Just Music
"Bollywood macht glücklich!" ein Motto, an dem was dran ist. Besonders jetzt, wo Bollywood 100-jähriges Jubiläum feiert. In Indiens Kino-Metropole werden nicht nur Filme produziert, sondern auch die ganz großen Gefühle, dazu Gesang und Tanz von Folklore bis House. Joachim Deicke stellt vor.
Am 03. Mai 1913 kam der erste indische Stummfilm ins Kino. Wirklich nur in ein Kino. Mehr als eine Kopie gab es nicht von "Raja Harishchandra". Mit einheimischen Schauspielern, einem einheimischen Regisseur - und auch ein Film vor dem Hintergrund indischer Geschichte, Kultur und Mythologie. Und dabei blieb es. Heute entstehen jährlich anderthalbtausend Bollywood-Filme und sie unterscheiden sich deutlich von allem, was in Europa oder Nordamerika gedreht wird. Das verstärkte sich noch, als 1931 endlich der Ton zum indischen Film kam. Kaum hingen die ersten Mikrofone über dem Set, wurde auch schon getanzt und gesungen.
So klang's 1931 im zweiten indischen Tonfilm. Die einzige Kopie des ersten ist vor ein paar Jahren bei einem Brand im Nationalen Filmarchiv zerstört worden. Ein ganz bitterer Verlust, aber immerhin: Man weiß, dass Indiens erster Tonfilm bereits acht Songs enthielt. Im zweiten waren es schon 40. Und der dritte indische Tonfilm lieferte nicht weniger als 69 verschiedene Songs und Melodien: Eine Mischung aus Nummernrevue und Operette.
Indiens Filmindustrie hatte Anfang der 30er Jahre schon längst ihre Superstars und Diven. Aber damals trennte sich die Spreu vom Weizen: Wer nicht singen konnte, hatte schlechte Karten.
"Bollywood" gab's damals noch nicht; stattdessen tauchte 1932 zum ersten mal der Begriff "Tollywood" auf: In "Tollygunge" einem Vorort von Kalkutta entstanden die ersten großen Studios. Dort war der bengalische Film zu Hause. Bombay 'heute Mumbai', dagegen entwickelte sich erst später zum Zentrum der Hindi-Filmindustrie. Andere Sprache, andere Kultur, andere Musik.
Und es ging ja, bis zum Ende der britischen Kolonialzeit nicht nur um das heutige Indien: Auch Pakistan und Bangla Desh mit überwiegend muslimischer Bevölkerung, gehörten bis 1947 zur britisch-indischen Megakolonie. Und die war absolut Kino und Musik begeistert.
Aber egal ob bengalischer, tamilischer, Panjabi- oder Hindi-Film: Mit den Vorlagen der britischen Kolonialherren wollte man nichts zu tun haben. Indische Filme folgen seit hundert Jahren ihren eigenen Regeln: Folkloristisch, melodramatisch, voll mit großen Gefühlen, Tanz und Musik.
Was den indischen Film wirklich veränderte, war die Erfindung des Playback in den 40er Jahren: Unmusikalische Schauspieler, wurden nun einfach von gestandenen Sängern gedoubelt. Oder Sängerinnen so wie Asha Boshle, die über zehntausend Songs für alle möglichen Darstellerinnen aufnahm und damit selbst zum Superstar wurde.
Überraschenderweise öffnete sich Indiens Filmindustrie nach der Unabhängigkeit auch westlichen Musik-Trends: Aus den Filmmusiken der Sechziger und Siebziger Jahre sind Rock'n'Roll und Beat-Musik rauszuhören. In den Siebzigern wurde es fast psychedelisch, mit scheppernden Gitarren und Synthesizern.
Danach verliebte sich das Bollywood-Kino vor allem in die Disco-Musik und schreckt inzwischen auch nicht vor House, HipHop und Rap zurück. Anything Goes! Jede Woche laufen 30 neue Filme "Made in India" an, und – ohne Musik geht da gar nichts.
Das Audio:
Just Music: 100 Jahre Bollywood, [3:27]
Weitere Informationen:
100 Jahre Bollywood
Info: Just Music!
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Don't Panic - it's just music! Und die Musik - die beißt nicht, die will doch nur spielen! Die schlechtesten Aufnahmen aller Zeiten, die schönsten Liebeserklärungen ans Fahrrad; die Songs des arabischen Frühlings; die wildesten Trends, die schrägsten Vögel: Joachim Deicke nimmt sie sich in seiner wöchentlichen Musikkolumne vor. Globale Stile, gerissenes Marketing, spektakuläre Events, skurrile Instrumente: Alles ist Thema. Alles ist ... just Music!
... jeden Freitag in Funkhaus Europa.
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