Just Music
Gekifft wurde in den vergangenen achtzig Jahren auf nahezu allen Musikbühnen in den USA. Offenbar hatte Marihuana sogar einen erstaunlichen Einfluss auf die Entwicklung der ur-amerikanischen Musik. Viele der der Superstars des alten Blues, Jazz und Swing mussten erstmal tief inhalieren, bevor sie auf die Bühne gingen!
In Denver, in den Rocky Mountains begann am 17. April die "World Cannabis Week" – ein erstes internationales Haschisch-Festival. Im US-Bundesstaat Colorado ist Marihuana seit einem halben Jahr eine legale Droge – so wie Alkohol oder Zigaretten. Damit sind es schon 18 US-Bundesstaaten, die Marihuana mehr oder weniger freigegeben haben. Weitere werden folgen. Damit enden rund achtzig Jahre zunehmend rigider Anti-Drogen-Gesetze.
Joachim Deicke hat sich mit den Musikgrößen vergangener Jahre beschäftigt, die dem Kraut nicht abgeneigt gegenüber standen:
Cab Calloway Orchestra: The Man From Harlem
Sie kauten auf den Fingernägeln, die Nerven lagen blank. Alle warteten auf den "Man From Harlem". Der sollte den Stoff bringen, der sie glücklich machen würde. Cab Calloway war das, 1936. Der Kerl mit dem unwiderstehlichen Grinsen – das ganz tief aus den Zehenspitzen kam. Oder aus der Lunge. Der Zug am Joint gehörte einfach zum Swing.
Ella Fitzgerald: When I Get Low I Get High
Auch Ella Fitzgerald wusste, wie man "high" wird. Louis Armstrong, Duke Ellington: Durch hundert Jahre Jazz wabern dichte, würzige Rauchschwaden. Schon 1910 warnte die Polizei von New Orleans vor dem wachsenden Drogenkonsum vor allem im Stadtteil Storyville; unter dem Einfluss von Cannabis entstand dort eine Musik, die verkommener und gefährlicher kaum sein konnte.
Benny Goodman: Texas Tea Party
Benny Goodman – einer der wenigen Weißen im Inneren Kreis des klassischen Jazz: Auch er wusste 1933, was auf einer "Texas Tea Party" abging. Da trafen sich die "Vipers" – die Kiffer vor 80 Jahren. Ein Joint war ein "Reefer" – oder auch ein "Schweinsfuß" – ein "Pigfoot":
Bessie Smith: Gimme a Pigfoot
Blues-Königin Bessie Smith: "Sie hat mit Drogen nie etwas zu tun gehabt," sagte ihre Tochter später entrüstet. "Sie hat nur Reefer geraucht!" War ja damals – 1933 – auch noch legal. Anders als Alkohol: Von 1919 bis in die frühen Dreißiger herrschte die Prohibition in den USA: Alkohol war verboten. Ein Joint dagegen brachte niemand in den Knast.
Sidney Bechet: Viper Mad
Die alten Jazz- und Bluessongs sind voll von Anspielungen auf das lustige Kraut: Jeder, der was von Musik verstand, wusste, dass "Jive" nicht nur ein Tanz war, sondern auch ein weiteres Codewort für Marihuana.
Cats and The Fiddle: Killin' Jive
1933 wurde Alkohol in den USA wieder freigegeben. Das Experiment der Prohibition war komplett gescheitert. Dafür ging es nur wenige Jahre später den Kiffern an den Kragen: Haschisch wurde verboten. Eine regelrechte Hysterie gegen Hanf-Produkte wurde geschürt:
O-Ton: FBI-Schulungs-Film
Aufklärungsfilme wie "Reefer Madness" zeigten, wie die Teufelsdroge Marihuana unbescholtene Familien in sexhungrige, durchgeknallte Monster verwandelte, die – natürlich – ständig Jazz tanzten.
O-Ton: "Reefer Madness" (1938)
Ganz falsch war's nicht mal: Cannabis blieb - bis in die frühen Sechziger – vor allem die Droge der Jazz-Szene. Und auch wenn es lange illegal war: das Kraut hat die Musik bis heute immer wieder geprägt und verändert.
Nump ft. M.I.A.: Legalize My Medicine
Das Audio:
Joachim Deicke: "Reefer Music" – Wie Haschisch die Musik inspiriert hat, [3:37]
Info: Just Music!
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Don't Panic - it's just music! Und die Musik - die beißt nicht, die will doch nur spielen! Die schlechtesten Aufnahmen aller Zeiten, die schönsten Liebeserklärungen ans Fahrrad; die Songs des arabischen Frühlings; die wildesten Trends, die schrägsten Vögel: Joachim Deicke nimmt sie sich in seiner wöchentlichen Musikkolumne vor. Globale Stile, gerissenes Marketing, spektakuläre Events, skurrile Instrumente: Alles ist Thema. Alles ist ... just Music!
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