CD-Tipp
Anstecken lassen und loslaufen: Kraftklub "Mit K"
Ihre Liveshow muss der Hammer sein – glaubt man all jenen, die sie schon einmal gesehen haben. Die Chemnitzer Jungs haben einen Kleinen am Kopf, skurrile Outfits und gehen ab wie Flunder. Nicht Zunder. Das sei anderen Bands vorbehalten, bei denen "Flunder" nicht so herrlich blöd-genial passend klingt, wie es das eben bei Kraftklub tut.
Grundsätzlich haben Kraftklub den Sprechgesang der Neuen Deutschen Welle reaktiviert, erinnern zeitweise an Joachim Witt auf Speed, und haben einen dicken, fetten Schuss elektronische "Peitsche raus" im The-Hives-Takt dazugepackt. Dann den jetzigen Zeitgeist. Nein, das grenzen wir ein bisschen ein: jenen, der die Mädels und Jungs umwabert, die in diesem Klamottenstore einkaufen, der glücklich machen soll, wenn man da kauft, und die abends unterwegs sind in den Kneipen, die wir einfach mal als organisch und basisch bezeichnen. Sofas wie bei Großmuttern, so richtig schön zum Reinlümmeln mit der Beanie aufm Kopp und den Sneakern anne Föß. Understatement als Trend.
Obendrauf legen Kraftklub noch diese "Kiss My Ass"-Attitude, die nur jenen erlaubt ist, die nicht immer alles ganz ernst meinen, was sie (so Deftiges) sagen, manches aber schon (und dann auf den Punkt), und die eben wissen, was Spaß ist, wo er anfängt und wo er aufhört. Mit Kraftklub, den coolen Säuen (das würde im Radio nun gepiept werden), soll er nicht aufhören. Und findet wohl genau in attackierter "Scheissindiedisko" statt.
Durchbruch mit dem New Music Award
Lange von den Fans ersehnt: "Mit K" von Kraftklub ist da!
Den Anfang nahm alles 2010. Da ging's erst auf den roten Teppich vorm Admiralspalast von und zu Berlin, um schon mal die Luft zu schnuppern, die die ihre sein könnte, würden sie den New Music Award 2010 gewinnen, für den er (der rote Teppich) ausgerollt war, und dann auf die Bühne, und sie haben gewonnen. Was eine echte Frechheit ist, fanden sich Felix, Karl, Till, Steffen und Max doch erst im Januar desselben Jahres als Band zusammen. Haben aber mittlerweile schon Support-Touren mit Casper, Fettes Brot und den Beatsteaks hinter sich.
Natürlich kam auch der Plattendeal, auf den ein paar Labels, die sich nicht trauten, jetzt neidisch sein dürften und lange Nasen machen, die jeden Morgen, an dem erneut Erfolgsmeldungen aus dem Kraftklub-Club erschallern und die Fanbase größer wird, was gleichzusetzen sein dürfte mit einem annehmbar ebenfalls größer werdenden rollenden Rubel, röter und röter werden vor zorniger Erregung, dass man nicht selber zugeschlagen hat.
This Platte has Style!
Aber nun. Nun ist es im Sack. Das erste Album der ersten Jungs im Musikbiz (wahrscheinlich), die nicht nach Berlin wollen, sondern immer wieder nach Hause zurückkehren. Nach Karl-Marx-Stadt, wie sie Chemnitz noch immer gerne nennen. Gehört halt auch zum Style. And this Platte has Style!
Ob er sich in dieser Form wird halten können oder nach einem Longplayer dieser Art erschöpft sein wird, steht auf einem anderen Blatt Papier, aber jetzt und nun ist's Zeit, einfach zu genießen, sich anstecken zu lassen und loszulaufen im Kraftklub-Rhythmus. Richtung? Immer nach vorn. Volle Fahrt. Nix zum Schmusen (höchstens bei "Kein Liebeslied" könnte man sich dazu hinreißen lassen, ein wenig aneinander herumzupatschen), und manchmal fühlt man sich ein klein wenig gestresst, aber wenn sonst nix is', dann is' ja gut. Gute Platte.
Video-Clip: "Songs für Liam" von Kraftklub
"Mit K" von Kraftklub | 20. Januar 2012


![CD-Cover Kraftklub "Mit K" [Quelle: Universal Music, Foto: Philipp Weiser] CD-Cover Kraftklub "Mit K" [Quelle: Universal Music, Foto: Philipp Weiser]](/bremenvier/musik/cd-der-woche/kraftklub114_v-viertopteaser.jpg)