Just Music
Im Februar 2003 endete die Karriere des exzentrischen, aber unglaublich wichtigen, innovativen Produzenten Phil Spector dramatisch. Vor allem in den Sechzigern hatte er der Musik eine neue Tür geöffnet. Sein Markenzeichen ist heute noch allgegenwärtig: Die "Wall of Sound".
Phil Spector
Anfang Februar 2003 wurde die kalifornische Polizei in eins der pompösesten Landhäuser an der Pazifikküste gerufen – in Phil Spectors Pyrenäen-Schloss: Ein Unfall vielleicht? Ein Selbstmord, eine Schießerei? Opfer war die damals 40jährige Schauspielerin Lana Clarkson. "Ich glaube, ich habe sie getötet," murmelte Star-Produzent Spector, als er sein Haus – mit einem Revolver in der Hand – verlassen wollte. Er wurde später wegen Totschlags zu 19 Jahren Zuchthaus verurteilt.
Joachim Deicke hat sich mit dem Aufstieg und Fall des Innenarchitekten des Pop beschäftigt.
Was für ein unglaublicher Rums! Was für ein bombastischer Sound. Eine Klangwand; ein Tempel aus Streichern, Bläsern und Hall. Unglaubliche 22.000 Dollar hat Phil Spector 1966 in diesen einen Song von Ike and Tina Turner gesteckt. Und noch mal 20.000 hat er draufgelegt, um Ike nach Hause zu schicken. Ike nervte. Wollte mitreden. Phil Spector dagegen wollte sein Meisterwerk hinlegen.
Bereits mit 19 schreibt Phil Spector den ersten Hit für seine 'Teddy Bears':
Wenig später – Anfang der 60er – beschließt er, lieber als Produzent hinter den Kulissen zu arbeiten. Im Studio – am Mischpult – blüht Spector richtig auf. Und er findet: Musik sollte satter, größer, symphonischer klingen. Dazu zieht er alle Register.
Orchestermusiker, Chorsänger, Glocken, Schellen, Pauken und Trompeten. Der manisch-geniale Jung-Produzent treibt immer größere Besetzungen zusammen; läßt ihre Parts doppelt und dreifach aufnehmen, stapelt sie im Mehrspurverfahren übereinander. Und kippt endlos-weiten Hall darüber. So entsteht Phil Spectors Markenzeichen – die "Wall of Sound".
Die Crystals, die Ronettes, die Righteous Brothers: alle wollen sich von Phil Spector produzieren lassen. Und schließlich sogar: Die Beatles. Besonders John Lennon ist unzufrieden mit dem Sound ihres letzten Albums.
So wird der Super-Klang-Zauberer Phil Spector ans Mischpult geholt
Paul McCartney tobte. Hinter seinem Rücken hatte Phil Spector "Let It Be" zu einem orchester-überfachteten Monstrum gemacht: einer der Gründe, weshalb die Beatles sich trennten. John Lennon und George Harrison setzten aber weiter auf den Cinemascope- Produzenten.
Einige Kritiker rümpften die Nase: Harrisons erstes Solo-Album: Tolle Songs, aber ein Sound wie eine missratene Orchesterprobe. Überproduziert! Der größte Hit - "My Sweet Lord" - war obendrein geklaut.
Spectors Stern begann zu sinken. Er wurde exzentrischer, unberechenbarer, unnahbarer. Andere Musiker kopierten seine Ideen und waren bald besser als das Original
Vor zehn Jahren - der letzte Tiefpunkt eines wilden Lebens. Niemand weiß, warum Phil Spector seine Freundin Lana Clarkson erschoss. Heute ist er 73 und büßt im Staatsgefängnis von Kalifornien seine Strafe ab. Kaum jemand spricht mehr von ihm - und der Mega-Sound, den Phil Spector erfunden hat, ist längst Allgemeingut geworden.
Pastora Soler: Quédate Conmigo
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Don't Panic - it's just music! Und die Musik - die beißt nicht, die will doch nur spielen! Die schlechtesten Aufnahmen aller Zeiten, die schönsten Liebeserklärungen ans Fahrrad; die Songs des arabischen Frühlings; die wildesten Trends, die schrägsten Vögel: Joachim Deicke nimmt sie sich in seiner wöchentlichen Musikkolumne vor. Globale Stile, gerissenes Marketing, spektakuläre Events, skurrile Instrumente: Alles ist Thema. Alles ist ... just Music!
... jeden Freitag in Funkhaus Europa.
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