Just Music
Kaum ein Regime hat Musik so brutal unterdrückt wie die Taliban während ihrer Herrschaft in Afghanistan. Mittlerweile sind Radio, Fernsehen und Internet die Plattformen für Musik. Live-Auftritte bleiben ein Risiko. Aber immerhin: Es gibt wieder eine afghanische Musikszene.
Während der sechjährigen Schreckensherrschaft der Taliban gab keine Konzerte, keine Musik im Radio. Öffentliches Musizieren war verboten; Instrumente wurden von fanatischen Sittenwächtern zerschlagen. Etliche Musiker wurden inhaftiert; andere konnten noch flüchten. In den letzten zwölf Jahren hat sich einiges normalisiert. Es gibt wieder Pop, Folklore und sogar Hip-Hop in Afghanistan. In Kabul wurde eine Musikschule eröffnet, die auch Mädchen besuchen können und kürzlich fand sogar das erste Rockfestival in der Hauptstadt Afghanistans statt. Normalität herrscht dort allerdings noch lange nicht.
Joachim Deicke hat die afghanische Musikszene unter die Lupe genommen:
Es gibt wieder Musik in Afghanistan. Aber es gibt keine afghanische Musik. Paschtunen, Tadschiken, Uzbeken und Nuristani: jedes Volk hat seine eigenen Traditionen. 49 Sprachen und über 200 Dialekte werden in dem 30-Millionen-Staat gesprochen.
Mal klingt's indisch-pakistanisch-asiatisch. Mal ist es eher persisch oder arabisch inspiriert.
Noch größer ist die Kluft zwischen den traditionellen Stilen und dem, was junge Musiker heute produzieren.
Kabul Dreams – Afghanistans erste Indie-Rockband sammelt gerade im Internet für ihr Debutalbum. District Unknown – Kabuls einzige und einsame Metal-Band – muss bis zur ersten Platte noch ein bisschen üben.
Und dann gibt es Hip-Hop in Afghanistan. Jede Menge! Auf englisch, persisch oder paschtu:
Sogar ein paar Frauen sind auf den Rap gekommen – unverschleiert, in engen Jeans und zerschlissener Rebellen-Jacke – so wie Soosan Firooz.
Noch vor zwölf Jahren hatten die Taliban die Frauen Afghanistans quasi unter Hausarrest gestellt. Jetzt rappen sie schon und sind Teil einer großen, aber zerbrechlichen Szene. Als ob die jungen Musiker alle Trends und Möglichkeiten der letzten 30 Jahre nachholen wollten.
Nachhilfeunterricht gab's von den afghanischen Musikern im Exil, die nach der Zerschlagung des Taliban-Regimes in ihre Heimat zurückkehrten – zumindest für ein paar Konzerte und ein Wiedersehen mit der Familie. Dauerhaft wollen aber nur wenige in der alten Heimat leben.
Jawid Sharif
Jawid Sharif lebt in Bonn; Superstar Ferhad Darya ist im US-Bundesstaat Virginia zu Hause. Dort können sie – anders als in Kabul – mit ihrer Musik Geld verdienen und vielleicht sogar mehr für ihre Familien und ihr Land tun. Sie sehen sich oft als Botschafter Afghanistans – so wie Sadiq in Frankfurt.
In Afghanistan sind Radio, Fernsehen und Internet sind die Plattformen der neuen Musikszene. Live-Auftritte bleiben ein Risiko – besonders für laute, junge Bands. Das erste Rockfestival in Kabul musste nachmittags unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen stattfinden. Alkohol war verboten. Und mittendrin: White City, die verrückteste aller Bands von Kabul: Ein bunter Haufen junger Europäer, die das "House of Rock" gegründet haben und dort ein kugelsicheres Tonstudio betreiben. Mit einer Schallisolierung aus Sandsäcken.
White City: Space Cadet
Info: Just Music!
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Don't Panic - it's just music! Und die Musik - die beißt nicht, die will doch nur spielen! Die schlechtesten Aufnahmen aller Zeiten, die schönsten Liebeserklärungen ans Fahrrad; die Songs des arabischen Frühlings; die wildesten Trends, die schrägsten Vögel: Joachim Deicke nimmt sie sich in seiner wöchentlichen Musikkolumne vor. Globale Stile, gerissenes Marketing, spektakuläre Events, skurrile Instrumente: Alles ist Thema. Alles ist ... just Music!
... jeden Freitag in Funkhaus Europa.
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