CD-Tipp
Linkin Park: Erfolgreiche Rückkehr zur Basis!
Mit ihrem neuen Album "Living Things" setzen Linkin Park ein Zeichen: Nicht, dass sie die vergangenen Jahre bereuen würden – aber jetzt sind sie wieder so, wie ihre Fans sie lieben. Umso erfreuter ist unsere Musik-Expertin Christine Heuck über die Rückkehr von Linkin Park zum Alten, die trotzdem so schön neu klingt:
Nach Ausflügen in musikalische Gefilde, die für so manchen Linkin-Fan der ersten Stunde etwas irritierend waren, die fernab vom "sich an Chartplatzierungen messen" in weiteren Teilen enttäuschten, geht's hier zurück zum Alten. Kein Witz, kein Spruch, kein Irgendwas außer der Wahrheit.
Erst einmal jene der Band selbst. An dieser Stelle ein freundliches "Hallo" an Chester Bennington, Mike Shinoda, Brad Delson, David Farrell, Rob Bourdon, Joseph Hahn. Wobei einem mal wieder auffällt, wie wenig man die Namen derer kennt, die nicht zur Frontrow gehören. Ab sofort lernen wir das. Auswendig. Zurück zum Thema. Linkin Park meinen damit nicht, dass sie selbst den Scheiß der letzten Jahre nicht mehr ertragen haben, sicherlich stehen sie hinter allem und jedem, was sie taten, sie haben nur erkannt, dass sie ihre Basis, das, was sie anfangs ausmachte, doch etwas zu weit in Vergessenheit geraten ließen. Und dieses Herzstück, der zackige Pfiff, die Screams und Raps, die erdigere Rhythmusbasis der Tracks wurden somit, hier und heute, reaktiviert. Denn hey – das war ja auch mal ein schicker Ritt früher, denken wir nur an Songs wie "One Step Closer", "Crawling" oder "Numb".
Nix Aufgewärmtes
Nun liegt das fünfte Album der Crossoverer, der Nu Metaler aus Los Angeles vor, und hörbar ist sogleich bei Song Nummer 1, dem Opener "Lost In The Echo": das Angekündigte, das auf der oben beschriebenen Selbsterkenntnis fußende, das subtil gesprochene Versprechen an alle, die Linkin Park in der Urform vermissten, mündet nicht in Enttäuschung. Da wird kein altes Mittagessen aufgewärmt, das ist Komposition aus der Gegenwart, ohne die starken, guten Wurzeln zu zerhacken und aufzuweichen. Das, ebenfalls schon erwähnt, hatten wir ja schon.
So viele schöne "Lieder"
Man mag mir zustimmen oder nicht, aber ein Album wie "A Thousand Suns", das hat kein Mensch gebraucht, und auch "Minutes To Midnight" hätte gern halbiert sein können. Frohsinn und Heiterkeit führt sich auf diesem Werk fort, direkt bei Lied 2. Ist "Lied" nicht ein irrsinnig schönes Wort? Man sollte viel öfter von Liedern sprechen. Lied, Lied, Lied. "In My Remains" haut nicht vom Hocker, aber führt fort, was Lied 1 begann. Die Single "Burn It Down", die im Listing der Lieder auf Platz 3 folgt, tat ja schon das ihrige, um den gern erneut erwähnten Fan der ersten Stunde zu beruhigen: Hier sind Linkin Park am Werk, wie wir sie lieben. "Lies Greed Misery": Schön, was DJ Hahn da aus der Kiste leiert (positiv gemeint) und Shinoda ins Mikrofon sprechsingt. Kein Song, der auf hot rotation ins Radio kommen wird, aber schön rough und inkompatibel. Auch mal wieder erfrischend. Oder gerade das. "I'll Be Gone": Hier sind wir schon bei Lied 5 angelangt. Da darf ein Stückchen Langeweile ruhig Eintritt halten, oder könnt ihr 20 Kilometer am Stück stramm marschieren, ohne dass euch die Luft mal ausgeht? "Castle Of Glass": einfach cool. U got it, Gents. Eingängig, weich, ohne in der Belanglosigkeit zu verschwinden. Auch gut (als Fan der ersten Stunde, um dies erneut kurz ins Spiel zu bringen) erinnert zu werden, es muss nicht bumsen und scheppern und schreien, damit es einen in Wallungen versetzt. Was auch für das Lied 8 zutrifft ("Roads Untraveled"). Einfach schön. Weitere Anspieltipps: "Skin To Bone", "Until It Breaks".
Herzlichen Dank für "Living Things", Linkin Park. Viel mehr braucht's nicht.
Video-Clip: "Burn It Down"
"Living Things" von Linkin Park | 22. Juni


![Linkin Park [Quelle: Warner Music, Foto: James Minchin] Linkin Park [Quelle: Warner Music, Foto: James Minchin]](/bremenvier/musik/cd-der-woche/linkinpark126_v-viertopteaser.jpg)