CD-Tipp
Spiel, Satz und Sieg: Martin Solveig
Ein waschechter Franzmann, der bis zu diesem seinen sechsten Album auch nicht sehr weit über die heimatlichen Grenze der französischen Steppen hinaus erschallerte, denn der internationale Ruhm, der kam mit dem Vorboten "Hello" feat. Dragonette.
"Kuckuck, Kuckuck!" ruft's aus dem Wald. Oder eben "Hello! I just came to say hello!". Da hüpfte der DJ und Producer Martin Solveig wohl ein Freudentänzchen im Glückseligkeitskreis, da kann man von ausgehen.
Klar, auch zuvor gab es Platzierungen in den Charts der Schweiz oder in Großbritannien, aber nicht dermaßen amtliche. Furchtbar viele Klicks für seinen lustigen Tennis-affinen Clip zu "Hello" sowie Top-Platzierungen hüben wie drüben, also hier wie auch in Frankreich selbst oder Österreich und erneut in den UK und der Schweiz. Selbst der Ami fährt nun drauf ab.
Künstler durch und durch
Warum der Martin sich nennt, wie er sich nennt, das bleibt allerdings sein Geheimnis, mit bürgerlichem Namen jedenfalls hört er auf Martin Picandet. Das ist ein wahrlich Studierter in Sachen Musik, und nach dem Abschluss veröffentlichte er auch schon auf eigenem Label die erste eigene Platte "Sur La Terre". Reines Disco-Gekloppe allein war niemals seins, auch amerikanischer Funk und Rock zupfte an seinem Kittel und wusste ihn zu begeistern.
Das ging sogar so weit, dass Solveig 2008 gleich ein ganzes Werk veröffentlichte, für das er sich von The Strokes inspirieren ließ. War auch der Knackpunkt in der Karriere, war nun definitiv heißgeliebter Star der elektronischen Musikkultur in Frankreich. Dass später sogar Jean-Paul Gaultier in einem Video mitgewirkt hat (Song dazu auf "Smash" enthalten), spricht Bände der Anerkennung.
Clubben nebenbei
Coverausschnitt "Smash"
Und nun, Mesdames et Monsieurs, Zeit für "Smash". Nicht Smack Smash, das fänden wir in Beatsteak'schen Gefilden, aber "Smash" allein klingt auch schon schnittig. Erwartet keinen Rock, weil der Name Strokes zuvor fiel, dennoch traben die Stücke auf diesem Album gut und gerne nach vorne. Elektronika, die abgeht, ohne den Zahnschmerznerv zu treffen, das haben die Black Eyed Peas mit ihrem letzten Werk "The Beginning" schon erledigt.
Solveig liefert eine Ansammlung von Clubmusik, die nicht nur dem Clubgänger zugängig sein dürfte. Wippen allenorts und überall sehe ich vor meinem geistigen Auge. Ob im Büro, beim Spargelkauf, Skaten, Babystillen oder eben… im Club. Und wenn's dann doch mal zu viele hektische Beats sein sollten fürs subjektive Empfinden, kann man ja eine Pause einlegen. Vielleicht die Hollandaise anrühren, den vergessenen Schinken besorgen. Dann aber unbedingt wieder auf Play drücken und weiterhören, es lohnt sich.
Mit Dragonette und Okereke
Und noch was: DJ, der er ist, und obwohl er ja eigentlich ganz gut singen kann, Kirchenchorknabe, der er früher einmal war, holte sich Martin Solveig neben dem kanadischen Elektropop-Trio Dragonette ein paar weitere Feature-Künstler zur Verstärkung an die Seite, darunter der wunderbare, leicht spookige Kele Okereke von Bloc Party.
"Smash" von Martin Solveig | 17. Juni 2011


![Martin Solveig [Quelle: Edel Records] Martin Solveig [Quelle: Edel Records]](/bremenvier/musik/cd-der-woche/martinsolveig108_v-viertopteaser.jpg)