CD-Tipp
Die Wahrheit über das neue Pink-Album!
Nicht zweifeln, sondern dranbleiben – das ist eine Lektion, die unsere Musik-Expertin Christine Heuck beim Hören des neuen Albums von Pink gelernt hat. Sie hat intensiv den Tracks auf "The Truth About Love" gelauscht und weiß, wie das sechste Studioalbum der Ausnahmekünstlerin klingt:
"Are We All We Are", ein Stoßgebet zum Himmel. Dafür liebe ich Pink. Erst schmoofige Ballade vom Poplaufband, die es an der Pinkschen Seele mangeln lässt wie "Blow Me (One Last Kiss)" und dann wieder die roughe Tante, die nach der ersten Niederkunft eines Babys extrem geil und wenig angezogen fürs Cover posiert und Tunes raushaut, die kratzen und beaten und rocken. Mercy (so wie "Danke", nicht wie "Lord, have mercy!"). Gelernte Lektion: Nicht an Pink zweifeln, wenn man eine entglittene Nummer hörte. Das wird wieder.
Wunderschönes Duett mit Nate Ruess
Immer noch ganz schön sexy ...
"Try": Schnittstelle zwischen beiden gerade genannten. Segelflug durch derbere Winde an einem Stofflaken aus rosa Samt. Nicht ganz meins, aber wie gesagt ... dranbleiben. Womit es weiterginge mit ... "Just Give Me A Reason": Oh herrlicher Pianoklang. Schöne soundtrackreife Melodie. Oh Verschmelzung zweier genetisch andersgearteter Stimmen: Frau (Pink) und Mann (Nate Ruess, formerly and still known as the singer of Fun).
Wer kennt schon die Wahrheit über die Liebe?
... die junge Dame!
Diese ersten paar Songs des Albums bieten einen guten Querschnitt aus dem neuen, sechsten Studioalbum der Frau mit mehreren Grammys, die sich trennte, um dann genau in dem Mann doch wieder genau den Einen zu finden, mit dem sie Tochter Willow auf die Rampe ins Leben schickte. Weil Pink nicht nur eine überaus authentische, sondern auch ehrliche und kluge Frau mit einer Menge gemachter Lebenserfahrungen im Sack zu sein scheint, nimmt sie beim Exklusiv-Gig im Münchner Zirkus Krone vergangenen Freitag dem eigenen Albumtitel sogleich wieder den Wind aus den Segeln. Die Wahrheit über die Liebe kenne sie nicht, und: "Wenn wir uns aussuchen könnten, in wen wir uns verlieben, dann wären wir alle sehr, sehr glücklich."
Demnach ist dieses Werk tatsächlich eher Suche als Ausschüttung von Weisheiten. Pink eben. Eben ziemlich realistisch. Und die Angst, es gäbe hier von Alecia Beth Moore zu wenig der erdigeren Töne, oder besser: erdigere, eckigere oder schlichtweg berührendere Kompositionen, die in schönerer Harmonie mit ihrer Ausnahmestimme stehen, irgendwie mehr "Home With The Flow", ist fast unbegründet und der (subjektiv betrachtet) schlechten, oben genannten Vorabsingle geschuldet. Und der Wortwahl eines Fans, der Pink nach dem Auftritt im Freistaat Bayern mit "Helene Fischer auf Speed" verglich (süddeutsche.de ). Gut, ein bisschen stimmt es, in weiten Teilen aber eben nicht. Schmunzeln darf man trotzdem.
Einfach mal wirken lassen
Anwärter, die in die Fußstapfen von "Just Like Aa Pill", "18 Wheeler", "Family Portrait", "Numb", "Who Knew", "Sober" oder "I Don't Believe You" aus der Vergangenheit treten könnten, gibt es, man muss sie wahrscheinlich nur noch ein paar mal öfter wirken lassen. Stichwort "guter Wein".
Christine Heucks Anspieltipps
- Just Give Me A Reason (feat. Nate Ruess)
- Walk Of Shame
- Where Did The Beat Go
- The Great Escape
- Run
Video-Clip: "Blow Me (One Last Kiss)"
"The Truth About Love" von Pink | 14. September 2012


![Pink [Quelle: Sony Music, Foto: Andrew Macpherson] Pink [Quelle: Sony Music, Foto: Andrew Macpherson]](/bremenvier/musik/pink118_v-viertopteaser.jpg)