Family"
- "Let Yourself Go"
- "Kill The DJ"
- "Troublemaker"
- "Sweet 16"
Video-Clip: "Oh Love"
"Uno" von Green Day| 14. August 2012


![Green Day [Quelle: Warner Music, Foto: Felisha Torentino] Green Day [Quelle: Warner Music, Foto: Felisha Torentino]](/bremenvier/musik/videos/greenday118_v-viertopteaser.jpg)