Die Cellistin von Auschwitz

Anita Lasker-Wallfisch hat das Konzentrationslager Auschwitz nur überlebt, weil sie Cello spielen konnte. Mit dem Mädchenorchester des Lagers musste sie Märsche spielen, wenn Mitgefangene zur todbringenden Zwangsarbeit oder in die Gaskammern geführt wurden. Ihre Geschichte hat sie lange nicht erzählt, auch weil keiner gefragt hat, sagt sie. "Wir hätten gar nicht geschwiegen, wir konnten gar nicht warten, endlich der Welt zu erzählen, was hier eigentlich los war." 1946 wanderte sie nach Großbritannien aus und spielte dort viele Jahre erfolgreich als Berufsmusikerin Cello. In den 1990er Jahren begann Anita Lasker-Wallfisch, ihre Geschichte zu erzählen, und reiste auch wieder nach Deutschland. Dort lernte sie einen jungen Historiker kennen, der nach Zeugen des Holocaust suchte. Durch den Kontakt mit diesem Mann wurde ihr klar: "Ich kann etwas Besseres leisten, wenn ich mich in Deutschland engagiere, statt in London zu sitzen und alles zu ignorieren." Seitdem besucht sie Deutschland immer wieder und berichtet insbesondere an Schulen von ihrem Schicksal und dem Holocaust. Der Holocaust ist einzigartig, sagt sie. Denn Deutschland, ein zivilisiertes Land, hat eine Methode erfunden, mit dem man Menschen "so sauber wie möglich" umbringen kann. Das ist einzigartig, sagt Anita Lasker-Wallfisch. "Was noch einzigartig ist, ist, dass Antisemitismus nach diesem ganzen Wahnsinn anscheinend wieder aufblüht."
  • Autor/-in:Martin Busch
  • Länge:9:08 Minuten
  • Datum:Donnerstag, 17. Mai 2018
  • Sendereihe:Bremen Zwei | Bremen Zwei