Reggaetoneros
Der Latino-Hip-Hop Reggaeton ist zum Sound vieler junger Mexikaner aus den armen Vierteln geworden, er verbindet für sie Musik, Tanz und Lebensstil. Mexikanische Zeitungen behaupten, Reggaetoneros sind kriminell, drogensüchtig und versetzen inzwischen ganze Stadtviertel in Angst. Martin Polansky war vor Ort.
Schon am Nachmittag kommen tausende mexikanischer Teenies zu Reggaetonero-Partys in die Discos und tanzen den Perreo. Die meisten zwischen 15 und 25. Aber auch zwölfjährige wurden schon gesichtet, sagt Daniel Barron alias DJ Bulbo. Perreo, das kommt von Hund. Und so sieht es denn auch aus. Die ganz Jungen aus den ziemlich armen Vierteln von Mexikos Hauptstadt sind ganz heiß auf diesen Tanz, den andere als obszön abtun. Reggaetonero-Partys sind seit ein, zwei Jahren das Ding. DJ Bulbo legt regelmäßig auf.
DJ Bulbo in Aktion
Reggaeton, der Latino-Hip-Hop, entstand in den neunziger Jahren in Panama und Puerto Rico. Die bekanntesten Musiker wie Daddy Yankee oder Calle 13 kommen von der Karibikinsel. Es dauerte einige Zeit, bis Reggaeton auch zum Sound der mexikanischen Barrios wurde. Aber nun ist er es unüberhörbar – und auch unübersehbar.
Die jungen Reggaetoneros werfen sich Bleichmittel ins schwarze Haar, tragen hautenge Jeans, große Basecaps und Markenklamotten, die meist keine sind. Denn Geld hat hier eigentlich niemand.
Reggaeton, das ist Naco, wie die Mexikaner sagen, das bedeutet soviel wie Asi oder Proll. Die Kinder aus den besseren Vierteln rümpfen darüber nur die Nase. Dazu möchte man nicht gehören: Zu dieser typischen Ghetto-Mischung aus Drogen, Klein-Kriminalität und Jungmacker-Gehabe mit den dazugehörigen Frauen.
Warten vor der Disco
Als Krawallmacher gelten die Reggaetoneros für manchen, weil ab und zu die Polizei anrückt, wenn Partys wegen Überfüllung aus dem Ruder laufen. Auch ein U-Bahnhof in Mexiko ist schon zu Bruch gegangen. Aber eigentlich sind es harmlose Kinder, findet DJ Bulbo. Beim Perreo sind die Reggaetoneros ganz unter sich – und freuen sich, dass die anderen nur die Nase rümpfen oder entsetzt wegschauen.
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