Just music
Am 11. Mai jährte sich der Todestag von Reggae-Legende Bob Marley – und am 17. Mai kommt "Marley" in unsere Kinos – ein Dokumentarfilm von Oscar-Preisträger Kevin MacDonald: Auch gedacht als ein Beitrag zum 50. Unabhängigkeitstag der Reggae-Insel Jamaika, der im Sommer gefeiert wird.
Gar keine Frage: Bob Marley ist der berühmteste Jamaikaner: Er hat der Karibikinsel ein Gesicht gegeben und einen Rhythmus aufgedrückt, der inzwischen auf der ganzen Welt gespielt wird. Mit diesem aufwändig produzierten Film wird Marley wohl noch ein wenig mehr zur Lichtgestalt.
Joachim Deicke geht diesmal der kniffligen Frage nach: Wie groß war Bob Marley wirklich?
Zu Lebzeiten war Bob Marley 1,68 groß. Aber seit seinem Tod 1981 ist er von Jahr zu Jahr gewachsen: Der erste Rockstar aus der dritten Welt. Der einzige Superstar der Karibik. Der Erfinder des Reggae.
Nichts gegen Mr. Bobby. Aber ein paar Kirchen sollte man doch mal im Dorf lassen. Marley kam Jahre, nachdem die ersten Jamaikaner die Charts der Welt erobert hatten. Den Anfang machte Millie 1964:
Dann brachten Jimmy Cliff und Desmond Dekker den Reggae in die Charts:
Der erste Rasta, der seine Hits hatte, war Little Roy, Ende der 60er.
Erst vier Jahre später erschien das erste internationale Album von Bob Marley und seinen Wailers. Der Roots-Rock-Reggae-Zug war damals schon längst unterwegs; Marley und seine Wailers hatten einfach nur das Glück, einen Plattenvertrag in England zu bekommen, der ihnen technische Möglichkeiten öffnete, die es in den Hinterhof-Studios in Kingston nicht gab.
Gar keine Frage: Marley war gut. Hatte Charisma. Was Rebellisches, Erfrischendes, neues. Und das Glück, dass seine Songs schnell von etablierten Stars wie Eric Clapton gecovert wurden:
Marley sang von Armut, Ungerechtigkeit und Unterdrückung - und als asketischer Jamaikaner war er glaubwürdiger als selbsternannte Klassenkämpfer mit Hochschulabschluss.
Und er war bekennender Kiffer. Aus religiösen Gründen. Das musste ihn einfach zum Helden aller Hippies in Europa und Nordamerika machen. Mit tränenden Augen blickten sie auf die riesigen Joints, mit denen sich Marley und seine Mitstreiter ablichten ließen und sangen sehnsuchtsvoll mit...
Die Generation Wasserpfeife wäre am liebsten sofort Rasta geworden: Dreadlocks tragen, „Irie" rufen, Reggae hören und hinter Rauchschwaden verschwinden: dafür stand Bob Marley – jedenfalls in Europa. Die ganze Rasta-Far-I-Religion ist allerdings erheblich komplizierter, und ist wirklich nichts für uns, sondern wirklich nur für die Nachkommen afrikanischer Sklaven in der neuen Welt.
Bob Marleys Verdienste für die Musik: Unbestritten. Seine Rolle als Idol, als Hoffnungsträger in der Karibik und in Afrika: Epochal. Aber Bob Marley war nicht der Reggae; er war nur derjenige, der ihn bekannt gemacht.
14. Mai 2012
Just Music!
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Don't Panic - it's just music! Und die Musik - die beißt nicht, die will doch nur spielen! Die schlechtesten Aufnahmen aller Zeiten, die schönsten Liebeserklärungen ans Fahrrad; die Songs des arabischen Frühlings; die wildesten Trends, die schrägsten Vögel: Joachim Deicke nimmt sie sich in seiner wöchentlichen Musikkolumne vor. Globale Stile, gerissenes Marketing, spektakuläre Events, skurrile Instrumente: Alles ist Thema. Alles ist ... just Music!
... jeden Freitag in Funkhaus Europa.
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