Just Music
Kubaner können wieder ins Ausland reisen, ohne komplizierte Bürokratie und aufreibende Schikanen. Kubas Musiker hatten damit noch nie Probleme. Nur ganz wenige sind nach einer Tournee nicht zurückgegangen.
Joachim Deicke beschäftigt sich mit den kubanischen Stars, die sich abgesetzt haben – und mit denen, die geblieben sind.
"Castro laufen die besten Musiker weg," hieß es hämisch in den USA, als sich Celia Cruz vor über 50 Jahren nach New Jersey abgesetzt hatte. Einige kubanische Stars hatten die Insel verlassen – allerdings nicht, weil sie den kubanischen Sozialismus ablehnten, sondern meist, weil das große Geld lockte. Die meisten aber blieben – darunter der legendäre Beny Moré, der "Barbaro del Ritmo":
Seit den Zeiten des kalten Krieges und der Kuba-Krise wollen die USA die Insel isolieren. Musikalisch allerdings war das ein Fehlschlag: Kuba blieb – auch nach der Revolution – der Motor der lateinamerikanischen Musik. Sogar auf die Beatles hatte der Volkseigene Inselbetrieb eine überzeugende Antwort.
Los Zafiros, Irakere, Elio Revé, Los Van Van: Musiker und Bands aus Kuba waren bis in die Neunziger Jahre tonangebend in den spanischsprachigen Ländern. Da war nichts von sozialistischem Mief zu spüren. Ganz im Gegenteil: Mangel und Not haben die Musiker der Zuckerinsel erfinderisch gemacht.
Fidel Castro hat seine Musiker verhätschelt. Anders als die übrigen Kubaner konnten sie problemlos ins Ausland reisen. Und die meisten von ihnen kehrten brav nach jeder Tournee zurück.
Die ergrauten Stars des Buena Vista Social Club waren überglücklich, als sie auf ihre alten Tage noch einmal die Metropolen der Welt besuchen konnten. Aber sie dachten nicht daran, sich einen neuen Wohnsitz in Miami, Paris oder Madrid zuzulegen.
Für die Orishas – Ende der Neunziger Kubas führende HipHop-Truppe – spendierte Fidel Castro noch persönlich eine Party. Halten konnte er sie nicht: Sie zogen nach Paris. Und trotzdem blieb die Tür offen: In den letzten zehn Jahren kehrten die Orishas immer wieder in ihre Heimat zurück – für neue Aufnahmen und spektakuläre Konzerte.
Auch Raul Paz zog jahrelang um den Globus, lebte in Montevideo, Miami und Paris – bis er das Gefühl hatte, dass ihm ohne Kuba die Inspiration fehlte. Er wurde bei seiner Rückkehr wie der verlorene Sohn gefeiert.
Selbst Celia Cruz hätte man gerne in Kuba empfangen – wenigstens für ein spektakuläres Konzert in Havanna. Aber die "Reina de la Salsa" blieb bis zu ihrem Tod vor zehn Jahren stur: Nur in einem freien Land würde sie wieder auftreten, sagte sie. Und ähnlich sehen's viele der anderen Exilanten in den USA – so wie Gloria Estefan.
Kuba kann's verschmerzen. Das Land hat andere Probleme. Und falls sich jetzt – mit der neuen Reisefreiheit – ein paar weitere kubanische Musiker ins Ausland absetzen: Die unglaubliche Musikszene der Insel wird dadurch bestimmt nicht austrocknen.
Madera Limpia: Salsa
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Don't Panic - it's just music! Und die Musik - die beißt nicht, die will doch nur spielen! Die schlechtesten Aufnahmen aller Zeiten, die schönsten Liebeserklärungen ans Fahrrad; die Songs des arabischen Frühlings; die wildesten Trends, die schrägsten Vögel: Joachim Deicke nimmt sie sich in seiner wöchentlichen Musikkolumne vor. Globale Stile, gerissenes Marketing, spektakuläre Events, skurrile Instrumente: Alles ist Thema. Alles ist ... just Music!
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