3. Oktober 2011, 18:45 Uhr | RB TV
Die Reportage
Der Blick auf den Reichstag über die Spree hinweg.
Das Reichstagsgebäude in Berlin ist ein nationales Symbol. Seine Geschichte erzählt vom Verhältnis der Deutschen zur Demokratie. Das Reichstagsgebäude hat ein kompliziertes Innenleben und die Spuren seiner Geschichte findet man an vielen Stellen. Der Bau ist über unterirdische Gänge mit seiner Nachbarschaft verbunden.
Als das Haus im Kaiserreich 1884 gebaut wurde, hatte das Parlament noch nicht allzuviel zu sagen. Erst 1916 wurde die Inschrift "Dem Deutschen Volke" über dem Portal angebracht – als der Kaiser sein Volk für die Fortsetzung des Ersten Weltkriegs benötigte. 1918 rief der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann von einem Balkon des Reichstages die Republik aus. Doch die Weimarer Republik war immer bedroht, auch aus dem Parlament heraus.
Am 27. Februar 1933, ein Monat nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten, brannte das Gebäude. Darüber, wer den Brand gelegt hatte, kursierten sofort Gerücht. Die Nationalsozialisten nutzten den Brand aus und setzten mit der "Reichstagsbrandverordnung" wesentliche Grundrechte außer Kraft.
Im Zweiten Weltkrieg galt ausgerechnet (und zu Unrecht) der Reichstag den Soldaten der Roten Armee als das "Herz der faschistischen Bestie". In den letzten Kriegstagen entspann sich ein erbitterter Kampf um das Gebäude. Die Bilder vom Hissen der Roten Fahne auf dem Reichstag gingen um die Welt. Dann lag das Haus lange Jahre als Ruine an der Berliner Sektorengrenze, nur wenige Meter von Ostberlin entfernt. Es wurde zur Kulisse riesiger Kundgebungen – gegen die Blockade und den Mauerbau.
Erst in den 1960er Jahren begann der Wiederaufbau. Schulklassen besuchten die Ausstellung im Reichstagsbau, und wenn mal wieder ein Bundestagsausschuss eine Sitzung dort abhielt, wurde dies von lautstarken Protesten und Schikanen der DDR begleitet. Nach der Wiedervereinigung lag das Gebäude nicht mehr am Rand. 1998 wurde es wieder zu dem Ort, an dem die Politik gemacht wird – und es wurde zum Symbol der "Berliner Demokratie".
Die wechselvolle Geschichte der deutschen Demokratie aber ist spürbar, die Vergangenheit ist neben der alltäglichen parlamentarischen Arbeit im Reichstagsgebäude immer gegenwärtig.
Erstausstrahlung: 3. Oktober 2010 | Das Erste
Info: Die Reportage
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