Just Music
Die Gangsta-Rapper aus New York, Lagos oder San Juan sind milchbärtige Maulhelden gegen ihre Kollegen aus dem Norden und Westen Mexikos: Die singen nicht nur von Machos, Killern und Drogendeals, sondern stecken mittendrin im organisierten Verbrechen.
Im Auftrag der berüchtigten Kartelle schreiben sie Songs, in denen die Paten verherrlicht und die anderen Gangs verunglimpft werden. Das ist ein einträgliches Geschäft, aber auch ein sehr gefährliches. Rund fünfzig von ihnen wurden in den letzten zwanzig Jahren ermordet. Ende Januar 2013 kam in der Millionenstadt Monterrey noch eine ganze Big Band dazu. Jungs in bunten Anzügen, billigen Turnschuhen: Äußerlich genauso brav und bieder wie die Musik der ganzen Narcocorrido-Szene.
El Halcon de La Sierra, der Falke des Hochlands
Joachim Deicke hat sich mit der Lieblingsmusik der mexikanischen Kartelle beschäftigt:
Blasmusik im Dreivierteltakt, wie auf einer Dorf-Kirmes: Humptata und allerbeste mexikanische Laune. Ein Loblied auf El Senor Mayo Zambada, einer der Chefs des Sinaloa-Kartells. Fünf Millionen US-Dollar sind auf Zambadas Kopf ausgesetzt. Ein paar Bundesstaaten weiter regiert das Konkurrenz-Kartell: Los Zetas.
Sie sind momentan die brutalste und stärkste Organisation im Machtkampf der mexikanischen Kartelle. Los Potrillos De Nuevo Laredo singen von ihnen, als ob es um den Räuber Hotzenplotz und den Diebstahl einer Kaffeemühle ginge. Dabei sind die Zetas unter anderen verantwortlich für die die Ermordung von rund zwanzig Musikern, Ende Januar 2013.
El Halcon De La Sierra
Kombo Kolombia hieß die Truppe, die sich eigentlich aus dem Machtkampf der Kartelle heraushalten wollte. Vielleicht ein Fehler: Sie hatten niemand, unter dessen Schutz sie standen. Wobei auch ein Patrón nicht all seinen Musikern helfen kann:
El Halcon de La Sierra, der Falke des Hochlands, 2011 – nach einem Konzert erschossen. Valentin Elizade...
...2006 regelrecht hingerichtet, weil jemand diesen Song "An meine Feine" in die falsche Kehle gekriegt hatte. 27 Jahre war er Elizade: Ein Bubi mit Cowboyhut, der nicht "Nein" sagen konnte, als die Mafioso mit ein paar Hundert-Dollar-Scheinen vor seiner Nase wedelten. "Schreib mal einen Song über uns", heißt es immer wieder in Mexiko.
Nicht nur die Eitelkeit der Drogenbosse sorgt dafür, dass ein paar tausend mexikanische Musiker vom "Lustigen Mafialeben" singen. Nein: Solche Outlaw-Balladen haben Tradition, seit Pancho Villa und Emiliano Zapata die Spanier aus dem Land jagten. Seit über hundert Jahren singt man von Schurken, Helden und Drogen:
Tono Ramirez
Songs über Marihuana und blutige Überfälle sind nicht illegal. Die mexikanische Regierung versucht zwar, die Narcocorridos – die Lieder über Drogen und die Kartelle – wenigstens aus dem Radio zu verbannen. Viel erreicht hat sie nicht. Oft genug sind's die Hörer, die immer wieder nach Corridos wie "El Cabron" verlangen.
"Seit ich Kind war, bin ich ein Drecksack," singt Tono Ramirez. "Ich schnupfe Koks, rauche Marihuana – aus gutem Grund: Jeder in meinem geliebten Land ist nämlich ein Drecksack".
Chalino
Star im Windschatten der Drogenkartelle: Ein gefährliches, aber einträgliches Geschäft. Einige der Narcocorrido-Musiker haben Grammies gewonnen; andere touren durch riesige Stadien von Peru bis Texas. Das Berufsrisiko gehört dazu, schon seit über zwanzig Jahren, als Chalino, der erste Superstar der Narcocorridos, tot aufgefunden wurde – mit zwei Schusslöchern im Hinterkopf.
Chalino: Ya Despues De Muerto
Info: Just Music!
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Don't Panic - it's just music! Und die Musik - die beißt nicht, die will doch nur spielen! Die schlechtesten Aufnahmen aller Zeiten, die schönsten Liebeserklärungen ans Fahrrad; die Songs des arabischen Frühlings; die wildesten Trends, die schrägsten Vögel: Joachim Deicke nimmt sie sich in seiner wöchentlichen Musikkolumne vor. Globale Stile, gerissenes Marketing, spektakuläre Events, skurrile Instrumente: Alles ist Thema. Alles ist ... just Music!
... jeden Freitag in Funkhaus Europa.
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