Just Music
Vor fünfzig Jahren trauerte Kuba um Beny Moré. Der größte und einflussreichste kubanische Musiker starb am 19. Februar 1963. An seiner Beerdigung nahmen Hunderttausende teil und sangen seine Lieder. Joachim Deicke erinnert in seiner heutigen Musikkolumne an den "Barbaren des Rhythmus".
Blechbläser wie ein präzise getimetes Feuerwerk; die Rhythmen kräftig, kantig und elegant. Und dann - diese warme Stimme: mal sanft, mal selbstbewusst. Mit Schnörkeln und Trillern segelte "El Beny" - wie ihn die Kubaner nennen - durch seine Songs.
Beny Moré: Ein schmächtiger Mann in feinem Zwirn, mit einem markanten Bärtchen und großen Gesten, mit denen er sein Orchester anfeuerte. Alles war lässig. Auch die sparsamen Tanzschritte, der Moonwalk, den er schon Jahre vor Michael Jackson beherrschte.
Beny Moré kam 1936 aus der tiefsten Provinz ins glitzernde Havanna: damals die Vergnügungsvorstadt der USA. Hotels, Bordelle, Spielcasinos, Bettler. "El Beny" schlug sich als Obstverkäufer durch, sang gelegentlich in den Bars und Café der kubanischen Hauptstadt, gewann schließlich einen Talentwettbewerb und wurde über Nacht zum neuen Star der Vierziger.
Nicht nur in La Habana mischten sich kubanische Rhythmen mit dem amerikanischen Swing. Viele lateinamerikanische Bandleader zog es nach New York. Beny Moré jedoch blieb in seiner Heimat, war näher an den Wurzeln seiner Musik und verzauberte seine Landsleute mit Songs, in denen er fast jede Stadt, jede Provinz Kubas verewigte.
Mambo, Rumba, Guaracha und Son: "El Beny" griff jeden Rhythmus seiner Heimat auf. Allein diese Vielfalt unterschied ihn von den anderen Musikern der Vierziger und Fünfziger Jahre. Neben ekstatischen Tanznummern standen romantische große Balladen.
Der Siegeszug der Buena-Vista-Stars, der bis heute anhaltende Erfolg der kubanischen Musik: Ohne den "Barbaren des Rhythmus" wäre gar nichts daraus geworden. Vor allem Musiker wissen das: immer wenn sie eine Flasche Rum öffnen - der erste Schluck geht an "El Beny":
Die Verehrung hat viel damit zu tun, dass Beny Moré auch nach der kubanischen Revolution 1959 in seiner Heimat blieb. Während andere Musiker sich in die USA absetzen, dachte er gar nicht daran "mi gente" - wie er es ausdrückte - zu verlassen.
Lange konnte sich Castro's Kuba nicht mit dem Volkshelden Beny Moré schmücken. Er starb im Februar 1963 - mit nur 43 Jahren - an einer Leberzirrhose: zu viel Rum. An seinem Todestag wurde es einen Moment lang still in Kuba und dann lief tagelang nichts anderes als die Musik des "Barbaro del Ritmo" in Radio und Fernsehen.
Seitdem? Ach, fast jeder lateinamerikanische Star hat wenigstens einen Beny-Moré-Song im Repertoire. Die nach ihm benannte Stiftung fördert heute junge kubanische Rapper und die Remixer der Welt sind mit Begeisterung dabei, "El Beny's" Klassiker zurück auf die Tanzflächen zu holen.
Info: Just Music!
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Don't Panic - it's just music! Und die Musik - die beißt nicht, die will doch nur spielen! Die schlechtesten Aufnahmen aller Zeiten, die schönsten Liebeserklärungen ans Fahrrad; die Songs des arabischen Frühlings; die wildesten Trends, die schrägsten Vögel: Joachim Deicke nimmt sie sich in seiner wöchentlichen Musikkolumne vor. Globale Stile, gerissenes Marketing, spektakuläre Events, skurrile Instrumente: Alles ist Thema. Alles ist ... just Music!
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