Just Music
In Italien finden wieder Parlamentswahlen statt. Präsident Monti hatte im Dezember seinen Rücktritt erklärt und nun gibt's einen Favoriten für die Neuwahlen: Silvio Berlusconi. In Rest-Europa schlägt man die Hände überm Kopf zusammen. Dabei übersieht man gerne Berlusconis Verdienste für die schönen Künste – meint zumindest Joachim Deicke.
Ach, klar! Mit brennender Sehnsucht in den Augen und der Gitarre in der Hand: so hat Toto Cotugno in den Achtzigern seine Landsleute beschrieben. Canta Italia: Wenn alles nicht hilft, dann fangen die Italiener an zu singen. Und Silvio Berlusconi der Staatssänger Nummer Eins. Vier CDs hat er schon rausgebracht - meist in den Pausen zwischen seinen diversen Amtszeiten.
Sicherlich: Nicht eine einzige seiner Scheiben war erfolgreich. Aber darum geht's doch gar nicht. Entscheidend war, dass er Millionen seiner Landsleute inspiriert hat. Bei seinem letzten Rücktritt versammelten sie sich sogar vor dem Regierungspalast und schmetterten Hymnen in die kalte römische Winternacht.
Der Cavaliere ließ Oden über sich, seine staatsmännische Größe, seine Versprechungen, Visionen und Träume komponieren und sorgte dafür, dass sie auch in seinen Fernsehkanälen liefen.
Si, si! "Gut, dass es den Silvio gibt!" Er hat was getan - zumindest für die Musik seines Landes. Die einen haben für ihn gesungen, die meisten gegen ihn. Aber nie - in den bewegenden Jahren seiner Amtszeiten - sind den Musikern die Themen ausgegangen. Berlusconi lieferte die Vorlagen für dadaistische Wortspiele wie ...
... "Unga Bunga Bunga". Er lieferte die Denkanstöße zu komplexer, philosophischer Poesie über Lüge, Macht und Größenwahn. Er inspirierte junge, talentierte Sänger wie Simone Cristichi zu offenherzigen Bekenntnisse wie "Ich fühle mich nicht mehr wie ein Italiener".
Und bisweilen war es Berlusconis bloßer, klangvoller Name, der Künstler zu dichterischen wie musikalischen Höchstleistungen anspornte.
Silvio Berlusconi: Der Musenkönig südländischer Sangesfreude. Der Cavaliere der Künste. Der Pate des Populismus. Der große Inspirator.
Wenn man alle Gesänge zusammenzählt, die von Berlusconi auf den Weg gebracht worden sind, kommt man auf fast so viele Klicks wie bei "Gangnam Style". Avanti Italia! Das Land von Mandolinen und Mondschein ist wieder ganz vorne.
Und - bittesehr - wie viele Italiener haben Monti, Prodi oder Bossi zum Singen gebracht? Eben: Nessuno! Zero Assoluto! Und da nun mal feststeht, dass Berlusconi als Politiker eine Katastrophe ist, wäre Italien doch gut beraten gewesen, den Cavaliere einfach zum Eurovision Song Contest zu schicken.
Aber zu spät. Der Mann, der ein famoser Operettenkönig hätte sein können, steht womöglich schon wieder vor einem politischen Comeback.
Joachim Deicke: Berlusconis Verdienste für die schönen Künste in Italien, [4:02]
Info: Just Music!
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Don't Panic - it's just music! Und die Musik - die beißt nicht, die will doch nur spielen! Die schlechtesten Aufnahmen aller Zeiten, die schönsten Liebeserklärungen ans Fahrrad; die Songs des arabischen Frühlings; die wildesten Trends, die schrägsten Vögel: Joachim Deicke nimmt sie sich in seiner wöchentlichen Musikkolumne vor. Globale Stile, gerissenes Marketing, spektakuläre Events, skurrile Instrumente: Alles ist Thema. Alles ist ... just Music!
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