CD-Tipp
Sehnlich erwartet, endlich da: Noel Gallaghers Solo-Werk!
Das Einzige, was die Zwistbrüder Gallagher noch verbinden mag, sind die Augenbrauen, ansonsten geht trotz kleiner Momente des Bedauerns jeder seiner Wege. In welche Richtung es Noel Gallagher verschlagen hat, damit beschäftigt sich unsere Musikexpertin Christine Heuck in dieser Album-Besprechung etwas ausführlicher:
Während sich der Hübschere, Durchtriebenere, Giftspritzendere, also Liam, die verbliebenen Ex-Oasismenschen grabschte und "Beady Eye" daraus strickte, kommt der Besonnenere, weniger zu Hasstiraden denn dem Kundtun seiner gefestigten Meinung Neigende (was zugegebenermaßen auch manchmal recht bösartig anmutet) als Soloprojekt daher. Darauf besteht er, das macht er ganz deutlich: Zwar kann niemand ganz ohne andere, aber die Menschen, die mit ihm die Platte eingespielt haben, bezeichnet der Gallagher-Noel als loses Kollektiv von Studiomusikern. Und was für ein paar Feine er sich da gepickt hat: als Schlagzeuger Jeremy Stacey (Robbie Williams, Sheryl Crow), am Keyboard Mike Rowe (Travis, Mick Jagger, Oasis), auch für einen Chor wurde in die Tasche gegriffen (The Crouch End Festival Chorus). Erwähnte ich schon das Streichorchester "The Wired Strings"?
Der Teufel steckt im Detail!
Und welch weiche Seiten er hier offenbart! Als gäbe es kein Krümelchen Schlechtigkeit auf der Welt, so erst mal die musikalische Anmutung. Was natürlich nicht dem Charakter eines wahren Gallaghers entspricht. Da steckt der Düvel also eher im zweiten und dritten Überprüfen der Lyrics. Insgesamt ein nicht nur von den Fans sehnlich erwartetetes Gesamtwerk, in dem er wiederholt auf den Pfaden Paul McCartney zu wandeln scheint. Der hätte zwar in den letzten 25 Jahren laut Noel nur Mist produziert, aber so grundsätzlich, ja, da wäre er schon ein begnadeter Songwriter, so stand's auf scotsman.com.
Seinem eigenen Ruf als eben solcher kommt er auf diesem Album ganz bestimmt in weiten Teilen nach, das selbstbenannte Solodebüt ist gefüllt mit ein paar wahrlich guten Kompositionen. Ob die an "Wonderwall" erinnernde Ballade über ein junges Liebespaar "If I Had A Gun…" oder der Song "The Death of You and Me", der schon vor Wochen mit über einer Million Klicks in drei Tagen einen ersten Erfolg einfuhr. Leckerli für alle Nostalgiker: Gleich der Opener "Everybody’s On The Run" stammt noch aus Oasiszeiten, betörend ertönt beim Soundcheck in Rio de Janeiro schon 2009.
Noel Gallagher's High Flying Birds: "The Death Of You And Me"
"Noel Gallagher's High Flying Birds" von "Noel Gallagher's High Flying Birds | 14. Oktober 2011


![Ausschnitt CD-Cover [Quelle: Sour Mash] Ausschnitt CD-Cover [Quelle: Sour Mash]](/bremenvier/musik/cd-der-woche/noelgallagher106_v-viertopteaser.jpg)