CD-Tipp
Simply in your ear: Vampire Weekend!
Als vor einigen Jahren die Band Vampire Weekend bei Bremen Vier aufploppte, war die Begeisterung groß: so schöne Musik, so schön ungewöhnlich. Was haben die Jungs draus gemacht? Unsere Musikexpertin Christine Heuck hat sich ihr neues Album "Modern Vampires of the City" angehört.
Lange ist es her, dass wir euch diese besondere Band aus New York schon einmal vorgestellt haben. Damals noch in einer Rubrik namens "Zukunftsmusik". Dieses Besondere, dass sofort schon 2008, zu Zeiten des gleichnamigen Debüts, ins Ohr gesprungen ist, hat sich mitnichten als Trugschluss entpuppt, ganz im Gegenteil: als eine Musik, die Indierock mit Weltmusik kreuzt, die so viel eigenes Zauberhaftes in sich trägt, dass immer klar erkennbar ist, wer hier werkelt.
Album voll Fantasie!
Romantik, Kirchenorgeln, tiefe Bässe!
So eine eigene Duftnote fernab des Mainstreams muss man erstmal kreieren und sich erhalten. Das haben Vampire Weekend geschafft und überdies ohne Hast und Eile weiterentwickelt und sich ein gutes Standing erarbeitet, das nicht auf rabiates "In your Face" aus ist, sondern auf ein besonnenes "Simply in your Ear". Zudem auch inhaltlich mit viel Fantasie gespielt wird: "Modern Vampires of the City" erzählt von einer belebten Stadt, dem gerade für New York so typischen Trubel und dem Brodeln von Stimmen und Visionen, vom Tod des englischen Seefahrers Henry Hudsons, nach dem der Hudson River im Staate New York benannt ist, von tödlichen Kronleuchtern oder dem gläubigen Mädchen, das sich in einem Falafel-Shop verliebt. Zusammen mit Vampire Weekends herausstechender, etwas anderer Instrumentierung und dem oft zackigen Rhythmus der Songs könnte dies Sammelsurium leicht dazu führen, den Hörer bzw. die Hörerin verrückt zu machen, nervös an den Nägeln kauend zurückzulassen, aber gemach und keine Bange: Das meiste ist umhüllt von einem sanft braun schimmernden Vorhang aus Magie, von dieser besonderen Nuance in der Stimme Ezra Koenigs.
Sound, der glücklich macht!
Romantik, Kirchenorgeln, tiefe Bässe, lateinische Chöre, dazu der klassische Vampire-Weekend-Sound voller Freude und feinem Humor – eine gesunde Balance fürs Leben an sich genauso wie für den Output einer Band und ein schönes Beispiel dafür, dass auch etwas gut sein kann, dass einen nicht in die emotionalsten Ecken zu schleudern vermag.
Christines Anspieltipps:
"Obvious Bicycle"
"Step"
"Everlasting Arms"
"Finger Back"
Lyric-Video: "Diane Young"
"Modern Vampires of the City" von Vampire Weekend | 10. Mai 2013


![Vampire Weekend [Quelle: XL Recordings, Foto: Alex John Beck] Vampire Weekend [Quelle: XL Recordings, Foto: Alex John Beck]](/bremenvier/musik/cd-der-woche/vampireweekend128_v-viertopteaser.jpg)