Just Music
Vor 50 Jahren, am 5. Oktober 1962, erschien "Love Me Do" – die erste Single der Beatles – und damit begann etwas, das wirklich alles auf den Kopf stellte: Die Musik, die Kleidung, die Haarschnitte, die Lautstärke der Schreie bei Konzerten, die Länge der Steuererklärungen britischer Musiker. Aber vor 50 Jahren ahnte noch niemand, was diese Jungs aus Liverpool da lostreten sollten. Funkhaus-Europa-Musikredaktuer Joachim Deicke nimmt uns in seiner heutigen Musikkolumne mit zurück in den Herbst 1962.
Die Nummer eins in den britischen Charts vor 50 Jahren; den ganzen Oktober lang: Eine galoppierende Gitarrennummer, inspiriert vom amerikanischen Satelliten "Telstar", der kurz zuvor ins Orbit geschossen worden war. Mit Telstar konnten zum ersten Mal Fernsehbilder ohne nennenswerte Verzögerung über den Atlantik geschickt werden. Wunder der Technik!
Im Herbst 1962 war auch der erste James-Bond-Film in die Kinos gekommen. Der Erz-Schurke Dr. No versuchte von der Karibik aus das amerikanische Raketenprogramm zu sabotieren. Bittere Ironie: Als der Film gerade angelaufen war, kam heraus, dass es tatsächlich eine Bedrohung aus der Karibik gab: Die Sowjets hatten Atomraketen vor der Haustür der USA stationiert – auf der Nachbarinsel Kuba.
Erst viel später begriff die Welt, dass sie während der Kuba-Krise im Oktober 1962 am Abgrund eines Atomkriegs gestanden hatte. Die Aufbruchstimmung der Fünfziger Jahre hatte sich in etwas Beklemmendes verwandelt. Der kalte Krieg hatte begonnen; die Welt wurde von Washington und Moskau aus bestimmt. Und das stolze Großbritannien leckte immer noch fassungslos seine Wunden.
Innerhalb von nur 20 Jahren hatte das Königreich fast alle seiner Kolonien verloren. Indien, Nigeria, Singapur, den Suez-Kanal, Trinidad und Jamaica. Großbritannien reduzierte sich auf eine verregnete Inselgruppe im Nordwesten Europas. Die fetten Jahre waren vorbei; neue Großprojekte – wie den 1962 beschlossenen Bau des Überschallflugzeugs Concorde – musste man sogar mit dem Erzrivalen Frankreich in Angriff nehmen.
Was die Musik betraf, war Britannien sowieso längst gewohnt, zweitklassig zu sein. Die USA hatten den Jazz, den Swing, den Blues und den Rock'n'Roll. England hatte die Nachahmer: Cliff Richard, Tommy Steele, Billy Fury:
Nichts, wirklich gar nichts deutete vor 50 Jahren darauf hin, dass der britische Beat wenig später die ganze Welt überrollen würde. Auch nicht die erste Single dieser Jungs aus der Provinzstadt Liverpool:
Nein! "Love Me Do" warf niemand aus den Stiefeln. Der Song landete auf Platz 17 der englischen Charts. Und das auch nur, weil Beatles-Manager Brian Epstein ein paar hundert Singles aus eigener Tasche bezahlte, um den Umsatz anzukurbel.
Die nächste Single der Beatles landete schon auf Platz zwei. Die dritte wurde Spitzenreiter und nach der vierten – "She Loves You" – gab es kein Halten mehr. Der Rest ist Geschichte.
Info: Just Music!
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Don't Panic - it's just music! Und die Musik - die beißt nicht, die will doch nur spielen! Die schlechtesten Aufnahmen aller Zeiten, die schönsten Liebeserklärungen ans Fahrrad; die Songs des arabischen Frühlings; die wildesten Trends, die schrägsten Vögel: Joachim Deicke nimmt sie sich in seiner wöchentlichen Musikkolumne vor. Globale Stile, gerissenes Marketing, spektakuläre Events, skurrile Instrumente: Alles ist Thema. Alles ist ... just Music!
... jeden Freitag in Funkhaus Europa.
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