31. Januar 2012, 17:00 Uhr | EinsFestival
Dokumentation
Antarktis, Atkabucht, 200 Meter dickes Eis, Temperaturen bis minus 50 Grad, monatelange Polarnacht. In dieser lebensfeindlichen Umgebung am Ende der Welt steht die deutsche Neumayer Forschungsstation. Seit 1981 sind die Forscher des Alfred-Wegener-Instituts für Polarforschung ununterbrochen vor Ort.
Eishöhle in der Schelfeiskante
Der Betrieb einer Antarktisstation ist aufwändig und komplex. Während des etwa dreimonatigen Sommers leben und arbeiten ungefähr 50 Personen auf der Neumayer-Station. Im Winter halten neun Wissenschaftler und Techniker den Betrieb am Laufen. Für die Versorgung, technische Instandsetzung und die Forschung müssen tagtäglich außergewöhnliche logistische Herausforderungen bewältigt werden. Persönlicher Einsatz eines jeden ist nötig, um nicht nur die wissenschaftlichen Arbeiten in den Kernbereichen Meteorologie, Geophysik und Luftchemie zu betreiben. Zusätzliche Forschungsprojekte müssen gemeistert werden! Eines davon ist "Palaoa".
Lars Kindermann und Holger Klinck erforschen die geheimnisvolle Klangwelt im antarktischen Meer unter dem Schelfeis. Durch eine über hundert Meter starke Eisdecke haben sie vier Löcher gebohrt und Mikrofone hinunter gelassen. Eine fantastische Geräuschkulisse erklingt. Lars Kindermann: "Man stellt sich immer vor, unter Wasser sei es so samtig, schwarz, ruhig. Aber das ist überhaupt nicht so". Aus den fremdartigen Lauten wollen die Forscher rekonstruieren, wie die Meeressäuger miteinander kommunizieren, wie sie leben.
Doch die harten klimatischen Bedingungen fordern täglich ihren Tribut. Technik, die mit der Zeit im Eis versinkt, muss immer wieder ausgegraben und neu justiert werden. Die Luftchemikerin muss jeden Tag, auch bei eisigem Sturm, zu Fuß ihr anderthalb Kilometer entferntes Labor erreichen. Die Meteorologin muss mehrmals täglich Wetterbeobachtungen durchführen – egal wie stark der Sturm bläst.
Der Aufwand lohnt sich. Klimawandel, Verschiebungen des Erdmagnetfeldes, die Lokalisierung von Erdbeben, der Nachweis von Spurenstoffen in der Luft zum Verständnis der Erdgeschichte und nicht zuletzt die Überwachung des Atomwaffensperrvertrages – für all diese Bereiche werden auf der Neumayer-Station wertvolle Informationen gesammelt.
Die Antarktis - als einer der empfindsamsten Teile der Erde - ist zu einem Vorhersagezentrum geworden. Die Beobachtungen und Messungen dort lassen auf Entwicklungen schließen, die den ganzen Planeten Erde betreffen.
Ein Film von Jens Dücker und Gerold Hofmann.
Info: Produktionen
![TV-Kamera im RBTV-Studio [Quelle: Radio Bremen, Foto: Sebastian Ruholl] TV-Kamera im RBTV-Studio [Quelle: Radio Bremen, Foto: Sebastian Ruholl]](/fernsehen/produktionen/kamera104_v-mediateaser.jpg)
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