7. Januar 2012, 18:45 Uhr | RB TV
Die Reportage
Für Christa Karnstedt war Aspirin immer ein harmloses, wohltuendes Hausmittel, das sie ab und zu einnahm. Bis zu dem Tag, als sie plötzlich mit einem blutenden Magengeschwür ins Krankenhaus kam. Ein Drittel ihres Blutes hatte die 64-Jährige da bereits verloren und brauchte eine Transfusion. Was sie nicht wusste: Aspirin ist, wie auch andere Schmerzmittel (Ibuprofen, Diclofenac, Paracetamol), ein Medikament, das erhebliche Nebenwirkungen haben kann.
Täglich werden in norddeutschen Kliniken Menschen mit blutenden Magengeschwüren oder sogar Durchbrüchen eingeliefert, die durch den Wirkstoff Acetylsalicylsäure, der in Aspirin enthalten ist, ausgelöst werden. Experten schätzen die Todesfälle auf über 1.000 pro Jahr.
Aspirin ist das bekannteste Schmerzmittel auf der Welt. 776 Millionen Euro setzt der Bayer-Konzern jährlich damit um. Es ist einfach herzustellen oder zu kopieren, viele Menschen wenden es nach einer durchzechten Nacht oder bei leichtem Unwohlsein an oder bekämpfen lästige Dauerschmerzen damit.
Wird das Schmerzmittel zu leichtfertig genommen und werden die Nebenwirkungen unterschätzt? Es ist frei verkäuflich in den Apotheken, man braucht kein Rezept dafür und kann daher so viel davon nehmen, wie man will.
Dr. med. Friedrich Hagenmüller, Professor für Gastroenterologie in Hamburg, fordert: Aspirin muss als Schmerzmittel vom Markt genommen werden. Dr. Uwe Gessner, Wissenschaftler beim Pharmakonzern Bayer, hält dagegen: Die Kunden wüssten sehr genau, wie sie mit Aspirin umgehen müssten.
Unbestritten ist, dass die blutverdünnende Wirkung von Aspirin in niedriger Dosierung für Herzinfarkt- und Schlaganfallpatienten lebensrettend ist. Jetzt steht sogar zur Diskussion, Aspirin bereits vorbeugend gegen Herzinfarkt und sogar Darmkrebs einzusetzen.
Erstausstrahlung: November 2011 | RB TV und NDR/RB
Info: Die Reportage
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