1. April 2011, 14:15 Uhr | EinsFestival
Dokumentation
Es kann in der indonesischen Straße von Malakka passieren oder vor der Küste Nigerias – sogar im vermeintlich sicheren Hafen von Antwerpen kann es die Schiffsbesatzung erwischen: Im hart umkämpften maritimen Markt ist es mit dem Freibeuter-Mythos nicht weit her. Für die Seeleute gibt es den verwegenen "roten Korsaren" höchstens als romantische Legende oder im Kino.
Hafen Hong Kong - einer der größten Häfen der Welt
Die Gefahr ist handfest, wenn auch nur schwer greifbar: Martina Platte von der Bremer Seemannsmission im Hafen von Hongkong betreut Kapitäne und Seeleute, die von Piraten überfallen wurden. Manche haben nur ein paar Dollar herausgeben müssen, andere sind knapp mit dem Leben davon gekommen.
Der Film begleitet die Diakonin durch einen der größten Häfen der Welt, in dem die Schiffe sich für ihre Fahrt durch eine der ehemals gefährlichsten Wasserstraßen der Welt rüsten – die Straße von Malakka. Doch was früher die Gewässer Asiens waren, ist heute Afrika: Seit bald zwei Jahren richten sich alle Augen auf den Golf von Aden, genauer auf Somalia – ein rechtloser Staat, an dessen Küste Piraterie zum lukrativen Markt geworden ist. Junge Männer in Speedbooten, die Containerfrachter und sogar Öltanker innerhalb weniger Minuten in ihre Gewalt bringen. Erpresst werden Lösegelder in Millionenhöhe, der Löwenanteil geht an Hintermänner im Ausland. Oder wird zum Aufrüsten rivalisierender Clans innerhalb Somalias genutzt. Die Wege des Geldes sind kaum nachzuvollziehen, niemand weiß genau, wer vom Terror am Golf von Aden wirklich profitiert – und wer es schafft, Militärs aus der ganzen Welt auf ihren Kriegsschiffen an der Nase herum zu führen.
Und wie überleben die Seeleute, die dort überfallen werden: zwischen berauschten Piraten und hartleibigen Reedern, die in Zeiten knapper Kassen, um das Lösegeld feilschen? Im Frühjahr 2009 kapern Seeräuber 700 Seemeilen von der somalischen Küste entfernt das deutsche Containerschiff "Hansa Stavanger". Vier Monate sind der deutsch-polnische Kapitän Krzysztof Kotiuk und seine Besatzung in der Hand ihrer Entführer – ein Alptraum, der zur schlimmsten Zeit in seinem Leben wurde, wie er uns heute, ein halbes Jahr nach der Befreiung, in seiner Münchner Wohnung unter Tränen erzählt.
Aber nicht nur für die Besatzung eines Frachtschiffes bedeutet das ein Leben in Todesangst – auch für die betroffene Reederei ist eine Entführung eine Extremsituation. Wie bekommt man Kontakt zu den Geiselnehmern und findet heraus, wie es der Crew geht? Wie verhandelt man mit Gangstern und wie sieht überhaupt eine Lösegeld-Übergabe auf hoher – und noch dazu stürmischer – See aus?
Um der Piraterie Einhalt zu gebieten, patroullieren Kriegsschiffe aus so unterschiedlichen Ländern wie Russland, Iran und den USA im gefährlichen Seegebiet. Oft nebeneinander anstatt miteinander.
Globale Dissonanzen bestimmen auch die unterschiedlichen Bündnisse auf See. Die EU hat Ende 2008 die Mission "Atalanta" ins Leben gerufen – doch die Angriffe und Entführungen gehen weiter. Für die Soldaten oft kaum zu unterscheiden: Sind die Männer in ihren Skiffs nun Piraten oder einfache Fischer? Wen filzt man, wen lässt man laufen? In einem Operationsgebiet so groß wie Westeuropa kann nicht jeder Kutter kontrolliert werden.
Wenn eine Fregatte einen Notruf erhält, ist sie oft viele Seemeilen von dem bedrohten Schiff entfernt. Wie sie in diesem Spannungsfeld agieren, lässt sich auf der Fregatte "Augsburg" beobachten: Nicht nur die Manöver, auch wie die Soldaten und Soldatinnen mit den Unwägbarkeiten ihres Jobs umgehen. Denn eigentlich hat die "Augsburg" in der Operation "Enduring Freedom" die Terrorbekämpfung zum Ziel, doch auch sie kommt um das Thema Piraten nicht herum. Für die Besatzung heißt das: Jede Minute alarmbereit, tausende Kilometer von zu hause entfernt, sechs Monate mit 200 anderen Menschen auf 130 Meter Schiff.
Nach zwölfmonatigem Werben und mehreren erfolglosen Flügen nach Dschibuti ist es dem Team des Films am Ende gelungen, auf eine Fregatte der deutschen Marine zu kommen und sechs Tage mit der Mannschaft durch die Golfregion zu fahren. Hautnah erzählt der Film, wie junge Soldaten der Gefahr von Piraten begegnen – und wie einer Handvoll Piraten am Ende doch noch der Prozess gemacht wird.
Ein Film von Julia Kammigan und André Schäfer.
Info: Produktionen
![TV-Kamera im RBTV-Studio [Quelle: Radio Bremen, Fotograf: Sebastian Ruholl] TV-Kamera im RBTV-Studio [Quelle: Radio Bremen, Fotograf: Sebastian Ruholl]](/fernsehen/produktionen/kamera104_v-mediateaser.jpg)
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