CD-Tipp
Aus dem Bauch raus entstanden: "Wo es beginnt"
Es war der späte Samstagnachmittag, als Madsen in diesem Jahr beim Hurricane-Festival in Scheeßel auf der Bühne standen. Angefühlt hat es sich aber eher wie ein Headliner-Gig – so ausgelassen war die Stimmung der Fans. Am 17. August erscheint mit "Wo es beginnt" das fünfte Madsen-Werk. Und unsere Musik-Expertin Christine Heuck dürfte nicht die einzige sein, die sich darüber freut.
Das hier ist eine Reise zurück. Nicht dahin, wo der Pfeffer wächst, wobei man das in solch ländlicher Umgebung wie dem Wendland vermuten dürfte, hauptsächlich aber tatsächlich zurück zum Anfang. Diese brüderliche Band um Sänger Sebastian Madsen, dazu gesellen sich (for real!) seine zwei Brüder Johannes und Sascha sowie ein außerfamiliärer Anteil namens Niko Maurer. Aber der hat's auch gut inmitten des Clans, hat sich zumindest noch nie lautstark beklagt.
Neues Label, neues Management
Diese Band, die sich schon ans Metallicacovern rantraute ("Mama Said"), zu Urzeiten gar als Alice's Gun und Hoerstuatz (jupp, zwei Bands auf einmal gegründet, sich mal richtig was gegönnt – die eine frönte dem Rock, die andere dem HipHop und Crossover), die vom Goethe-Institut schon auf große Botschafterfahrt durch die U.S.A geschickt wurde, um deutsche Lyrik unters kulturelle Banausenvolk zu bringen, die haut nun in Form der fünften Platte mit einem Knall das Ergebnis der einschneidenden Neuerungen auf den Tisch: neues Label, neues Management, daraus resultierend und vor allem aus dem Inneren heraus Neuorientierung!
Back to the roots!
Wie schon flüchtig zu Beginn dieser Zeilen angedeutet, ging es ein paar wichtige Schritte back to the roots. Fast so was wie "Erase-Rewind", nur dass man ja seine bisherigen Taten und das angesammelte Wissen und gemachte Erfahrungen nicht auslöschen kann und sollte, aber man kann dort wieder anknüpfen, wo es dem Herzerl beliebt, und wenn das nun mal die Vergangenheit ist und man dort wichtige, wertvolle Sachen für sich wiederentdeckt: nur zu!
Madsen drücken diese Freimachung so aus: "Den Kopf klar bekommen. Die obersten Hemdknöpfe lösen. Das Pfand in den Getränkemarkt bringen. Sich auf das besinnen, was man hat." Und: "Das Album ist aus dem Moment, aus dem Bauch heraus entstanden", sagt Sebastian, "bei 'Labyrinth' (dem Vorgängeralbum, Anmerkung meinerseits) haben wir zu viel nachgedacht."
"Hauptantrieb ist Bock!"
Zurückgehen bedeutet für die Madsens und den Maurer dies dann auch volle Pulle zu tun: Wieder nehmen Madsen im Gaga-Studio in Hamburg auf, abgemischt wurde, so wie früher schon, in Berlin, die Produzentenfäden indes liegen in Händen der Band. Der Output klingt... nach ein paar Wildsäuen, die das Gras bis zum letzten Halm abfräsen wollen... nach einer Band, die kraftvoll ihre ganz persönlichen Garage Days wiederbelebt. Also die Zeiten revitalisiert, wo es am Anfang einer jeder Karriere aus dem Schuppen scheppert und Muttern die Nachbarn mit einem flott aufgekochten Eierlikör und den Worten "Die werden mal ganz berühmt damit!" besänftigen muss. Definitiv auch nach einer Band, die Bock auf den Urschrei und aufs fast unfrisierte Rauslassen hat. Ohnehin, der "Hauptantrieb ist Bock", sagen sie, und das ist in reinster Form zu spüren.
Heucks Anspieltipps
Wo es beginnt
Lass es raus
Baut wieder auf
Generation im Arsch
Nimm den Regen mit
"Wie es beginnt" von Madsen | 17. August 2012


![Madsen [Quelle: Sony Music, Foto: Ingo Pertramer] Madsen [Quelle: Sony Music, Foto: Ingo Pertramer]](/bremenvier/musik/cd-der-woche/madsen216_v-viertopteaser.jpg)