5. November 2009, 14:15 Uhr | EinsFestival
Unter deutschen Dächern
Wie kein anderes Viertel in Deutschland wurde der Prenzlauer Berg in den vergangenen 20 Jahren umgekrempelt. Aus dem ehemaligen Arbeiterviertel im Berliner Osten ist ein boomender Kiez geworden. Nach der Wende wurde der Prenzlauer Berg zu Europas größtem Sanierungsgebiet: verfallene Altbauten wurden mit vielen Steuergeldern in wenigen Jahren in schick renovierte Fassaden verwandelt. Nirgendwo verlief der Aufbau Ost schneller und drastischer. Innerhalb weniger Jahre wurde die Bevölkerung fast komplett ausgetauscht. Junge Studenten aus dem Westen verdrängten die alten Bewohner, seitdem ist es schick hier zu wohnen. Doch das hat seinen Preis: mit der Sanierung stiegen die Mieten, es folgten teure Läden und zahllose Straßencafés für die neue Schickeria.
Ärzte, Architekten, Anwälte, Künstler und Medienleute leben jetzt hier. Junge, dynamische Besserverdiener prägen einen Stadtteil, in dem es keinen Schmutz, keine Schmierereien und keine Schnorrer gibt. Die Homogenität der Bevölkerungsstruktur ist extrem. Wer hier lebt, ist zwischen 25 und 45 Jahren alt, viele haben zwei oder drei Kinder. Trotzdem wollen diese jungen Familien in der Stadt bleiben. Für sie ist das alte westdeutsche Modell mit dem Häuschen im Grünen und der Ehefrau, die sich um die Kinder kümmert, eine Horrorvorstellung. Die neue Elite vom Prenzlauer Berg hat aufgeräumt mit den alten Rollenklischees: Frauen machen Karriere, Männer kümmern sich um die Kinder.
Und so sonnt man sich in dem Gefühl, die Zukunft zu repräsentieren und alles richtig zu machen: man versteht sich als modern, multikulturell, politisch engagiert und aufgeklärt linksalternativ. Hier ist alles Bio, 50 Prozent Wählerstimmen gehen an die Grünen und natürlich fährt man mit dem Fahrrad. An allen Ecken des Viertels sprießen seltsame Läden und kuriose Angebote. Ein Humus, der ständig neue Trends produziert. Das Leben am Prenzlauer Berg: für die einen eitle Selbstinszenierung, für die anderen ein Versuchslabor für eine neue urbane Gesellschaft.
Das Ehepaar Kauz lebt seit über 50 Jahren am Kollwitzplatz. Sie sind "die letzten Mohikaner" ihrer Generation.
Die Dokumentation erzählt vom Leben im Bezirk. Der Radio-Bremen-Autor Kristian Kähler begleitet verschiedene Bewohner in ihrem Alltag: einen Immobilienmakler, eine junge Familie bei einem Baugruppenprojekt, ausländische Sprachstudenten, einen Pianisten, einen prominenten Schauspieler und seine Freundin, die einen Wellnesstempel eröffnet, eine Pfarrerin oder das Ehepaar Kauz, das seit über 50 Jahren am Kollwitzplatz wohnt.
Ein Film von Kristian Kähler.
Info: Produktionen
![TV-Kamera im RBTV-Studio [Quelle: Radio Bremen, Fotograf: Sebastian Ruholl] TV-Kamera im RBTV-Studio [Quelle: Radio Bremen, Fotograf: Sebastian Ruholl]](/fernsehen/produktionen/kamera104_v-mediateaser.jpg)
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