25. März 2013, 23:30 Uhr | hr-fernsehen
Die großen Kriminalfälle
Olaf Däter
Der Altenpfleger Olaf Däter hat mindestens vier, vielleicht sogar fünf eigentlich "perfekte Morde“ begangen. Im Gefängnis sitzt er nur, weil sein sechstes Opfer überlebt hat. Er ist am 22. November 2001 zu lebenslanger Haft verurteilt worden.
Das Gericht stellte die besondere Schwere seiner Schuld fest. Eine Entlassung nach 15 Jahren ist damit ausgeschlossen. Im Urteil heißt es: "Aus nichtigem Anlass und mit großer Bedenkenlosigkeit hat der Angeklagte innerhalb von nur zehn Tagen fünf seiner ehemaligen Patientinnen getötet, und es ist nur einem glücklichen Zufall zu verdanken, dass nicht auch sein sechstes Opfer verstorben ist.“
Die damals 82-jährige Martha Neubauer wehrt sich verzweifelt gegen den Altenpfleger und überlebt. Sie kann den ersten Hinweis geben.
Fünf Morde und ein Mordversuch innerhalb von zehn Tagen – diese Serie ist beispiellos zumindest in der deutschen Kriminalgeschichte. Däter ist nicht psychisch gestört wie die meisten Serienmörder; sieht sich auch nicht als "Erlöser“ seiner durchweg über achtzig Jahre alten Pflegebefohlenen; sein Motiv ist furchtbar banal: Habgier. Seine Beute: insgesamt nicht mal 5.000 Mark.
Wenige Tage vor dem ersten Mord war Däter fristlos entlassen worden bei dem Pflegedienst, der die sechs alten Damen zu Hause betreute. Er hatte Geld unterschlagen. Am 6. Juni 2001 besucht er dann unter einem Vorwand die 87-jährige Lisbeth Nägler, erstickt sie mit einem Handtuch und raubt 350 Mark.
Bei allen weiteren Taten geht er ähnlich vor. Und bei vier seiner Opfer bescheinigen die nach dem Auffinden der Leichen herbeigerufenen Ärzte einen natürlichen Tod. So wäre es wahrscheinlich auch bei seinem letzten Opfer gekommen. Aber die 82-jährige Martha Neubauer überlebt die Attacken des 1,93 Meter großen und 130 Kilo schweren Hünen und liefert den Hinweis auf Olaf Däter.
Hätte Martha Neubauer nicht überlebt, dann wäre einer der schlimmsten Verbrecher der Kriminalgeschichte vielleicht ungestraft davongekommen – weil niemand außer ihm selbst von seinen Verbrechen gewusst hätte.
Ein Radio-Bremen-Film von Dirk Blumenthal.
"Wenn auf dem Grab jedes Mordopfers eine Kerze brennen würde, dann wären die Friedhöfe nachts hell erleuchtet.“
"Wenn auf dem Grab jedes Mordopfers eine Kerze brennen würde, dann wären die Friedhöfe nachts hell erleuchtet.“ Den Satz hört man immer mal wieder von dem einen oder anderen Kriminalkommissar, Staatsanwalt oder Gerichtsmediziner. Kaum einer, der nicht Polizist oder Jurist oder Mediziner ist, glaubt, dass da wirklich was dran sein könnte. Schließlich ist die Aufklärungsquote nirgends höher als bei Mord und Totschlag.
Nur setzt allein der Versuch, ein Verbrechen aufzuklären, das Wissen oder wenigstens den Verdacht voraus, dass überhaupt ein Verbrechen passiert ist. Der viel zitierte "perfekte Mord“ ist also vorzugsweise einer, von dem keiner etwas weiß außer dem Mörder. Gäbe es davon viele, dann könnte die Behauptung über die Gräber und die Kerzen wahr sein. Und tatsächlich sind rechtsmedizinisch so genannte "Dunkelfelduntersuchungen“ zu dem Ergebnis gekommen, dass mindestens jedes dritte Tötungsdelikt in Deutschland nicht entdeckt wird.
Info: Produktionen
![TV-Kamera im RBTV-Studio [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Ruholl] TV-Kamera im RBTV-Studio [Quelle: Radio Bremen, Sebastian Ruholl]](/fernsehen/produktionen/kamera104_v-mediateaser.jpg)
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