Tatort - Der illegale Tod
Der Tatort "Der illegale Tod" ist ein ungewöhnlicher Krimi mit einem politisch brisanten Hintergrund. Für das Ermittlerduo Inga Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen) eine große Herausforderung. Auch für die anderen Schauspieler war der Film inhaltlich und spielerisch interessant. Ulrike C. Tscharre spielte Elena Janson, eine leitende Beamte bei der Wasserschutzpolizei, und Daniel Lommatzsch war im Film ihr Polizeikollege Klaus Kastner.
Welche Verantwortung tragen Funktionsträger, Einsatzkräfte und wir alle beim Schicksal von Flüchtlingen? Wir haben mit einigen Schauspielern über ihre Rollen und das Thema des Films gesprochen.
Radio Bremen Online: Was war für Sie aus schauspielerischer Sicht die größte Herausforderung?
Sabine Postel: Unter anderem eine heftige Ohrfeige an der richtigen Stelle, die aber eigentlich nur zufällig passieren sollte.
Oliver Mommsen: Es war ein echter Spaß, Stedefreund mal so richtig abstürzen zu lassen. So durfte er noch nie sein, und das ist für mich, der den Knaben mittlerweile ja auch schon paar Jährchen kennt, sehr spannend herauszufinden, wie er drauf ist, wenn ihm die Dinge völlig entgleiten. Aber es kann ganz schnell peinlich werden, wenn Typen nur noch rumgrölen, sich die Arme aufschneiden und in Tequila baden. Deshalb hieß es für mich: Nicht zu sehr auf die Tube drücken.
Ulrike C. Tscharre: Die wahrscheinlich größte Herausforderung bestand für mich darin, dem Zuschauer eine Frau nahe zu bringen, die sich plötzlich in einer Situation wiederfindet, die sie selbst nicht verschuldet hat. Aber je mehr ich mich mit dem Buch und der Figur beschäftigte, um so mehr trat dieses "Eine Frau in einer klassischen Männerposition"-Motiv in den Hintergrund und ich konzentrierte mich darauf, eine Frau zu verstehen, die unter allen Umständen verhindern will, dass ihr bisheriges Leben zerbricht.
Daniel Lommatzsch: Meine Figur bewegt sich von Anfang an auf einem sehr hohen emotionalen Niveau. Oder anders gesagt: Der Zuschauer lernt die Figur Kastner kennen, als für ihn schon nichts mehr normal ist. Diese emotionalen Extreme, in denen sich die Figur permanent befindet, waren erstmal schauspielerisch eine Herausforderung. Diese extremen Sprünge von Panik, Erschöpfung aber auch Selbstmitleid.
Radio Bremen Online: Der Fall selbst ist diesmal sehr politisch: Es geht um Flucht und illegale Einwanderung. Wie haben Sie auf das Thema reagiert, als Sie das Drehbuch von "Der illegale Tod" erstmals gelesen haben?
Oliver Mommsen: Als ich gehört habe, dass die erste Szene des Bremer Tatorts in Afrika spielen wird – es war dann Bremerhaven, das als afrikanische Küste verkauft wurde – hab ich mich diebisch gefreut. Der kleine Sender Radio Bremen traut sich also wieder in die große weite Welt! Ansonsten wurde mir bei der Vorbereitung klar, wie absurd unsere Einwanderungsgesetze sind. Wie bitte soll zum Beispiel ein Mensch jemals zur Ruhe kommen und ein normales Leben führen, der nach sechs Jahren "Duldung" immer noch jede Sekunde damit rechnen muss, abgeschoben zu werden?
Sabine Postel: Als wir den Film vor etwa einem halben Jahr produzierten, wusste kaum jemand, was sich hinter "Frontex" verbirgt. Inzwischen sind wir auf schreckliche Weise von der Realität eingeholt worden. Tausende Flüchtlinge aus den afrikanischen Ländern stranden derzeit in Lampedusa und nicht nur Italien reagiert hilflos. Auch die anderen Europäer wollen mit diesem Problem möglichst wenig zu tun haben. Aber wir können nicht mehr die Augen davor verschließen, dass tausende Menschen vor ihrem Regime oder der Hoffnungslosigkeit in ihren Ländern unter Einsatz ihres Lebens nach Europa flüchten. Die europäischen Soldaten werden immer mehr gezwungen sein, unsere Grenzen zu verteidigen. Dass es dabei – wie in unserem Film – zu Problemen kommt, ist unvermeidlich.
Ulrike C. Tscharre: Sehr besonders am Tatort "Der illegale Tod" fand ich, dass der Ausgangspunkt nicht der klassische Mord aus Habgier oder Rache ist, sondern die Tat von einer schuldhaften Verstrickung aller Beteiligten ohne böse Absicht ausgelöst wird. Das Dilemma der Beteiligten ist ein moralisches. Aber eigentlich ein politisches. Und dieses Dilemma wird ins Private getragen und dort verhandelt.
Daniel Lommatzsch: Der erste Eindruck war der von einem emotional komplett überforderten Menschen. Das war für mich als Schauspieler auf Anhieb spannend. Mich hat erstmal die Frage interessiert: Was ist das für ein Gefühl, mit einem Geheimnis zu leben und damit nicht mehr klarzukommen?
Die Interviews führte Anna Tollkötter.
Info: Tatort
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