CD der Woche
Maximo Park sorgen sich um die "nationale Gesundheit"
Bei dem Albumnamen fühlt man sich doch sogleich wieder an das Ursprungsaufbegehren der Band erinnert, an den Treffpunkt kubanischer Revolutionäre in Havanna, den Maximo Gomez Park, von dem sich der Bandname einst ableitete. Und der Albumname? Suggeriert, dass es mit der (geistigen) Gesundheit des Volkes vielleicht nicht gerade zum Besten steht. Dass da Sorge angebracht ist. Oder auch einfach nur die Dringlichkeit, darauf zu achten, dass es einem im Kleinen, Privaten so wie in der Gemeinschaft gut geht. Letzten Endes war es aber tatsächlich auch die gesunde Verfassung Maximo Parks, die eine Zeit lang im Raum stand, denn man wusste es nicht so genau. Nun stellen die Briten ihr neues Album vor.
Paul Smith (Vocals), Duncan Lloyd (Gitarre), Archis Tiku (Bass), Tom English (Schlagzeug) und Lukas Wooller (Keyboard) wussten nicht, ob sie genug Boden unter den Füßen hätten, um fortzubestehen. 2003 gegründet, gab es für die Kollegen aus UK/Newcastle nach dem 2009er-Werk "Quicken the Heart" die Sinnkrise. Man fühlte sich nicht wirklich d’accord mit dem Geschaffenen, auf einmal waren zu viele Bands um einen herum, die ebenso wie Maximo Park einer Britpopwelle entsprangen.
Und nun, vor knapp drei Jahren also, beschlich wohl Smith und Co. das Gefühl, Gitarrenmusik sei out, die Quelle versiegt, die Welle erflacht. Was ich persönlich für ausgemachten Quatsch halte. Wie oft schon wurde das gesagt, wie oft schon durfte man das getrost müde lächelnd ignorieren. Gitarrenmusik und Rocksongs sind niemals out.
Sinnkrise
Wahrscheinlich lag es eher an der innerlichen Verfassung der Band. Am Drang, etwas anders zu machen, oder die Richtung zu wechseln. Kennen ja die meisten von uns, das Gefühl, es müsse was passieren, das hier sei Stillstand und nicht mehr nahrhaft.
Und, um wieder auf Maximo Park zu sprechen zu kommen, war da sicherlich auch der Gedanke an die Leute! Gott, die Leute! Die erwarten ja was total Neues, Herausstechendes, Überraschendes von uns! Fehler Nummer zwei. Tut keiner. Weiterentwicklung okay, aber der Kern soll doch bleiben. Heirate ich einen Clooney, will ich nach einem Jahr keinen Pitt im Ehebett. In der Regel. Kauf ich mir eine Guns'n'Roses-Platte, will ich darauf keinen Elektrospook von Manson. Das ganz bestimmt. Und Zimtröllchen, wenn man sie einmal mag, isst man auch mit Genuss nach 20 Jahren noch.
Zurück zu den Wurzeln
Maximo Park gaben also nicht auf, das beweist die nun vorliegende fünfte Platte, und wisst ihr, wie sie zum Seelenheil zurückfanden? Im Schritt zurück zu dem, was schon hinter ihnen lag. Das altgeliebte Zimtröllchen wurde wieder hervorgekramt, mit Genuss wurden die Hauer in den zuckrigen Teig geschlagen. Mit anderen Worten: Man besann sich wieder auf dass, was einen ursprünglich ausmachte, das ihrer Meinung nach irgendwie in Vergessenheit geriet, nämlich auf das Schreiben von Popsongs.
Gitarren durften bleiben, Gott sei Dank. Nur weg mit empfundenem Druck, zurück zu dem, was man schon immer mochte und konnte. Diese feine Nuance, die zeitweise an die Housemartins oder Smiths erinnert, ist bei der ersten Auskopplung, "Write This Down", absolut hörbar. Fluffig, gelöst, gute Hookline, Volltreffer. Setzt sich das Erfreuliche, ob nun tatsächlich auffallend anders oder doch noch typisch Maximo, auf dem kompletten Werke fort? Je mehr Anspieltipps, desto "ja-er"! Und ob sich die Wurst nun Gurke nennt oder die Banane Pflaume, ist letzten Endes doch nebensächlich.
Anspieltipps: "The National Health", "Hips & Lips", "Reluctant Love", "Banlieue", "This Is What Becomes of the Brokenheartet", "Unfamiliar Places".
"The National Health" von Maximo Park | ab 8.Juni im Laden.


![Maximo Park [Quelle: Universal Music] Maximo Park [Quelle: Universal Music]](/bremenvier/musik/cd-der-woche/maximopark112_v-viertopteaser.jpg)