Samstag, 28. Mai 2016
Anti-Wiesenhof-Plakat [Quelle: Radio Bremen] Lupe

Noch immer gab es vereinzelte Proteste gegen Hauptsponsor Wiesenhof.

Tierschutzlabel auf Werder-Brust

Peta: "PR-Knaller, aber es gibt Bewegung!"

Am Samstag (28. November) fand das große Nordderby zwischen dem SV Werder Bremen und dem Hamburger SV statt. Zu diesem Spiel wollen die Werderaner nicht mit ihrem Standard-Trikot mit Wiesenhof-Aufdruck auflaufen, sondern mit dem Aufdruck "Für mehr Tierschutz". Was es damit auf sich hat, klärte Malin Kompa im Gespräch mit Dr. Edmund Haferbeck von der Tierrechtsorganisation Peta.


"Für mehr Tierschutz" ist ein Label, das der Deutsche Tierschutzbund in Zusammenarbeit mit Konzernen, die ihre konventionelle Produktion umstellen (in Maßen, aber immerhin), vergeben. Auch Wiesenhof wurde vom DTB gelabelt.


Malin Kompa: Tierschutz und Wiesenhof - passt das zusammen und was steckt dahinter?


Edmund Haferbeck [Quelle: SWR]

Dr. Edmund Haferbeck

Dr. Edmund Haferbeck: Man muss wissen, dass es Politik des Deutschen Tierschutzbundes ist, tiergerecht produziertes Fleisch zu labeln und zu fördern. Der Deutsche Tierschutzbund ist eine Tierschutzorganisation und keine Tierrechtsorganisation. Der DTB hat gemeinsam mit dem BUND selber eine eigene Fleischproduktion - die heißt Neuland - und sie labeln tiergerechte Produktionsformen zum Beispiel vom Großkonzern Vion oder eben auch Wiesenhof. Wiesenhof hat jetzt seit einigen Jahren die Privathoflinie, das sind etwa 55 Höfe in Deutschland, wo es etwas tiergerechter zugeht.


Tiergerechte Fleischproduktion - ist das nicht eine Doppelmoral?


Das ist eine Doppelmoral. Peta würde nie auf den Gedanken kommen, tierische Produktion zu labeln. Peta labelt nur vegane Produktlinien, keine Produktlinien, für die Tiere sterben müssen oder gequält werden. Der DTB hat da eine andere Politik und arbeitet deshalb mit Wiesenhof zusammen. Wiesenhof ist in Deutschland der größte Player in der Geflügelproduktion, und die konventionelle Zucht und Produktion ist auch nach wie vor zu kritisieren.


Was hält Peta von der Werder-Aktion?


Ich könnte mir vorstellen, dass es eine Reaktion auf die Vorbehalte vieler Werder-Fans gegen diese Kombination mit Wiesenhof ist, die ja jetzt bis 2017 verlängert wurde. Dem wollte man offenbar begegnen, indem man jetzt in diesem Spiel den Tierschutz sehr stark betont. Wir halten es für prekär und nicht zielführend für die eigentliche Arbeit von Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen. Aus Sicht von Wiesenhof ist das durchaus ein PR-Knaller, den sie so aber eben nur mit dem Tierschutzbund eingehen können. Mit Peta würde das nicht gehen.


Immerhin gehen da zwei Parteien aufeinander zu. Ist das nicht ein Fortschritt?


Unter reformerischen Gesichtspunkten ist das ein Fortschritt - den aber nicht der Tierschutzbund, sondern vor allem Peta mit seinen Bemühungen vorangetrieben hat. Wiesenhof ist einer der wenigen großen Player, der sich anstrengte, reformerisch tätig zu werden und die Haltung zu verbessern. Dennoch bleibt es eine konventionelle und auf Massenproduktion ausgerichtete Linie und das kann Peta nicht goutieren.


Es gab anfangs viele Proteste gegen die Kombi Werder-Wiesenhof. Ist es nicht enttäuschend wenn solche Proteste letztendlich im Sand verlaufen?


Ja, es ist enttäuschend, aber es ist tägliche Praxis. Tierschutz durchzusetzen, wenn’s um den Teller geht, ist schwierig. Dreimal am Tag Fleisch auf dem Tisch ist beim Durchschnittsbürger immer noch das Lebenselixier, das kann man nicht so einfach ändern. Aber es gibt Bewegung: 2015 hat Wiesenhof nach Gesprächen mit uns eine vegane Produktpalette auf der Ernährungsmesse Anuga vorgestellt. Mit diesem Schritt der veganen Produktpalette ist Wiesenhof sicher auf dem richtigen Weg.


Danke, Dr. Edmund Haferbeck, für das Gespräch!






 


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