Just Music
Die Beach Boys sind fast ebenso legendär wie die Beatles oder die Rolling Stones. Vor fünfzig Jahren haben die Jungs aus Kalifornien angefangen übers Surfen, über schnelle aufgemotzte Autos und über den amerikanischen Teenager-Alltag zu singen. Und ziemlich schnell haben sie dabei einen Stil gefunden, der bis heute einzigartig ist. Keine andere Band hat so vertrackte und gleichzeitig wohltuend-sonnige Gesangssätze hingekriegt. Ihre Songs wurden immer mehr zu Miniatur-Symphonien. Und nun, zu ihrem 50. Jubiläum, haben sich die Beach Boys noch mal zusammengerauft. Ein neues Album ist erschienen. Und sie sind auf Welt-Tournee: Am heutigen Freitag, 3. August, in Berlin und Samstag in Stuttgart, Sonntag in Mönchengladbach. Funkhaus-Europa-Musikredakteur Joachim Deicke ist für seine Musikkolumne mal mit aufs Surfbrett der Beach Boys geklettert.
Musikkolumne: 50 Jahre Beach Boys, [3:22]
Sie kamen vom Strand; sie konnten surfen, und sie waren nicht die amerikanische Antwort auf die Beatles, denn die Beach Boys waren schon in den Charts, als die Jungs aus Liverpool noch um ihren ersten Plattenvertrag kämpften. Aber auch schon vor 50 Jahren war bei den Beach Boys mehr drin, als unbeschwerter Rock'n'Roll mit Twang-Gitarre und Strandparty-Harmonien. Von Anfang an gab's Tiefgang, der an Herz und Seele ging. Keine fünf Jahre nach ihren ersten Surf-Hits hoben die Beach Boys – in jeder Hinsicht – ab. Ihre Musik wurde immer komplizierter.
Die Wilson-Brüder Brian, Dennis und Carl sowie ihr Cousin Mike Love und Schulfreund Al Jardine experimentierten mit neuester Studiotechnik, seltsamen Instrumenten, unglaublichen Gesangssätzen und mit Drogen. Sie haben es übertrieben, erzählte Brian Wilson später. Sie waren dermaßen breit, dass sie ihre Musik nicht mehr vollenden konnten. "Smile", das Album, das 1966 das Meisterwerk der Beach Boys werden sollte, wurde nie fertig. Mastermind Brian zog sich aus der Band zurück.
Aber auch danach landeten die Beach Boys ihre Hits, brachten Alben raus, die sich millionenfach verkauften, blieben die Ikonen US-amerikanischer Musik. Aber das verdankten sie vor allem ihren ersten zehn Jahren und ihrem genialen, aber auch unberechenbaren Chef Brian Wilson. Seit den 70er kam und ging Brian Wilson. Übernahm mal die Führung der Band, verschwand dann wieder in endlosen Therapien, widmete sich Solo-Projekten und überlies die Band schließlich Cousin Mike Love. Unter dem – so grummelte Brian später – verkamen die Beach Boys zu einer belanglosen Oldie-Band, die gerade noch als Gaststar in 'Baywatch' posieren durfte.
Und heute? 50 Jahre nach der High-School und den ersten Harmonien: Alles vergeben und vergessen. Die Beach Boys sind wieder zusammen auf Tour; sie haben ein neues Album gemacht und sogar einen Hit gelandet: "That's Why God Made The Radio".
Natürlich kann sich das nicht mit den Perlen der 60er messen. Natürlich ist das Nostalgie. Na und? Mike Love und Brian Wilson haben die 70 schon überschritten; sie müssen niemanden etwas beweisen. Sie haben Musikgeschichte geschrieben. Die Beach Boys waren – und sie sind – eine der größten Bands aller Zeiten. Und was die wiederauferstandene Truppe heute liefert hat immer noch eine Größe und Qualität, an die nur wenige rankommen.
Info: Just Music!
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Don't Panic - it's just music! Und die Musik - die beißt nicht, die will doch nur spielen! Die schlechtesten Aufnahmen aller Zeiten, die schönsten Liebeserklärungen ans Fahrrad; die Songs des arabischen Frühlings; die wildesten Trends, die schrägsten Vögel: Joachim Deicke nimmt sie sich in seiner wöchentlichen Musikkolumne vor. Globale Stile, gerissenes Marketing, spektakuläre Events, skurrile Instrumente: Alles ist Thema. Alles ist ... just Music!
... jeden Freitag in Funkhaus Europa.
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