CD-Tipp
Jonathan Jeremiah: Songs, die mit dem Herzen zu tun haben!
Jede Woche landen in der Musikredaktion von Bremen Vier unzählige Songs und Alben, die allesamt nach geschultem Gehör verlangen. Aber nur die wenigsten hinterlassen so viel Eindruck wie das Debütalbum "A Solitary Man" von Jonathan Jeremiah. Unsere Musik-Expertin Christine Heuck berichtet von ihrer ersten Begegnung mit seiner Musik:
Der erste Song. Mail vom Promoter, CD eingetütet gekriegt, auch im digitalen Bemusterungsraum zur Verfügung gestellt bekommen. Press play. Zurücklehnen. Atmen. Entspannung setzt ein. Ohren wollen, wie leider bei so manchen angebotenen Songs nicht der Fall, nicht aufhören zu hören, und das Herz geht auf. Das ist kein Overload an Schmalz, hier bringt dich trotz Emotionalität in Wort und Laut keiner zum Heulen, aber du fühlst dich... so gut aufgehoben. Ganz viel einen umströmende Sanftheit. Folk, Soul, Rhythm'n'Blues und nochmal Folk. Auch ein bisschen Swing dabei. Eine nahe Stimme, die in schönen Brauntönen für dich Geschichten erzählt, die immer mit dem Herzen zu tun haben und mit Sehnsüchten. Zum Beispiel, wie bei der Single "Happiness", nach dem ganz normalen Stückchen Glücklichsein.
In "Jeremiah-Town" haben die Dinge Zeit
Jonathan Jeremiah ist kein Erzwinger, er hat sich und seinem Debütalbum Zeit gelassen, zehn Jahre ungefähr. Aus London stammt er, wohnt aber eigentlich in der selbst erbauten, imaginären Jeremiah-Town, betrachtet man die Schnelligkeit, Schnelllebigkeit und schnelle Mache von Musik um ihn herum, gerade in diesem sprudelnden Hotspot, der Hauptstadt Großbritanniens. In Jeremiah-Town aber geht's gemächlich zu, hier scheinen die Dinge Zeit zu haben, bis sie soweit sind.
Jeremiah hält alle Fäden selbst in der Hand
Sein Einsatz, um das alles zu realisieren? Neben der Zeit zum Beispiel ein Job bei einem Londoner Sicherheitsdienst. Durch jede Nachtschicht konnte er sich einen weiteren Geiger leisten. Geiger? Japp, denn seine Vocals werden auf dem Album auf wundervolle Weise durch Arrangements des Londoner Heritage Orchestras untermalt. Jonathan präferiert somit offensichtlich – wen wundert's – dann auch für die Aufnahmen den analogen Weg und hält selbst sämtliche Fäden in der Hand: "Mir war wichtig, dass ich das Album im Alleingang produziere. Wenn ich mit einem anderen Produzenten arbeite und ihm sage, dass ich ein 24-köpfiges Orchester mitsamt Flügelhorn brauche, dann bekomme ich als Antwort darauf eher zu hören, dass man das ja auch mit einem Keyboard hinbekommt."
"A Solitary Man" von Jonathan Jeremiah | 12. August 2011


![Ausschnitt CD-Cover [Quelle: Universal Music] Ausschnitt CD-Cover [Quelle: Universal Music]](/bremenvier/musik/cd-der-woche/jonathanjeremiah104_v-viertopteaser.jpg)