Mittwoch, 13. Dezember 2017
Tobi Schlegl [Quelle: Imago, Foto: Teutopress] Lupe

Tobi Schlegl im Jahr 1998

90er-Tag

Tobi Schlegl im Interview

Die 90er-Jahre waren die große Zeit des Musikfernsehens: MTV und Viva waren das Maß aller Dinge im Pop, und die blutjungen Moderatoren waren Superstars in Deutschland. Heike Makatsch, Markus Kavka, Charlotte Roche und Nils Bokelberg kannte jedes Kind - und natürlich Tobi Schlegl, der ab 1995 die Sendung Viva Interaktiv moderierte. Er blieb dem Fernsehen lange treu - bis er im Sommer 2016 bekannt gab, sich aus dem TV zurückzuziehen und Notfallsanitäter zu werden, um etwas "gesellschaftlich Relevantes" zu tun.



Wir haben bei Tobi Schlegl angerufen und uns mit ihm über die Musik der 90er und den Spagat zwischen Viva-Ruhm und Abitur unterhalten.


Wenn du an die 90er-Jahre denkst, was passiert dann mit dir? Bekommst du ein breites Grinsen oder eher Gänsehaut?


Ich glaube: alles auf einmal. Das war natürlich eine wilde Zeit, mitten in der Pubertät, da wurde man, ich wollte beinahe sagen: so langsam erwachsen, aber es war genau das Gegenteil: Da war man noch nicht erwachsen! Und mitten in den 90ern, mit 14, 15, 16, wurde es ganz intensiv, was gute Musik anging: Es gab nicht nur Haddaway, Eurotrash und DJ Bobo!


Was ist denn die gute Musik, die dir in Erinnerung geblieben ist?


Das allerwichtigste Jahr in den 90ern war natürlich 1991, denn da kam die erste Platte von Nirvana raus (Anm.d.Red. Genau genommen war es schon die zweite!) und die hat alles verändert, auch für mich. Tatsächlich hab ich nach dieser Platte angefangen, Gitarre zu spielen, und hab eine Punkrockband gegründet. Nirvana ist schuld, dass ich mein Klavier zertrümmert und die Gitarre an mein Herz gelassen habe.


Du warst 18 oder 19, als du zu Viva kamst, oder?


Ich war der jüngste damals, mit 17, die waren alle älter.


Und ihr wart echt Stars, jeder kannte euch! Wie war das Leben damals?


Tobi Schlegl [Quelle: Imago, Future Image]

Tobias Schlegl 2017

Ich bin ja parallel noch zur Schule gegangen. Das war total verrückt. Ich war in der elften Klasse, und die Klassen unter mir waren ein bisschen Viva-verrückt - da wurde man in den Pausen, sagen wir mal: nicht so ganz alleine gelassen. Da man diese Boygroups, N'Sync, Backstreet Boys, interviewt hat, war man auch ein Teil des ganzen Wahnsinns und hat einiges abgekriegt.


Aber im positiven Sinne: Die fanden dich dann richtig cool?


Ja, aber ich war ja gerade in der Pubertät und fand Punk und Nirvana gut und wollte eigentlich mit diesem Teeniekram nichts zu tun haben. Die waren ja nett zu mir, aber sie haben dann auch ein bisschen genervt. Vor allem wenn man gerade Mathe-Leistungskurs hatte und mal kurz eine Pause brauchte. Aber es war eine sehr euphorische Zeit! Musikalisch war es extrem hochwertig, weil der deutsche Rap hochkam, nicht nur Fanta 4, sondern auch das Rödelheim Hartreim Projekt, das waren die ersten Gangsta-Rapper. Bushido und alle, die danach kamen, haben von denen gelernt. Die waren böse, die waren Straße, hatten aber auch so eine seichte Seite, die haben es geschafft, die deutsche Sprache nochmal zu modulieren und völlig neu zu verpacken.


Es ist interessant, wie euphorisch du über die Musik der 90er redest - ganz viele halten die 90er musikalisch eher für ein verlorenes Jahrzehnt...


Ach, das ist doch immer so. Pauschalurteile sind immer völliger Bullshit. Man muss nur genau hinkucken, differenzieren und sich die Perlen rauspicken. Wenn man eine DJ-Bobo-Platte hört, denkt man natürlich: Ach du Scheiße, ich will in die Zeitmaschine und zehn Jahre vorspulen! Aber wie gesagt: Für den deutschen Rap und für Freunde der Gitarrenmusik war es echt ein besonderes Jahrzent.


Gibt es irgendwas, das du aus den 90ern vermisst?


Meinen C64 mit Datasette! Und mit meinem CB-Funkgerät habe ich Mitte der 90er - noch vor Viva - meine eigene Radioshow gegründet. Das Funkgerät hatte eine Reichweite von 20 Metern. Immer um 19 Uhr ging ich für eine halbe Stunde auf Sendung, den Kassettenrekorder ans Funkgerät gehalten, meine drei, vier Lieblingstracks gespielt und dazwischen Bullshit erzählt. So war das damals in den 90ern!



Thema im Programm: Bremen Vier, 31. März, 10:30 Uhr






 


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