Just Music
Am Osterwochenende 2013 fand in Angola ein international besetztes Kuduro-Festival statt. Nicht etwa weil man nun dort auch diesen Rhythmus entdeckt hat, sondern weil er da zu Hause ist. Aber erst seit Ende des Bürgerkriegs 2002 wurde der Kuduro zum Inbegriff der "Angolanidade" – des "Angolanertums".
Luanda ist ein Moloch: Fünf Millionen Menschen, zusammengedrängt an der Baía de Mussulo. Tropisches Klima; immer um die 30 Grad – und die Luftfeuchtigkeit – meist zum Auswringen.
Von weitem hat Angolas Hauptstadt eine beeindruckende Skyline. Bei näherem Hinsehen sind viele der Hochhäuser aber das, was man dort "vertikale Slums" nennt. Der Kuduro jedoch kommt aus den Musseques, den Vorstädten, wo sich die Hütten vor allem horizontal ausbreiten.
Mit dem Abzug der portugiesischen Kolonialherren 1975 begann in Angola ein endloser Bürgerkrieg, bei dem eine halbe Million Menschen starben. Erst seit rund zehn Jahren herrscht Frieden. Seitdem gab es einen Wirtschaftsboom – aber nur wenige profitieren davon. Ihnen bleibt nur der Kuduro: Party und Protest zugleich.
Die Urform dieser urbanen Tanzmusik gibt es schon seit den 80ern. Aber erst, seit dem Ende des Bürgerkriegs, wurde der Kuduro zum Inbegriff der "Angolanidade" – des "Angolanertums":
Die Zutaten des Kuduro: Das sind einerseits ältere afrikanische Stile wie Kilapanga, Semba und Soukous. Dazu kommen lateinamerikanische Re-Importe – vor allem aus Kuba. Fidel Castro hatte sich mit über 400.000 Soldaten und Entwicklungshelfern im angolanischen Bürgerkrieg engagiert. Vor allem aber bedient sich der Kuduro aber beim HipHop, Rap und bei Jamaikas Dancehall-Reggae.
Es dauerte nicht lange bis auch Lissabon seine ersten Kuduro-Bands hatte. Schätzungsweise 30.000 Angolaner schlagen sich dort durch. Das Buraka Som System erhielt dort unerwartete Unterstützung von M.I.A. aus England. Gemeinsam entstand 2009 der erste kleine Kudoro-Hit.
2010 kam dann Lucenzo, ein Franzose mit portugiesischen Wurzeln, der den Kuduro weltberühmt machte.
Die Kuduristas in Luanda rümpften da nur die Nase: Das hatte herzlich wenig mit ihrem Alltag und ihrem Rhythmus zu tun. Ebenso wenig die tausend Alben, denen seit Lucenzos Erfolg das Schild "Kuduro" umgehängt wurde.
Natürlich ist man stolz, dass der Rhythmus Luandas zu den angesagten Stilen des Global Pop gehört. Aber bitte sehr: Es sollte echter Kuduro sein. Auch deshalb läuft jetzt das zweite "I Love Kuduro"-Festival in Angolas Hauptstadt. Eine Bestandsaufnahme des wahren Kuduro – mit Stars aus Angola – mit DJs, Workshops und den garantiert neuesten Tanzschritten.
Titica: Chao
Info: Just Music!
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Don't Panic - it's just music! Und die Musik - die beißt nicht, die will doch nur spielen! Die schlechtesten Aufnahmen aller Zeiten, die schönsten Liebeserklärungen ans Fahrrad; die Songs des arabischen Frühlings; die wildesten Trends, die schrägsten Vögel: Joachim Deicke nimmt sie sich in seiner wöchentlichen Musikkolumne vor. Globale Stile, gerissenes Marketing, spektakuläre Events, skurrile Instrumente: Alles ist Thema. Alles ist ... just Music!
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