CD-Tipp
"Dragon Slayer": Der Drachenkämpfer ohne Blingbling
Slayer! Klingt guuut! Sagen jetzt die einen. Hau Rübe ab, musikalisch, könnte die Erwartung sein. Und Dragon. Schön mystisch! Wird in Richtung Mittelalterrock gehen. Sagen nun vielleicht die anderen.
Zügelt eure Erwartungen, nichts von beidem ist der Fall. Jemand, der in frühen Tagen das Mikro im legendären "Good Life Cafe" in Los Angeles, ein Health Food Restaurant, Hotspot für alle Rapverliebten und Underground-Rhymeshaker, mit Snoop Dogg teilte, wird über die Jahre eher nicht zum Thrashmetalpeitscher.
Gangsta, go home!
Pigeon John wurde allerdings auch nicht zum Blingblingmann mit Dollarzeichen an fetter Kette und Shake-Your-Bootie-Raps mit halbnackten Babes, eher der ironische, teils belustigte Blick auf diese Zunft schlummert in seinem Herzen.
Und auch, wenn Pigeon nicht (vielleicht genau dadurch nicht) eine ähnliche Megakarriere wie Kollege Snoop hingelegt hat oder wie die Black Eyed Peas, die ihre Lippen ebenfalls an besagtem Ort an den Schallwandler drückten, so pflastern unzählige, euphorisch aufgenommene Touren seinen Weg, in den Staaten, aber auch in Kanada, Frankreich und Australien.
Erfahrung im Säckel: die Platten
"Nichts zu verlieren!"
Und wo jahrelange Touren, da auch einiges an musikalischem Output, der einem auf gar charmante Art ermöglicht, an der Reifung des Mannes aus Nebraska, zugezogener Kalifornier, geborener John Kenneth Dunkin, später zu "Dust" geändert, teilzuhaben:
"Pigeon John Is Clueless" (2002), "Pigeon John Is Dating Your Sister" (2003), "Pigeon John Sings The Blues" (2005) und "Pigeon John And The Summertime Pool Party" (2006).
Vom Wanderer zum Drachenkämpfer
Beim hemmungslosen Herumeumeln mit dem anderen Geschlecht im Nassen wollte er jedoch nicht stehen bleiben, nach all dem Spaß muss man sich auch dem anderen Teil des Lebens stellen, Dämonen besänftigen, wenn's sein muss, auch um die Ecke bringen, und Drachen bekämpfen.
Somit sind wir angelangt bei "Dragon Slayer". Es ist in den USA schon veröffentlicht, beim Kultlabel Quannum. Falls euch das nichts sagt, nicht schlimm, aber merkt euch als kleine Fußnote auch den dort beheimateten DJ Shadow und führt ihn euch einmal zu Gemüte. Der Mann ist der Knaller. Fußnote beendet.
"Dragon Slayer" ist für Pigeon John "keine Abkehr von meinen bisherigen Alben, es läuft lediglich auf einer anderen Wellenlänge. Es ist ein wenig riskant. Aber mal im Ernst: was habe ich zu verlieren?".
Nun, das wiederum liegt im Auge des Betrachters. Man möge sich nur vorstellen, Pigeon wäre ein nackter Mann, dann hätte er Recht. Nackter als nackt geht es nun einmal nicht. Trüge er aber zumindest ein leichtes Jäckchen, so müsste man ihn für seinen Mut beglückwünschen, Gefahr zu laufen, am Ende doch wieder entblößt da zu stehen.
Wenn jedoch das der Preis für Ehrlichkeit und Pureness at Heart ist, dann hat er ohnehin den richtigen Weg eingeschlagen.
"Dragon Slayer" von Pigeon John | 15. Juli 2011


![Pigeon John [Quelle: Universal Music] Pigeon John [Quelle: Universal Music]](/bremenvier/musik/cd-der-woche/pigeonjohn110_v-viertopteaser.jpg)