1. Dezember 2012, 18:45 Uhr | RB TV
Die Reportage
Patienten kommen nach Operationen immer früher aus dem Krankenhaus. Manche werden bereits nach Hause entlassen, obwohl die Wunden noch nicht verheilt sind oder sie sich nicht alleine versorgen können. Von "Blutiger Entlassung" sprechen Kritiker. Je früher die Kliniken die Patienten entlassen, desto mehr Kosten können sie sparen. Bleibt die Gesundheit der Patienten dabei auf der Strecke?
Patrick G. mit offener Wunde nach 5 Tagen.
Patrick G. hatte einen Nabelbruch, der sich nach der Behandlung entzündete. Fünf Tage nach der Operation wurde er mit einer großen offenen Wunde am Bauch aus der Klinik nach Hause entlassen. Er sollte viel liegen und die Wunde täglich von niedergelassenen Ärzten versorgen lassen. Der 39-Jährige lief von Arzt zu Arzt, bis er jemanden fand, der in der Lage und bereit war, die weitere Versorgung zu übernehmen. Patrick G. fühlt sich im Stich gelassen. Die Hausärzte hingegen beklagen, dass sie durch die frühzeitigen Entlassungen jetzt Behandlungen übernehmen müssen, die früher in den Bereich der Krankenhausärzte fielen. Hilflose, alleinstehende Patienten müssen sie zu Hause besuchen, um Wunden zu versorgen und Spritzen zu geben. Mehr Geld erhalten sie für die zusätzlichen Leistungen jedoch nicht.
Die Krankenhäuser hingegen sparen, wenn sie früh entlassen. Denn seit Einführung der sogenannten Fallpauschalen in den Kliniken 2003 zahlen die Krankenkassen für jeden Patienten je nach Ausgangsdiagnose eine feste Summe, egal wie lange der Patient in der Klinik bleibt. Frühe Entlassungen sind deshalb gut für die Bilanz der Klinik. Dadurch stehen die Ärzte unter Druck: Sie sollen ihre Patienten möglichst schnell nach der Operation nach Hause oder in eine Rehabilitations-Klinik schicken. Dabei gibt es jedoch besonders unerwünschte Patienten, wie zum Beispiel den Unfallpatienten Christian K., die in eine Versorgungslücke fallen. Mit ihm macht die Klinik ein Minusgeschäft, weil er zu lange braucht, um nach vier Operationen fit zu werden. Seine Pauschale reicht nicht.
Chirurgen und auch Rehabilitations-Ärzte befürchten, dass die Qualität der Behandlung durch das Fallpauschalen-System in manchen Fällen auf der Strecke bleibt. Wenn Patienten in die Rehabilitations-Einrichtungen kommen, geht es etwa 40 Prozent von ihnen in der ersten Woche noch zu schlecht, um mit der Therapie beginnen zu können. Den Einrichtungen fehlt das Personal für eine intensive medizinische Betreuung. Auch Gerd F. war nach seiner Knieoperation anfangs nicht in der Lage, an der Krankengymnastik der Reha-Einrichtung teilzunehmen und saß nur im Rollstuhl. Der 68-Jährige fühlt sich aus dem Krankenhaus abgeschoben.
Elsbeth Rütten bei der Beratung
Um Menschen, die nach einem Krankenhausaufenthalt nicht alleine zurechtkommen, zu helfen, gründete die Bremerin Elsbeth Rütten den Verein "Ambulante Versorgunglücken". Sie gibt Patienten und Angehörigen Tipps, vermittelt Pflegedienste, berät bei der Finanzierung und verfasste einen Leitfaden für praktische Hilfe vor und nach der Operation.
Recherchen in Krankenhäusern, Rehabilitations-Einrichtungen und bei Hausärzten haben gezeigt, welche Auswirkungen das Fallpauschalen-System für die Patienten hat. Die Dokumentation "45 Minuten - Krank aus der Klinik", zeigt die Schwachstellen des Gesundheitssystem durch die Fallpauschalen. Wenn Patienten pauschalisiert werden und der wirtschaftliche Anreiz für eine Behandlung größer ist als der qualitative, ist am Ende der Kranke der Leidtragende.
Erstausstrahlung: 15.Oktober 2012 | RB TV und NDR/RB
Info: Die Reportage
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