Just Music
Vor einem Jahr, als der ESC in Aserbaidschan stattfand, wurde viel debattiert, ob und wie man gegen ein Land protestieren könnte, das es mit Menschenrechten nicht so genau nimmt. Dieses Jahr denkt niemand an Politik: Schweden gilt als demokratisches Musterland, Malmö als Vorzeigestadt. Joachim Deicke hat genauer hingeschaut.
'Malmö Calling': Perle am Öresund: Backsteingotik, ein verdrehter Wolkenkratzer, weitläufige Fußgängerzonen: Malmö präsentiert sich schnuckelig, weltoffen und jung. 300.000 Einwohner, die Hälfte davon jünger als 35, Menschen aus 174 Ländern leben in Schwedens drittgrößter Stadt. Deshalb kann Malmö auch so klingen:
Brasilianer und Bosnier, Iraker und Iraner, Bulgaren und Libanesen: Schweden ist stolz auf seine Tradition als sicherer Hafen für Verfolgte und Heimatlose. Und in Malmö sind besonders viele zu Hause: 41 Prozent stammen aus Nicht-Schwedischen Familien.
Mit dem bunten, kosmopolitischen Malmö kann man hausieren gehen. Enthusiasten behaupten sogar, die Stadt im Süden hätte mehr Flair, größere Attraktionen und eine bessere Musikszene als Göteborg oder Stockholm. Letzteres ist allerdings Wunschdenken: Nur eine der wirklich erfolgreichen schwedischen Bands ist in Malmö zu Hause: Die Cardigans.
Und der erfolgreichste Solist - Arash aus dem Iran - lässt sich nur noch selten am Öresund blicken.
Auf den zweiten Blick gibt's einige Risse in der Fassade der friedlichen Hafenstadt: Die blassen Schweden ziehen sich immer weiter in die Vororte der Stadt zurück - möglichst weit von Stadtteilen wie Rosengard, wo die Arbeitslosigkeit bei 70% liegt und die Wohnungen hoffnungslos überbelegt sind. Dort tickt ein anderer Beat.
In Rosengard gab es 2008 die ersten schweren Krawalle Schwedens, als die Polizei eine Kellermoschee räumen wollte. Rohrbomben wurden gezündet, selbst Krankenwagen wurden mit Steinen und Feuerwerkskörpern beworfen. Junge Gangs ziehen als "Gesinnungspolizei" um die Häuser. Und viele Eltern schicken ihre Kinder lieber in Koranschulen als in die staatlichen Einrichtungen.
Fußball-Superstar Zlatan Ibrahimovic' stammt aus diesem Viertel und ist froh, dass er es hinter sich gelassen hat. Diejenigen, die heute dort ankommen, klagen oft, dass sie in ihrer Heimat freier gelebt hätten, als in Rosengard. Seit ein paar Jahren warnt sogar das Simon-Wiesenthal-Center Juden vor dem Besuch der Stadt.
"Ein High Five und ein Falafel": Timbuktu rappt auf 'Schonisch' - im Dialekt seiner südschwedischen Heimat. Ironisch, bissig und unverblümt. Der Sohn eines westafrikanischen Menschenrechtlers und Dokumentarfilmers kennt beide Seiten seiner Stadt: von den überfüllten Neubausiedlungen, in denen es gärt und brodelt - bis zur Bullerbü-Beschaulichkeit, mit der sich Malmö als multikulti-Paradies feiert.
Das Audio:
Joachom Deicke: Malmö, [3:31]
Info: Just Music!
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Don't Panic - it's just music! Und die Musik - die beißt nicht, die will doch nur spielen! Die schlechtesten Aufnahmen aller Zeiten, die schönsten Liebeserklärungen ans Fahrrad; die Songs des arabischen Frühlings; die wildesten Trends, die schrägsten Vögel: Joachim Deicke nimmt sie sich in seiner wöchentlichen Musikkolumne vor. Globale Stile, gerissenes Marketing, spektakuläre Events, skurrile Instrumente: Alles ist Thema. Alles ist ... just Music!
... jeden Freitag in Funkhaus Europa.
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