Musikkolumne
Rockstars leben gefährlich: Sie kommen bei Flugzeugabstürzen ums Leben; sie haben öfter als Normalsterbliche mit Drogen aller Art zu kämpfen. Aber nur ganz selten werden sie Opfer eines Gewaltverbrechens – so wie Peter Tosh vor 25 Jahren . Der jamaikanische Reggaestar wurde in seinem eigenen Haus in Kingston erschossen. Nur wenige Jahre nach Bob Marley starb mit Peter Tosh die zweite Ikone des klassischen Reggae. Funkhaus-Europa-Musikredakteur Joachim Deicke erinnert an den kompromisslosen und engagierten Musiker.
Peter Tosh
Kingston, Jamaika, 11. September 1987: Peter Tosh und zwei seiner Gäste werden im Haus des Reggaestars erschossen. Nur einer der Täter kann gestellt und verurteilt werden.
Mit dem Song "Stepping Razor" holte sich Peter Tosh in den 70ern seinen Spitznamen: Er war die "Wandelnde Rasierklinge": Bei den Wailers war er zehn Jahre lang der Gegenpart von Bob Marley: Kantig, unbequem und politischer, als seine Mitstreiter. Peter Tosh schrieb den Wailers die ersten Rebellensongs:
Peter Tosh: Prediger, Botschafter, schlaksiger Rastafarian mit standesgemäßen Dreadlocks: Afrika ist die wahre Heimat aller Schwarzen; Europa ist das "Babylon Shitstem". Und die heilige Pflicht eine Rastas ist es, Marihuana zu rauchen.
Zehn Jahre lang hatte Peter Tosh seinen Kollegen bei den Wailers alles beigebracht, was er über Musik wusste. 1973 stieg er aus, gerade als die ersten internationalen Erfolge kamen. Für ihn: Zu viele Kompromisse:
Bob Marley wollte "One Love" - alle sollten sich gern haben. Für Peter Tosh blieben die Weißen immer die Unterdrücker.
Peter Tosh wollte nicht das Leben eines Superstars führen. Keine Bodyguards; keine militärisch gesicherte Villa in einem der besseren Viertel. Er half den Leuten in der Nachbarschaft - so wie "Leppo" Lobban, der gerade aus dem Knast entlassen worden war. Tosh hatte ihm einen Job besorgt. Lobban war der einzige der drei Täter, der gefasst werden konnte.
Kingston war härter als andere karibische Großstädte. Es gab mehr Waffen; mehr kleinliche, nervöse Gewaltverbrechen. Aber warum einen Reggaestar wie Peter Tosh erschießen, wenn klar war, dass er wirklich kein Geld im Haus hatte?
Es war eine selten-sinnlose Tat. Und so blühen – bis heute – die Verschwörungstheorien. Tosh hätte sich mit dem mafiös organisierten Musikbusiness Jamaikas angelegt; die Regierung hätte seine Ermordung in Auftrag gegeben; er wollte Dinge in Umlauf bringen, die einen Aufruhr provoziert hätten.
Im Oktober, 25 Jahre nach seinem Tod, wird dem Reggae-Rebellen posthum der höchste jamaikanische Orden verliehen. Es hat lange gedauert.
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